Mit einem Alter von 635 Millionen Jahren schlagen Schwämme, die Forscher der University of California im Südoman entdeckten, alle bisherigen Rekorde der Paläontologie. Bei Untersuchungen von Felsen aus dieser Zeit konnten chemische Bestandteile der Zellmembran von Hornkieselschwämmen nachgewiesen werden.

Diese frühesten Vielzeller lebten somit 100 Millionen Jahre vor dem Kambrium, mit dem das klassische geologische Erdaltertum beginnt und aus dem die bisher frühesten Tierfunde gesichert waren. Publiziert wurden diese Forschungen im Magazin «Nature».

Die US-Forscher untersuchten Kohlenwasserstoffe, die in Sedimentgesteinen der Huqf-Region im Süden des Oman eingeschlossen waren. Sie fanden dabei eine Cholesterinverbindung, die man bisher nur als Strukturbildner der Zellmembran von Hornkieselschwämmen kennt. Bei den nächsten einzelligen Verwandten der Schwämme kommt diese Verbindung hingegen nicht vor.

«Schwämme leben auf dem Meeresgrund, sie wachsen anfangs im seichten Wasser und dringen im Lauf der Zeit in die Tiefen vor. Das lässt auf die Existenz einer sauerstoffhaltigen ozeanischen Umgebung nahe am Meeresgrund schon vor 635 Millionen Jahren schliessen», betont Studienleiter Gordon Love. Aufgrund der grossen Mengen der Cholesterinverbindungen, die er im Gestein fand, geht er von einer weiten Verbreitung der Schwämme vor Beginn des Kambriums aus.

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Vergleichbare Tiere existieren noch heute

«Ein ausserordentlicher Fund. Schon bisher nahm man an, dass es in dieser Zeit Vielzeller gab, dennoch ist dies der erste Nachweis», bestätigt Johann Hohenegger vom Wiener Institut für Paläontologe. Da es im Präkambrium noch keine Tiere mit harten Schalen oder Skeletten gegeben habe, sei man bisher auf Funde von Abdrücken etwa von Quallen angewiesen gewesen.

Der Nachweis der Hornkieselschwämme sei jedoch auch aus einem anderen Grund bedeutend: «Bisherige frühe Funde sind vor allem von vereinzelten Fossilen, die man kaum mit der heutigen Klassifizierung zuordnen kann. Wichtig erscheint bei dieser Entdeckung, dass es sich um Gruppen handelt, die auch heute noch existieren», betont Hohenegger.

In der Spätphase des Proterzoikums, wie die Zeit vor einer Milliarde bis 542 Millionen Jahren genannt wird, fand die Diversifikation der ersten Mehrzeller mit eigenen Zellkernen statt, die sich somit vom Bakterienniveau abhoben. «Nach Ende der präkambrischen Vereisung kam es zu einer Explosion von Organismen, die jedoch nur Weichtiere waren und somit kaum Spuren hinterliessen», so Hohenegger.

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Ein großer Ozean mit nur wenig Landflächen bestimmte zu dieser Zeit das Erscheinungsbild der Erde, die Meere enthielten Sauerstoff und auch das Klima war bereits der heutigen Zeit ähnlich. Hundert Millionen Jahre später, in der sogenannten kambrischen Revolution, bildete sich eine Unzahl von Tieren, die bereits auch Hartteile besassen, während die pflanzlichen Organismen auf dem Algenniveau blieben. (pte)/05.02.2009