Mehr als 400 Menschen fühlten sich angesprochen und schickten spontan eine Bewerbung an das «Journal of Cosmology», nachdem dieses Ende 2010 in einem Artikel eine Marsmission propagiert hatte – eine ultimative Mission ohne Rückkehr, notabene. Der rötlich schimmernde Mars hat die Phantasien der Menschen schon immer angeregt. Einen Höhepunkt erlebte die Marsmanie in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Angetrieben durch die Weltraumprogramme der Supermächte, war die Eroberung des Universums nicht nur im Kino omnipräsent. Eine Blütezeit erlebten grafische Darstellungen von futuristischen Reisen zu fernen Welten und von ihrer Besiedlung. In grellen Farben zeichneten die Künstler optimistische Zukunftsszena­rien, der Glaube an die Möglichkeiten der Technik war grenzenlos.

Dieses blinde Vertrauen fehlt heute. Geblieben ist aber der Wunsch, Grenzen zu überschreiten und Neues zu ent­decken. «Die Sehnsucht des Menschen nach fremden Welten hat mit unserem nomadischen Wesen zu tun, mit unserem unersättlichen Wissens- und Entdeckungswillen», sagt der Schweizer Do­kumentarfilmer Richard Dindo. Der menschliche Hang zu Aufbruch und ­Neubeginn ist die Triebfeder unserer ­kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklung. Die Geschichte des Menschen lässt sich aus diesem Blickwinkel als eine Serie von Pioniertaten und Entdeckungsreisen in neue materielle und geistige Welten verstehen.

In grauer Vorzeit, vor rund einer Mil­lion Jahren, war es unser direkter Vorgänger Homo erectus, der von Afrika aus ein erstes Mal die Welt erkundete. Der «aufrechte Mensch» hatte genügend Aus­dauer für lange Wanderungen, und er konnte Werkzeuge nutzen und Feuer entfachen. Diese Fähigkeiten machten ihn ortsunabhängig und ermöglichten ihm, die Steppen Ostafrikas zu verlassen und nach Asien und Europa auszuwandern. Mehrere hunderttausend Jahre später war es unsere Art Homo sapiens, die ebenfalls von Afrika aus die Welt eroberte. Das nomadische Wesen und der Ent­deckertrieb sind tief in unserem genetischen Erbe verankert.

Chinas Seefahrer waren Pioniere

So wundert es nicht, dass Menschen immer wieder zu neuen Ufern aufbrechen. Schon 90 Jahre vor den Entdeckungsfahrten des Christoph Kolumbus bricht der Seefahrer Zheng He von China Richtung Westen auf. Zwischen 1405 und 1433 fährt er in einer Serie von sieben Reisen den Küsten Sumatras, Indiens und Ara­biens entlang bis zum Persischen Golf. Seine Segelschiffe sind um ein Vielfaches grösser als die Karavellen der späteren europäischen Entdecker. Doch der chinesische Kaiser wendet sich abrupt von fernen Weltgegenden ab und isoliert sein Reich.

Christoph Kolumbus muss die spanische Königin Isabella jahrelang beknien, bis sie 1492 grünes Licht gibt für seine Entdeckungsreisen. Im Gegensatz zu den Portugiesen, die den Weg nach ­Indien um ­Afrika herum suchen, will er das verlockende Land über den Seeweg Richtung Westen erreichen. Kolumbus berechnet die Distanz nach Indien auf 4000 Kilometer, effektiv sind es fast 20'000. Der weitgehend unbekannte Atlantik gilt als ein gefährliches Meer, als Hort von Unwettern und Ungeheuern, auf das sich kein Seefahrer hinauswagt. Kolumbus bricht im August 1492 auf und landet neun Wochen später auf einer Bahamas-Insel in der Karibik. Noch bei seinem Tod 1506 ist er überzeugt, in Indien gelandet zu sein.

Kolumbus’ Fahrten sind für die heutigen Weltraumvisionäre schlagende Beweise dafür, dass sich Pioniergeist und Abenteuerlust lohnen. Zu Kolumbus’ Zeit hielt man die Erde noch für eine flache Scheibe. Der Wagemutige jedoch verwarf diese Vorstellung und machte Spanien dank seinem Pioniergeist zur Weltmacht, die Südamerika unterwerfen konnte. ­Kolumbus und später Vasco da Gama ­ebneten europäischen Abenteu­rern den Weg, die rund um den Globus neue Seestrassen und Schiffspassagen entdeckten. Magellan sticht 1519 mit fünf Schiffen und Proviant für zwei Jahre in See, um die Welt zu um­segeln. Ein Jahr nach der Abfahrt ­gelingt es ihm, Südamerika südlich zu ­umschiffen. Seine erste Weltumsegelung dauert fast drei Jahre, von der ursprünglich 250-köpfigen Mannschaft überleben nur gerade 18 Männer.

Auf höchste Gipfel, ins tiefste Meer

Bis die Welt zur Gänze bekannt und bis in die hintersten Winkel vermessen ist, gibt es für Abenteurer viel zu tun. Der Journalist Henry M. Stanley beweist, dass der Nil dem Victoriasee entspringt, und fährt 1877 als Erster den Kongo hinunter. Der Norweger Roald Amundsen gewinnt im Dezember 1911 das Rennen zum Südpol gegen den Engländer Robert Scott. 1953 besteigen Edmund Hillary und Tenzing Norgay als Erste den Mount Everest, den höchsten Berg der Welt. Der Schweizer Auguste Piccard bricht im gleichen Jahr mit einer Tauchkapsel im Tyrrhenischen Meer den Tiefenrekord.

Die Astronauten und Propagandisten der Marsflüge sehen sich in der Tradition dieser Pioniere. Die Expansion ins All ist fast zwingend, denn die Meere sind befahren, die Berge bestiegen, die Wüsten kartiert. Selbst auf dem Mond hat die Menschheit Spuren hinterlassen. Da bietet sich der Nachbarplanet Mars geradezu an als Objekt menschlicher Eroberungsgelüste.