Der Schweizer Vogelschutz SVS lädt Interessierte am Wochenende vom 2. und 3. Oktober dazu ein, den Vogelzug unter kundiger Anleitung zu beobachten - an 56 Beobachtungs- und Informationsständen in der Schweiz wird über die Notwendigkeit des Lebensraumschutzes und die Tätigkeit der Natur- und Vogelschutzvereine und -verbände informiert. Da Vögel keine Landesgrenzen kennen, müssen Brutgebiete und Rastplätze auf den Zugrouten und Winteraufenthaltsgebiete gleichermassen geschützt werden.

  • Wann und wo Beobachtungs- und Informationsveranstaltungen in Ihrer Region stattfinden: Birdwatch-Programm (PDF, 210 kb)
  • Wann welche Vögel wohin unterwegs sind: Flugplan (PDF, 123 kb)

Wenn sich Bienen, Fische, Ameisen oder Vögel in Schwärmen bewegen, treffen sie ihre Entscheidungen scheinbar völlig einstimmig. «Schwärme sind dezentrale Systeme, bei denen sich Individuen nach den Nachbarn richten. Jedes Tier hat zwar eigene Absichten, orientiert sich dabei jedoch immer ein wenig an den anderen», erklärt Jens Krause vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Krause ist Experte für das Schwarmverhalten bei Fischen und Menschen und konnte kürzlich zeigen, dass bereits zehn koordinierte Menschen in der Lage sind, die Bewegungsrichtung von 190 Menschen unbewusst zu steuern.

Blitzschnelles Gehirn erforderlich
Mehrere Voraussetzungen sind erforderlich, damit Lebewesen ihre Bewegungsabläufe derart im Einklang durchführen können. «Das Gehirn braucht eine extrem schnelle Informationsverarbeitung, um die Geschwindigkeiten und Richtungsvektoren von bis zu sieben Nachbarn gleichzeitig erfassen zu können. Einige Insekten schaffen bis zu 250 Bilder pro Sekunde», so der Forscher. Beim Menschen ist hingegen bei weniger als 20 Bildern Schluss, weshalb die Synchronisierungen weniger perfekt ausfallen als etwa bei Vögeln.

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Schwärme entstehen nur, wenn kollektives Verhalten Vorteile wie etwa Sicherheit bringt. Denn dank der Schwarmintelligenz gleicht der Schwarm-Durchschnitt kleine Fehler des Einzelnen aus.

Bisher stecke die Schwarmforschung noch in Kinderschuhen, erklärt Krause. «Bei Vögeln forscht man bisher erst mit Standbildern, bei Fischen mit kurzen Videosequenzen. Das Verhalten grosser Schwärme ist noch jedoch weitgehend unverstanden.» Die Entschlüsselung des Schwarmverhaltens ist von ganz konkretem Interesse: Die Erkenntnisse sind in der Panikforschung unverzichtbar, jedoch auch zum Verständnis vieler sozialer, technischer oder wirtschaftlicher Probleme. (pte)