Die Verärgerung wächst mit jedem neu angeschafften Gerät: wieder ein neuer Akku, wieder ein neues Ladegerät, noch ein zusätzliches Verbindungskabel. Spätestens wenn man den Koffer für eine Reise packt, entdeckt man die Schubladen voller Elektroplunder wieder – Zubehör für Handy, Digitalkamera und MP3-Player.

Die Industrie macht Kundenanliegen für die lästige Situation verantwortlich. «Um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Konsumenten gerecht zu werden, sind die Anforderungen und Formate der Mobiltelefone und damit der Akkus verschieden», heisst es bei Nokia. Ähnlich tönt es, wenn es um die Akkutypen bei Digitalkameras geht: «Ein Akku ist auf die Grösse und Leistungsfähigkeit einer Kamera ausgerichtet», sagt Panasonic-Sprecher Bruno Wüst. Bei Mobiltelefonen ist es nicht einmal selbstverständlich, dass alle Geräte mit dem gleichen Netzteil aufgeladen werden können. Nur wer Glück hat, kann sein Ladegerät auch beim neuen Handy weiter benutzen. Wer die Marke wechselt, kann das Ladegerät direkt in den Sondermüll werfen.

Wildwuchs treibt die Preise in die Höhe

Absurd ist die Lage auch bei den Handy-Akkus. Wer ein neues Gerät der gleichen Marke kauft, muss mit grosser Wahrscheinlichkeit den alten Akku entsorgen – auch wenn er noch tadellos funktioniert. Nokia beispielsweise verwendet für ihre rund 100 aktuellen Geräte nicht weniger als 21 verschiedene Akkus. Und besondere Blüten treibt die Vielfalt bei Kopfhörern. Wer mit dem Handy Radio hören will, kann nicht darauf bauen, dass die Kopfhörer des iPods oder eines anderen Musikplayers funktionieren. Die Handybuchsen entsprechen selten den gängigen Steckertypen von Kopfhörern. Kein Wunder: Standardkopfhörer für Musikplayer sind bereits ab zehn Franken erhältlich, einfache Hörer für ein Sony-Handy kosten gut und gern das Fünffache.

Ob sich in absehbarer Zeit am Wildwuchs von Buchsen und Steckern etwas ändert, ist offen. Einiges deutet darauf hin, dass etwa bei den Handy-Netzgeräten sich die runden Nokia-Stecker (2 mm) oder die USB-Schnittstelle als Standard durchsetzen könnten. Vorerst lässt Nokia aber verlauten: «Dieser Prozess ist am Laufen, ein allgemeiner Standard setzt sich langsam durch.»

In der EU war die Akku- und Netzteilvielfalt schon 2002 ein Thema. Die EU-Kommission kritisierte damals, dass Hersteller ihre Anschlüsse «nicht immer aus technischer Notwendigkeit» ändern. Sie appellierte an die Industrie, die Anschlüsse «auf freiwilliger Basis» zu vereinheitlichen – ohne Erfolg.

Anzeige

EU fordert «grünes» Engagement

Inzwischen klingt die EU-Kommission entschlossener: Industriekommissar Günter Verheugen sagte im vergangenen Sommer, die EU gedenke, Vorschriften zu erlassen, falls man freiwillig nicht zum Ziel komme. Verheugens Begründung: Die Harmonisierung der Ladegeräte für mobile Telefone und andere tragbare Geräte könnte zur Verminderung des Elektromülls führen.

Ähnlich argumentiert der Verbraucherrat des Deutschen Instituts für Normung (DIN). «Für die Umwelt stellt die Vielzahl der Netzteile mit produkt- und herstellerspezifischen Schnittstellen eine immense Belastung dar», sagt Projektbetreuerin Gabriela Fleischer. Und die Dauerrechtfertigung der Industrie, die technische Gründe für den Wildwuchs verantwortlich macht, ist längst nicht mehr haltbar. «Technisch ist das kein unlösbares Problem», sagt Hugo Schwab, Geschäftsführer der Sistech AG. Die Kleinfirma aus dem zürcherischen Bubikon stellt seit einigen Jahren mit ihrer Marke «Swissbatteries» zahlreiche Akkus in Standardgrössen, aber auch für eine Vielzahl von Handy-Typen her.
Gleichzeitig entwickelten Sistech und andere Elektronikunternehmen wie der Batteriehersteller Varta auch sogenannte Multi-Charger oder Universal-Ladegeräte. Diese Geräte funktionieren mit verschiedenen Spannungen und können dank Adaptern und zahlreichen Steckern für verschiedenste elektronische Geräte verwendet werden. Geladen wird so mit demselben Netzteil alles – von Digitalkameras über Navigationsgeräte bis hin zu Musikplayern oder Handys.

Elektroschrott geht zurück an Händler

Alte Handys, Ladegeräte, Akkus, Batterien und Zubehör können gratis in jedem Laden für Elektronikartikel abgegeben werden – auch wenn man nichts kauft. Diese Dienstleistung ist nämlich längst bezahlt.

Anzeige

Beim Kauf eines Handys, einer Kamera und jeder Batterie entrichtet der Konsument eine Recyclinggebühr. Die Non-Profit-Organisation Swico organisiert und finanziert damit die umweltgerechte Verwertung der giftigen Materialien. 2007 verwertete die Swico fast 50'000 Tonnen ausgediente Elektro- und Elektronikgeräte. Damit gelangen fast 80 Prozent der Geräte in den Recycling- und Verwertungsprozess zurück. Anders bei den Handys. Hier klappt die umweltgerechte Entsorgung nach wie vor nicht. Die Rücklaufquote beträgt nur gerade 15 Prozent.