Da steht sie nun vor der Haustür des Testers – die vermeintliche automobile Zukunft. Aber man kann nichts mit ihr anfangen. Steckt man das Ladekabel des Mitsubishi i-MiEV in die Steckdose, um die Lithium-Ionen-Batterien zu laden, klackt es im Sicherungskasten. Die mit sechs Ampere abgesicherten Kellersteckdosen verkraften die Strommenge nicht, die es braucht, um die 88 Zellen der rund 160 Kilogramm schweren Batterie des Elektroautos mit Power zu füllen.

Die moderne Technik verlangt nach mehr. Im konkreten Fall mindestens eine mit zehn Ampere abgesicherte Steckdose – in einem modernen Haushalt, in dem 13 Ampere die Norm sind, ist das kein Problem. Wer aber in einem älteren Haus mit alten Steckdosen wohnt, der steht energietechnisch am Berg. Lektion eins für künftige E-Auto-Besitzer: zuerst die elektrischen Installationen auf den neusten Stand bringen. Der Bubendorfer Elektriker Heinrich Holinger, selber Betreiber mehrerer Elektromobile, rät, die Schweizer Normsteckdose durch ein CE-Modell zu ersetzen. Diese Steckdose verfügt über Metallstifte anstelle von Kunststoffklemmen und verschmort auch bei einer hohen Dauerbelastung nicht.

Erhabenes Gefühl beim Fahren

«Noch besser ist eine CEE-Steckdose 230V/16A mit separater 16-Ampere-Absicherung und FI-Fehlerstromschutzschalter», empfiehlt der Energieexperte. Mit ein paar hundert Franken ist die Installation gemacht. Bei einem Elektroauto-Anschaffungspreis von 45'000 Franken und mehr eine verkraftbare Investition, die sich lohnt. Denn im Fahrbetrieb sind Autos mit Batterieantrieb überwältigend.

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Das Testfahrzeug, immerhin ein rund 1200 Kilogramm schweres Gefährt, beschleunigt innerhalb weniger Sekunden aus dem Stand auf 50 Stundenkilometer. Als Fahrer überkommt einen ein erhabenes Gefühl. Wo andere Autos losheulen, begleitet den Fahrer des Elektrowagens nur ein leises Surren – egal, wie stark man das Gaspedal auch durchdrückt. Vor allem in Tiefgaragen oder auf stark frequentierten Parkplätzen, zum Beispiel bei einem Einkaufszentrum, verlangt das einiges an Aufmerksamkeit, da Passanten das Fahrzeug erst sehr spät bemerken.

Leistungsmässig stösst unser kleines, leuchtend rotes Vehikel nie an seine Grenzen. Der 67-PS-Elektromotor hat keine Mühe mit gewichtigen Zuladungen wie dem Grosseinkauf oder den Passagieren beim Familienausflug. Einzige Beschränkung: die Reichweite. Offiziell genügt bei Idealbedingungen eine volle Batterieladung für rund 120 Kilometer. Das zumindest besagt die Reichweitenanzeige im Cockpit nach einer Vollladung.

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Perfekt für die Kurzstrecke

Diese 120 Standkilometer verwandeln sich im Fahrbetrieb bei unter zehn Grad Aussentemperatur allerdings schnell in nur noch 85 oder weniger Kilometer. Da der Elektromotor – im Gegensatz zu einem Verbrennungsmotor – kaum Abwärme produziert, heizt das Fahrzeug mit Strom. «Ich empfehle, mit der eingebauten Sitzheizung Wärme von unten zu erzeugen und die Hauptheizung etwas weniger stark einzustellen», sagt Marco Camenzind, Verkaufschef der Mitsubishi-Garage Zürich Nord. «So lässt sich Strom sparen.» Im Test sinkt die Reichweite bei voller Heiz­leis­tung rapide von über 100 Kilometer auf knapp über 60 Kilometer – und sie erhöht sich wieder auf fast 90 Kilometer, wenn man die Heiztemperatur senkt.

