Die Schweizer Giftschlangen gehören zur Familie der Vipern, die über einen ausgeklügelten Giftapparat verfügen. Ihre Giftzähne liegen zurückgeklappt in Hauttaschen. Erst im Moment des Bisses werden sie aufgestellt. Zudem kann die Schlange entscheiden, ob sie beim Biss überhaupt Gift abgibt. Es müsste schon sehr dumm zugehen, wenn sie sich aus Versehen beissen sollte. Falls doch: Schlangen sind gewöhnlich immun gegen ihr Gift.

Um einen Angreifer abzulenken, kann die Eidechse bekanntlich ihren Schwanz mit einer Muskelkontrak­tion abwerfen. Die entstehende Wunde wird dabei verschlossen, so dass kein Blut fliesst. Der nachwachsende Schwanz hat keine Wirbel- und Muskelstruktur mehr. Er besteht nur noch aus Knorpelmasse. Ob die Echse ihn im Falle eines Falles nochmals abwerfen kann, hängt davon ab, wo sich der Angreifer zu schaffen ­gemacht hat. Der Reptilienspezialist And­reas Meyer von der Koordina­tionsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz sagt: «Der ursprüngliche Schwanz hat eine ­ganze Reihe von ‹Sollbruchstellen› zwischen Schwanz­wurzel und -spitze. Wurde ein nah an der Spitze liegendes Stück abgeworfen, kann die ­Eidechse den Schwanz an einer körpernäheren Stelle ein weiteres Mal abwerfen.» Oder ein drittes, viertes, fünftes Mal. Je nachdem, ob noch Sollbruchstellen vorhanden sind.

Der Forscher Graham Martin ging dieser Frage für die britische Ornithologen-Union nach. Das Ergebnis verblüfft: Vögel sehen Hindernisse oft tatsächlich nicht. Dass vor Martin noch niemand auf diese Antwort gekommen ist, hat einen einfachen Grund: Offenbar hat der Mensch zu sehr von sich auf die Tiere geschlossen. Das menschliche Gesichtsfeld ist nach ­vorn ausgerichtet. Der Sehbereich beider Augen überschneidet sich stark. Deshalb können wir gut räumlich sehen, seitlich aber ist unser Gesichtsfeld ziemlich eingeschränkt.

Bei Vögeln sitzen die Augen auf der ­Seite des Kopfs. Rechts und links sehen sie am schärfsten. Das ist nötig, weil sie im Schwarm stets die Distanz zu den Art­genossen im Auge haben müssen. Der Blick nach oben ist überlebenswichtig, um Raubvögel zu erkennen. Nur einen geringen Teil ihres Blickfelds deckt die Reiserichtung ab, in der sie vermutlich nicht ­besonders scharf sehen. Das Geradeaus­sehen von Vögeln ist eher für Nestbau oder Jungvogelaufzucht ausgelegt als für die Orientierung auf weit entfernte Punkte.

Selbst wenn ein Vogel ein vor ihm liegendes Objekt rechtzeitig erkennt, nützt ihm das wenig. Er kann seine Geschwindigkeit nicht beliebig ändern. Das wird durch die physikalischen Gesetze verhindert. Wird der Vogel zu langsam, fällt er runter. Graham Martin verdeutlicht ­dies so: «Der Mensch sieht seine Umgebung als etwas, worauf er sich zubewegt. Für den Vogel ist sie eher ein Raum, der ihn umgibt und durch den er sich hindurchbewegt.» Und ab und zu steht da halt plötzlich was im Weg.

Fische, die intensivem Sonnenlicht ausgesetzt sind, etwa in den Tropen, haben oft einen Sonnenschutz im Schleim oder Pigmentzellen in der Haut. In unseren Breiten ist das anders, wie Patricia Holm, Professorin für Ökologie an der Universität Basel, sagt: «Fische, die in schattigen Seen oder Flüssen leben, leiden, wenn die Ufervegetation entfernt wird. Sie können, wenn sie den schädlichen UV-B-Strahlen ausgesetzt sind, tatsächlich Sonnenbrand kriegen.» Das äussert sich allerdings nicht in krebsroter Haut, sondern in einer Verdickung derselben und einer Verringerung der Zahl der Schleimzellen. Die meis­ten Fische können aber bei verstärk­ter Sonneneinstrahlung ihre Pigmentierung erhöhen – ähnlich wie der Mensch.

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Um sich vor dem Austrocknen zu schützen, zieht sich die Weinbergschnecke in ein ­Gehäuse zurück. In diesem Häuschen liegen auch ihre Verdauungsorgane. Die Nacktschnecke dagegen schützt sich mit einer unappetitlichen Schleimschicht gegen Trockenheit und trägt ihre wenig schmackhaften Verdauungsorgane im Leib verteilt.

Abgesehen davon: Die Weinbergschnecke ist Vegetarierin, die Nacktschnecke tut sich auch an Aas gütlich – und wer will schon so was auf dem Teller?

