Neueste Expertenschätzungen zur Artenvielfalt besagen, dass im Mittelmeerraum infolge von Abholzung und Klimawandel bereits 34 Apfelsorten ganz verschwunden sind. Weitere zehn Prozent seien vom Aussterben bedroht. Während es in Italien im Durchschnitt nur fünf Prozent seien, lägen die Risikoanteile in Spanien und der Türkei sogar bei 20 und 22 Prozent.

Mitarbeiter des Istituto per la Valorizazzione del Legno e delle Specie Arboree in San Michele all'Adige haben nun eine Sammelstelle für vom Aussterben bedrohte Apfelsorten eingerichtet: Die mit Flüssigstickstoff bei minus 196 Grad Celsius arbeitende Kryobank soll vor allem die Biodiversität in der Region Venetien schützen helfen.

Dem Verfahren der Tiefgefrierung geht die Entnahme «schlafender» Sprosse voraus, die während der Winterzeit bereits auf niedrige Temperaturen eingestellt sind. «Zunächst werden sie in belüfteten Räumen bei minus fünf Grad Celsius eingelagert, bis sie ungefähr 30 Prozent ihrer Wassergehalts verloren haben», erklärt Teamleiter Maurizio Lambardi. «Dann werden sie stufenweise bis auf minus 30 Grad Celsius heruntergekühlt und schliesslich in Behälter mit flüssigem Stickstoff eingetaucht. In diesem Zustand können sie auf unbegrenzte Dauer konserviert werden.»

Entwickelt wurde die Technik in Zusammenarbeit mit dem Centro Sperimentale Ortoflorico Po di Tramontana und dem National Center for Genetic Resources Preservation im US-Staat Colorado. «Die Kryobank bietet zahlreiche praktische Vorteile», so der italienische Wissenschaftler. «In einen 50-Liter-Behälter beispielsweise passen 2000 bis 7000 Sprosse.» Das bedeute nicht nur eine geringe Kostenbelastung, sondern auch die Möglichkeit, eine grosse Bandbreite von Pflanzengeweben aus genetisch-sanitärer Sicht absolut sicher und beliebig lange zu konservieren.

Hauptfeind der Biodiversität in Italien sei das selektive Verhalten von Verbrauchern und Handelsketten. (pte/21.03.2009)