Beim Verein Pro Igel und den Igelstationen in der ganzen Schweiz laufen die Telefone heiss, weil besorgte Igelfreunde wissen möchten, wie man den Tieren unter den derzeit widrigen Umständen am besten helfen kann.

Pro Igel gibt folgenden Tipp: Stellen Sie bitte Katzenfutter à discretion in den Garten, bei Minusgraden empfiehlt sich Trockenfutter. Keine Milch, keine Nüsse und Früchte, Igel sind Insektenfresser.

Das Zufüttern sei eine zeitlich begrenzte Notmassnahme, es sei wichtig, dass spätestens einen Monat nach Beginn der Vegetationsperiode das Füttern eingestellt wird. Dies aus Gründen des Gesundheitsschutzes: Igel sind Einzelgänger und meiden jeden Kontakt zu Artgenossen, ausgenommen zur Paarungszeit. Permanente Futterplätze ziehen aber viele Igel an und entwickeln sich so zu wahren Umschlagsplätzen für Parasiten und Krankheiten. Zumal Igel für fehlendes Hygienebewusstsein am Futterplatz bekannt seien. Deshalb sollte von Anfang Mai bis Ende September kein Futter in den Garten gestellt werden. Vor und nach dem Winterschlaf ist Zufüttern hilfreich, dazwischen ist es gemäss Pro Igel hingegen «schlicht artgefährdend».

Strenge Winter kennen die Igel seit Jahrmillionen. Neu und lebensbedrohlich sei jedoch die aufgeräumte Umgebung. Die ursprünglichen Vorratskammern für die karge Jahreszeit, Laub und Totholz, sind aus Gründen der Ordnung meist aus dem Garten entfernt worden. Der Winterschlaf sei entwicklungsgeschichtlich einer der wichtigsten Faktoren für den natürlichen Ausleseprozess, nur die stärksten Igel überleben ihn. Wenn diese Prüfung durch übertriebene Gartenordnung um zwei weitere Monate verlängert wird, könne das für die Igel lebensbedrohliche Ausmasse annehmen, wie der Verein Pro Igel schreibt.

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Der beste Igelschutz sei deshalb eine verwilderte Ecke im Garten, ein grosser Haufen aus Laub und Gartenabschnitten und der Verzicht auf chemische Hilfsmittel und exotische Pflanzenarten wie Thuja und Forsythien. (Pro Igel)

Igel sind in den meisten Kulturländern geschützt. Dies gilt auch für die Schweiz. Gemäss Art. 20, Abs. 1, des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG), Art. 20 Abs. 2 und Anh. 3 der Natur- und Heimatschutzverordnung (NHV) ist der Igel bundesrechtlich geschützt.

Wird ein kranker oder verletzter Igel gefunden, gilt es, sich unverzüglich mit einem Tierarzt oder einer Igelstation in Verbindung zu setzen. Wenn Sie mutterlose Igelsäuglinge sehen, rät der Verein pro Igel:

  • Tiere beobachten.
  • Wenn Säuglinge pfeifen und ein Nest vorhanden ist, tragen Sie die Tiere vorsichtig dorthin zurück. Streifen Sie vorher mit den Händen über Gras, damit Ihre Hände nach Gras riechen.
  • Liegen die Säuglinge länger als zwei bis drei Stunden dort, sind die Tiere in eine Igelstation zu bringen.
  • Wenn die Mutter tot neben den Kleinen liegt oder man weiss, dass sie überfahren wurde, sind alle Säuglinge sofort in eine Igelstation zu bringen.


24-Stunden-Notfallnummer: 079 652 90 42

Telefonnummern der einzelnen Igelstationen

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Zu beachten sei ferner, dass Igel auch in menschlicher Obhut als Wildtiere zu behandeln sind. Zähmungsversuche sind strikt zu unterlassen, und das Wildtier Igel darf nicht länger in Obhut gehalten werden als unbedingt nötig.

Weitere Infos
Website des Vereins Pro Igel: www.pro-igel.ch