Seit dem 1. Juli sind neue Bestimmungen des Tierschutzgesetzes in Kraft. Züchter dürfen Mutterschweine nicht mehr tagelang einsperren, Kastenstände müssen sich seitlich voll öffnen lassen.

Beobachter: Thomas Giger, haben alle Schweinezüchter ihre Ställe den neuen Vorschriften angepasst?
Thomas Giger: Die meisten Kastenstände sind schon umgebaut. Mutterschweine dürfen darin nur noch kurze Zeit eingesperrt werden. Weil wir nicht wissen, wie gut Züchter das neue Gesetz befolgen, werden wir verschärfte Kontrollen durchführen und - wenn nötig - Strafverfahren einleiten. Bisher jedoch nehmen es viele Züchter mit dem Tierschutz nicht so genau.

Beobachter: Weshalb muss sich ein Kastenstand öffnen lassen?
Thomas Giger: Eine Sau kann darin nur liegen oder stehen. Ist er offen, kann sie sich drehen und frei bewegen, zudem sind Liege- und Kotbereich getrennt. Der Kontakt zu den frisch geborenen Ferkeln ist so auch leichter möglich.

Beobachter: Züchter müssten Mutterschweinen zudem Stroh geben. Tun sie das?
Thomas Giger: Nein, viele nicht. Mindestens 50 Prozent der Züchter geben gar kein oder nur ungenügend Stroh und verstossen damit klar gegen das Tierschutzgesetz. Mit dem Stroh bereitet eine Sau die Geburt vor. Kann sie diesem Trieb nicht folgen, ist sie frustriert und beisst in die Stangen des Kastenstandes. Ähnlich muss sich eine schwangere Frau fühlen, die nicht essen kann, wozu sie Lust hat.

Beobachter: Weshalb scheren sich Züchter nicht um das Gesetz?
Thomas Giger: Viele haben das Gefühl, es handle sich bloss um unnütze Ideen der Behörden. Stroh sehen sie als Schikane, die rationelles Wirtschaften behindert: Es verstopfe Abläufe, bringe Mehrarbeit und koste Geld. Kot und Urin sowie Pilze begünstigten zudem Infektionen. Eigentlich haben diese Züchter nur Angst, dass sich die Produktion und damit das Fleisch verteuert.

Beobachter: Ist die Zahl der Verstösse gegen die neuen Tierschutzvorschriften auch in anderen Kantonen so hoch?
Thomas Giger: Das weiss ich nicht genau. Viele andere Kantone haben die genau gleichen Probleme wie wir in St. Gallen. Wir reichen jährlich Dutzende von Strafanzeigen ein, doch Kontrollen sind äusserst schwierig.

Beobachter: Weshalb?
Thomas Giger: Ich habe gerade mal zwei Kontrolleure zur Verfügung, bräuchte aber insgesamt fünf Zweierpatrouillen, um das Gesetz wirkungsvoll zu vollziehen. Dies ist aber aus Kostengründen illusorisch und wäre auch unverhältnismässig.

Beobachter: Sind die Bussen hoch genug?
Thomas Giger: Inklusive Verwaltungsaufwand muss ein verurteilter Züchter mit einer Busse von bis zu 1000 Franken rechnen - das schreckt leider viele Tierhalter zu wenig ab.