Laut schmetternd trägt der Zaunkönig bereits in diesen Tagen seinen Gesang von einem erhöhten Ast aus vor. Dabei erreicht der winzige Vogel eine Lautstärke von rund 90 Dezibel, was ungefähr so laut ist wie ein Presslufthammer. Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz hat ihn nun zum Vogel des Jahres 2012 ernannt. «Der Zaunkönig soll Botschafter sein für einen artenreichen Wald mit viel Totholz und Unterwuchs», schreibt der Naturschutzverband in einer Medienmitteilung.

Bereits um rund 600 vor Christus wurde der Vogel von den Griechen zum «König der Vögel» ernannt. Eine Erklärung dafür liefert eine Fabel des Äsop. Gemäss dieser beschlossen die Vögel, einen Wettbewerb durchzuführen und denjenigen unter ihnen zum König zu ernennen, der am höchsten fliegen konnte. Erwartungsgemäss flog der Adler höher als alle anderen Vögel. Doch als auch ihm die Kraft ausging, da erhob sich der gewiefte Zaunkönig, welcher sich in seinem Gefieder versteckt hatte, flog noch ein kleines Stück höher und rief: «König bin ich!»

EIN MÄNNCHEN, FÜNF WEIBCHEN

Der Zaunkönig ist mit rund neun Zentimetern Länge und nur zehn Gramm Gewicht einer der kleinsten Vögel Europas. Der unscheinbare Vogel versteckt sich die meiste Zeit in dichtem Gestrüpp und bewegt sich eher hüpfend als fliegend durch das Unterholz.

Im März beginnt das Männchen verschiedene Nester zu bauen und Weibchen anzulocken. Entscheidet sich ein Weibchen, zu bleiben, wählt es ein Nest aus und baut es fertig. Darauf legt es fünf bis sieben Eier. Bereits zu diesem Zeitpunkt schaut sich das Männchen nach einem neuen Weibchen um und bietet diesem weitere Nester an. Oftmals liegen die Neststandorte der verschiedenen Weibchen nicht in Sichtweite der anderen Weibchen. Bis zu fünf verschiedene Weibchen sind nachgewiesen, falls der Lebensraum genügend Nistplätze und Nahrung bietet. Die Aufzucht der Jungen ist dann weitgehend Sache der Weibchen.

Der Zaunkönig bevorzugt Wälder mit viel Unterwuchs und herumliegendem Holz. Im Unterholz hält er nach Insekten aller Art Ausschau. Das Totholz bietet ihm zudem zahlreiche Nischen für den Nestbau. Wie viele andere Tierarten profitiert der Zaunkönig daher, wenn zum Beispiel Asthaufen und umgestürzte Bäume liegen gelassen oder abgestorbene Bäume nicht gefällt werden.

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