Eine Besonderheit der Langhornbiene ist ihre Liebe zur Hummel-Ragwurz: Die Tiere sorgen für die Bestäubung dieser Orchideenart. Die Pflanze imitiert dabei den Geruch und die Form eines Langhornbienen-Weibchens und drückt beim vermeintlich amourösen Besuch dem Bienen-Männchen ihre Pollen auf den Kopf. Mit diesem Paket fliegt das Männchen als «Pollentaxi» weiter und bestäubt ungewollt eine nächste Hummel-Ragwurz. Diese hochspezialisierte Abhängigkeit ist ein eindrückliches Beispiel für die fragilen Wechselwirkungen der Biodiversität.

Für Millionen von «unsichtbaren» Arbeiterinnen

Die Wahl der Langhornbiene zum Tier des Jahres 2010 soll auf die Bedeutung der Millionen von «unsichtbaren» Insekten für die Biodiversität aufmerksam machen. 45 Prozent aller Wildbienen stehen in der Schweiz auf der Roten Liste der gefährdeten und bedrohten Arten. Die Bestäubung von Pflanzen ist eine unbezahlbare Dienstleistung aller Wildbienen. Verschwinden diese fleissigen Summer, verarmt die Vielfalt der Pflanzen und mit ihr die Nahrungsgrundlage für Mensch und Tier.

Die Lebensräume der Wildbienen sind bedroht

Die Wildbienen brauchen geeignete Lebensräume für die Nahrungssuche und die Fortpflanzung: Sie leben auf Trockenwiesen und -weiden, Brachen, in Kiesgruben oder in Obstgärten.

Besonders wichtig für das Überleben der Wildbienen in der Schweiz sind Lebensräume mit lockerer Vegetation. Denn rund die Hälfte aller Arten – so auch die Langhornbienen – bauen ihre Nester in den Boden. Solche Lebensräume verschwinden jedoch in unserer aufgeräumten und überbauten Landschaft – auch die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Totalherbiziden raubt den Bienen Nahrung und Nistplätze.
(Pro Natura)

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Quelle: Nicolas J. Vereecken, Pro Natura

Die Langhornbienen fallen auf unter den Wildbienen, auch wenn sie nur 13 bis 16 Millimeter lang sind: Ihre Fühler («Hörner») sind so lang wie ihr Körper und sie haben einen pelzigen Rücken. Sie fliegen etwa von Mitte März bis Anfang August. Für die Nahrungssuche sind Langhornbienen auf die Pflanzenfamilie der Schmetterlingsblütler angewiesen. Das sind Pflanzen wie der Wundklee, die Wiesenplatterbse oder die Zaunwicke. Daher findet man das Tier des Jahres 2010 vor allem auf artenreichen Trockenwiesen, in Hochstamm-Obstgärten oder in Lehmgruben. Die Langhornbienen kommen in der ganzen Schweiz (ausser im östlichen Graubünden) vor.

In der Schweiz leben rund 580 Wildbienenarten. Weltweit sind sogar 16'000 Arten nachgewiesen. Knapp die Hälfte aller Wildbienenarten in der Schweiz sind auf der Roten Liste der gefährdeten oder bedrohten Arten. Langhornbiene (Eucera) ist ein Gattungsname und somit Sammelbegriff für mehrere Eucera-Arten. Je nach Literatur ist die Rede von vier bis neun Eucera-Arten in der Schweiz.

Im Gegensatz zu ihren Verwandten, den bekannten Honigbienen, leben praktisch alle Wildbienen als Einzelgänger.

Biodiversität ist die Vielfalt des Lebens in all seinen Formen: Von der Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten über die Vielfalt der Lebensräume oder Ökosysteme bis zur genetischen Vielfalt. Das Jahr 2010 wurde von der UNO zum Internationalen Jahr der Biodiversität ausgerufen.