Trotzdem: Für den normalen Alltag genügen die rund 120 Kilometer Reichweite allemal. Vor allem, wenn man bedenkt, wie Autos in der Schweiz genutzt werden. Rund ein Drittel aller Fahrten führt nicht weiter als drei Kilometer. Würden diese Kurzstrecken konsequent mit Elektroautos gefahren, ergäbe sich ein grosses CO2-Verlagerungspotential. Und im Gegensatz zu herkömmlichen Fahrzeugen mit Treibstoffantrieb rollt das Elektroauto jeden Abend an die Tankstelle – zur heimischen Steckdose. Eine Batterie­ladung muss also nicht länger als einen Tag halten.

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Noch harzt es allerdings an der Verkaufsfront. Damit sich Elektroautos durchsetzten, müsste bei den Kundinnen und Kunden ein Umdenken stattfinden, sagt Philipp Neri, General Manager Marketing und PR bei Mitsubishi Schweiz. «Wir stehen an einem neuen Abschnitt der Mobilität, und da braucht es Zeit, Geduld und sachliche Information, bis sich diese Technik durchsetzt.»

Neben dem Mitsubishi i-MiEV ist hierzulande auch der baugleiche Peugeot iOn erhältlich. Opel, Renault, Nissan oder Byd stehen am Start, um im Verlauf dieses und des nächsten Jahres umweltbewussten Autofahrern Alternativen zu bieten. So unterschiedlich diese Fahrzeuge in Sachen Optik sind, eines haben alle gemeinsam: Sie sind in der Anschaffung teuer. So kosten sowohl i-MiEV als auch iOn rund 46'000 Franken. Der Nissan Leaf soll ab Mitte 2011 sogar für knapp 50'000 Franken an den Start rollen. Das ist viel Geld für einen Kleinwagen.

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Hoher Zuwachs erwartet

Trotzdem bescheinigen Marktstudien den Stromern eine goldene Zukunft. Bereits in zehn Jahren soll die Hälfte aller neugebauten Autos mit einem Elektroantrieb ausgestattet sein. Ein ehrgeiziges Ziel, denn bis heute sind in der Schweiz gerade mal gut 800 strombetriebene Fahrzeuge unterwegs.

Immerhin: Nach einer langen Phase der Stag­nation, in der jährlich nur 20 bis 30 Stromer neu hinzukamen, wurden 2009 und 2010 in der Schweiz jeweils 53 respektive 198 batteriebetriebene Personenwagen eingelöst. Tendenz steigend: In den ersten vier Monaten dieses Jahres sind bereits wieder 175 Elektrofahrzeuge (PW) dazugekommen. Marktführer ist der Mitsubishi i-MiEV mit 89 Fahrzeugen. Das Ziel der Japaner für 2011 sind 200 Wagen.

Die baugleichen Peugeot iOn und Cit­roën C-Zero fanden 15 respektive 12 Abnehmer. Je 20 Personen entschieden sich für einen elektrischen Smart und den über die Migros vertriebenen Think City. Und der über 100'000 Franken teure Elektrosportwagen Tesla Roadster fand 14 Käufer.

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Mit dem Markteintritt der grossen Marken dürfte sich der Zuwachs in diesem, spätestens aber im nächsten Jahr erhöhen. Neben dem Umweltschutz zählen die ökonomischen Vorteile bei den laufenden Kos­ten: Das BeobachterNatur-Testfahrzeug ver­brauchte in einer Woche nur 32 Kilowattstunden Strom für 188 Fahrkilometer. Das macht, bei einem durchschnittlichen Strompreis von rund 15 Rappen je Kilowattstunde, Fr. 2.55 pro 100 Kilometer. Dafür erhält man an der Zapfsäule beim aktuellen Benzinpreis gerade mal 1,4 Liter Benzin: Das reicht für knapp 25 Kilometer – wenn man ein sparsames Auto besitzt.

Weitere Infos

Übersicht über die in der Schweiz erhältlichen E-Mobile: www.verkehrsclub.ch

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