Das Thema Ausländer, gepaart mit simplen Rezepten, hat die SVP gross und stark gemacht. Es ist nur logisch, dass die Partei nun versucht, das Erfolgsrezept auch auf andere Gebiete zu übertragen. Zum Beispiel auf den Wolf.

Eine Vorreiterrolle nimmt dabei der Luzerner Landwirt und Nationalrat Josef Kunz ein. Schon vor einem Jahr forderte er, die Wölfe «auszuschaffen». Er kam damit sogar ins Fernsehen. «Die Schweiz ist zu klein für den Wolf. Es sind zu viele. Wir müssen sie abschieben.» Nach Bulgarien, Rumänien, Italien, dorthin, wo sie herkämen. Und Bauer Kunz lächelte in die Kamera, so dass jeder seine niedliche Zahnlücke sehen konnte. Man müsse es machen wie in den Filmen über Afrika, sagte er, wo andauernd Tiger und Löwen eingefangen und betäubt würden.

Einfangen, betäuben, abschieben – so einfach geht das. Das klingt zwar unausgegoren, aber wie gesagt: Man befindet sich noch in der Testphase. Welche Zutaten passen zum Erfolgsrezept, welche nicht? Und wie verleiht man ihm Raffinesse? Vielleicht müssen da noch andere Parteistrategen als Josef Kunz über die Bücher. Denn der hat das Spielerische, ausschlaggebend für den Erfolg dieses Testdurchlaufs, längst verloren – und sich vom Vorreiter zum Verschwörungstheoretiker gewandelt.

«Irgendjemand steckt dahinter»

Am 27. September wollte Kunz während der Fragestunde von Bundesrat Moritz Leuenberger wissen, ob «die Schweiz aus Russland oder einem anderen Oststaat für eine Million Franken Wölfe importiert» habe. Alle Wölfe seien freiwillig hier, antwortete Leuenberger. Nun wird im Parlament in letzter Zeit bekanntlich viel gelacht. In den Wortprotokollen steht dann jeweils in Klammern «Heiterkeit». Es ist beruhigend zu wissen, dass das so auch im Protokoll vom 27. September steht. Das spricht für die gesunde Urteilskraft unserer Volksvertreter. Aber manchmal fragt man sich schon, ob sie nichts Besseres zu tun haben, als über einen angeblichen Wolfsschmuggel zu debattieren.

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Mitte Oktober, Anruf bei Josef Kunz: Zuerst hält er sich bedeckt, aber mit der Zeit wird deutlich, dass ihn die Heiterkeit seiner Kollegen nur noch mehr angestachelt hat. «Vielleicht hat die offizielle Schweiz nichts damit zu tun, aber irgendjemand steckt dahinter.» Unsere Wölfe sind definitiv keine Schweizer Wölfe, davon ist Kunz überzeugt. «Ein Wolf, der hier geboren und aufgewachsen ist, tötet nicht sechs Schafe auf einmal», sagt er. Will wohl heissen: Der hat Anstand, der hat seine Gier im Griff, der tötet nur so viel, wie er fressen kann.

Bauer Kunz hat an alles gedacht, nirgends eine Lücke, seine Verschwörungstheorie ist wie eine uneinnehmbare Festung. Selbst auf die Frage, warum jemand Wölfe im Osten kaufen und hier aussetzen soll, hat er eine Antwort: «Der Wolf hat viele Sympathisanten, unterschätzen Sie die nicht. Denen traue ich alles zu.» Er werde weiterkämpfen (Heiterkeit).

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