Mit Blüten hat der Waldhonig nichts zu tun. Jahre, in denen es im Wald ­besonders viele Schildläuse und spe­zielle Blattlausarten gibt, sind gute Waldhonigjahre. Die Läuse saugen den Pflanzensaft aus den Bäumen, entziehen ihm einen Teil seiner Nährstoffe und scheiden den Überschuss als Honigtau aus. Diesen verarbeiten die Bienen zu Waldhonig.

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Ein Hund, der aus dem Wasser kommt, schüttelt sich mit Vorliebe in der Nähe von Herrchen oder Frauchen. Das scheint eine Art Naturgesetz zu sein. Physiker vom Georgia Institute of Technology in Atlanta haben mit Hochgeschwindigkeitskameras untersucht, warum die Vierbeiner dabei so ratzfatz trocken werden.

Neun Hunde vom Chihuahua bis zum Labrador mussten sich für die Kamera nass machen lassen. Dazu kamen eine Maus, eine Ratte, ein Meerschweinchen, eine Katze, ein Panda und ein Braunbär. Die beiden letzteren Spezies be­obachteten die Forscher in Dokumentarfilmen. Die Schüttelbewegung beginnt mit heftigem Hin- und Herrollen des Kopfs und setzt sich vom Schultergürtel über Wirbelsäule und Hüfte zum Schwanz fort. In Zeitlupe konnten die Physiker sehen, wie das Rollen des Kopfs das Rückenfell so in Schwingung bringt, dass es sich immer schneller über dem Schulterskelett hin- und herbewegt, bis die Muskeln dort die Bewegung aufnehmen und verstärken. Zeitlupenaufnahmen davon gibt es auf www.youtube.com (nach «Slow Motion Wet Dog Shake Analysis» suchen).

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Die Schüttelfrequenz hängt dabei von der Grösse der Tiere ab. Die winzige Maus tut es 27-mal pro Sekunde, die Katze neun- und ein grosser Hund nur viermal. Je grösser das Tier ist, desto einfacher erzeugt es eine Kraft, die die Wassertropfen aus dem Fell schleudern kann.

Aber warum schütteln sich Tiere überhaupt? Ein 30 Kilo schwerer Hund müsste, wenn er ­einfach an der Luft trocknen wollte, bei einem hal­ben Kilo Wasser im Fell einen satten Fünftel seiner täglichen ­Kalorienmenge zur Aufrecht­erhaltung der Körpertemperatur aufwenden. Das kann er sich so wenig leisten, wie sich der tödlichen Gefahr auszusetzen, sich während des langsamen Trocknens zu verkühlen.

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Die meisten Fische haben eine Schwimmblase. Sie ist mit Gas gefüllt. Ihre Grösse kann der Fisch je nach Schwimmtiefe regulieren. Knorpelfische wie Haie und Rochen haben diese Blase nicht. Daher müssen sie permanent schwimmen, wenn sie nicht immer tiefer sinken wollen. Ihr leichtes Skelett spart Gewicht, und eine übergrosse Leber, die Öl gespeichert hat, verhilft dem Hai zu Auftrieb. Der Ölanteil der ­Leber kann bis zu einen Viertel des Körpergewichts ausmachen.

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Ganz einfach: Sie sparen sich den Umweg über Partnersuche, Eiablage et cetera. Sie halten es mit der Jungfernzeugung und bringen ihren Nachwuchs lebend zur Welt. Die kleinen Blattläuse sind identisch mit ihren «Müttern». Jede Laus gebärt je nach Art 50 bis 100 Nachkommen. Während eines Sommers können sich zehn rein weibliche Generatio­nen entwickeln. Das ergibt eine horrende Zahl Tierchen. Erst zum Sommerende hin entstehen geflügelte Blattläuse, die sich geschlechtlich fortpflanzen. Ihre Eier überwintern.

Milde Winter sind übrigens, anders als man vermuten sollte, böse Blattlausfeinde: Dann wird der Stoffwechsel der Embryos in den Eiern zu hoch, und ihre Energievorräte erschöpfen sich zu früh.

Weil sie das Blut über die grosse Oberfläche der Ohren kühlen. Dabei tun sich die Afrikanischen leichter als die Asia­tischen Elefanten, weil sie die grösseren Ohren haben. Forscher der Universität Wien haben vor kurzem einen weiteren Trick der Asiatischen Elefanten entdeckt. Schon lange ­hatte man vermutet, dass diese überschüssige, tags­über gespeicherte Körperwärme in den kühleren Nachtstunden abgeben. Nur: Wie überprüft man das? Die Wissenschaftler liessen kurzerhand eine Gruppe von Elefan­ten in Thailand und eine Kontrollgruppe im Münchner Tierpark Hellabrunn kleine Messgeräte schlucken, um die Körpertemperatur der Tiere zu ermitteln. Die durchschnittliche Tem­peratur war bei beiden Gruppen ähnlich. Die thailändischen Elefan­ten aber hatten eine höhere Maximal- und eine tie­fere Minimaltemperatur. Diese sank nachts weit unter den Durchschnitt. So können sie den Tag mit einer grösseren thermischen Reserve beginnen als ihre Münchner Kollegen.

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