«Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennen lernen», heisst es in Peter Bichsels berühmter Kurzgeschichte. Doch weil Frau Blum später aufsteht als der Milchmann, begegnen sie sich nie.

1964, als Bichsels Kurzgeschichte erschien, war ein Schicksalsjahr für die Milchmänner. Damals verloren sie das Monopol im Milchverkauf. Heute sind sie in der Schweiz ausgestorben.

In der ganzen Schweiz? Nicht ganz: In Basel gibt es heute noch 13 Milchmänner, die 8000 Haushalte und zahlreiche Kantinen, Spitäler und Restaurants mehrmals pro Woche beliefern. Bis vor vier Jahren gab es für diese Tradition einen handfesten Grund. Mit einem Zehntelrappen pro Liter abgelieferter Milch unterstützten die im Milchverband Basel (Miba) organisierten Nordwestschweizer Bauern damals die Hauszustellung. Ziel dieser Subvention war, den Milchkonsum anzukurbeln. Doch der Quasiübernahme des Miba durch Toni – die heute konkursite Swiss Dairy Food – ist nicht nur die Subvention der Milchmänner zum Opfer gefallen, sondern auch deren Molkerei.

Doch die Basler Milchmänner gaben nicht auf. Im Liestaler «Milchhüsli» fanden sie Ersatz. Seither wird die Milch aus der Region hier gesammelt, in Schlauchbeutel abgepackt oder zu Joghurt, Rahm und anderen Produkten weiterverarbeitet – ein grosser Teil davon in Bioqualität.

Aufbau einer Molkerei geplant
Der Erfolg dieser Regio-Milch-Produkte hat den Basler Milchmännern Recht gegeben. Heute reichen die Verarbeitungskapazitäten nicht mehr aus. Der Betrieb platzt aus allen Nähten. Statt wie andernorts Kapazitäten stillzulegen, wollen die Basler Milchmänner sogar eine neue Molkerei aufbauen. Um das nötige Kleingeld aufzutreiben, haben sie eigens einen Verein gegründet. Als konkretes Projekt steht ein Bauernhof in der Vorortsgemeinde Reinach im Vordergrund – Kostenpunkt: rund fünf Millionen Franken.

Anzeige

Die Bedingungen dafür sind günstig: Der Hof gehört dem Kanton Basel-Stadt, und Regierungsrat Christoph Eymann steht dem Projekt positiv gegenüber. Zum Unterstützungskomitee gehört auch Nationalrat Rudolf Rechsteiner. Als Sohn eines Milchmanns und Lebensmittelhändlers ist er mit der Materie bestens vertraut. «Mit einer regionalen Lösung könnte man jährlich Tausende von Lastwagenfahrten einsparen», sagt der SP-Politiker.

Eine Zeit lang hofften die Basler Milchmänner, die Migros Basel würde sich an dem Projekt beteiligen. Vergebens. Denn der Grossverteiler führt bereits eine «Regio-Milch» im Sortiment. «Aus der Region für die Region», steht auf der Verpackung. Wer allerdings genau hinschaut, findet den klein gedruckten Hinweis: «Abgefüllt durch Emmi Luzern». Die Milch wird zwar in der Nordwestschweiz gesammelt, dann aber per Lastwagen in die Innerschweiz gekarrt und abgepackt wieder über den Jura zurückgebracht.

Anzeige

«Das ist vielleicht ökologisch nicht ideal, eine Mogelpackung ist das aber nicht – die Milch stammt ja aus der Region», sagt Friedrich Dähler von Migros Basel.

Etwas anders sieht das Alex Wirth, Präsident des Basler Milchhändlerverbands: «Die wirklich ehrliche Regio-Milch haben wir.»