Lässig lehnt sich Bergur Bergsson an einen Geländewagen, der mit überdimensionierten Reifen, Leiter und Suchscheinwerfer auf dem Dach sowie vollgepacktem Kofferraum für das ultimative Abenteuer ausgerüstet ist. Gedankenverloren wandert sein Blick zu den Ausläufern des Gletschers Myrdalsjökull, dessen Seitengletscher Kötlujökull und Sandfellsjökull sich bis auf die Schwemmebene Myrdalssandur erstrecken. Dann schnipselt der 44-Jährige mit seinem Messer kleine Stücke aus einem braunen, lederartigen Etwas und steckt sie sich in den Mund: Svid, ein halber, mit dem Bunsenbrenner versengter und in Salzwasser gekochter Schafskopf. «Schmeckt gut», sagt Bergsson, dessen nordländische Vorfahren vor rund 1100 Jahren die Insel mitten im Nordatlantik besiedelten, «auch wenn nicht wirklich viel Fleisch daran ist.» Er lacht kurz und fügt an: «So gesehen eigentlich ein ziemlich teurer Pausensnack.» Umgerechnet rund drei Franken kostet der halbe Schafskopf im Supermarkt.

Bergssons Pause dauert eine halbe Stunde, so lange braucht der Zement, um zu trocknen. Der trotz seinen 192 Zentimetern aber eher schmächtig wirkende Mann ist kein verwegener Abenteurer. Er ist Elektroingenieur und montiert hier im Nirgendwo im Auftrag des Isländischen Meteorologischen Büros (IMO) neue Seismographen, also Geräte, die Erderschütterungen messen. «Probeseismographen, die den Standort prüfen sollen», betont der Techniker, der trotz zwölf Grad und einem kalten Wind kurze Hosen trägt.

Hören, was im Untergrund passiert

Hinter ihm erstreckt sich in Richtung Nordosten die mit runden Steinen übersäte und mit kitschiggrünem Moos bewachsene, steppenähnliche Skaftartunga. Mitten durch diese Schwemmebene des Vulkans Katla mäandert der Gletscherfluss Leira. Menschen oder Maschinen gibt es hier keine. Ideale Bedingungen für Bergssons Vorhaben.

Zusammen mit seinem Partner Sighvatur Palsson ist Bergsson seit vier Tagen unterwegs auf der Suche nach den richtigen Standorten für die Seismographen. «Geeignet sind Stellen mit Felsen, die tief in den Boden reichen und frei sind von störendem Lärm», erklärt Palsson. Mit Lärm meint er in diesem Fall nicht laute Geräusche, sondern Erdbewegungen oder Vibrationen, die sich im Untergrund ausbreiten. «Gletscher machen viel Lärm», so Sighvatur Palsson, «aber auch Autos, die vorbeifahren, oder Schafe auf der Suche nach spärlichen Grasresten.»

«Wir waren bisher nicht sehr erfolgreich und haben nur untaugliche Plätze getestet», sagt Bergsson. Diesmal hat sich die Mühe aber gelohnt: Der kleine Hügel, auf dem er seinen Schafskopf verzehrt, ist geeignet, um «in die Erde hineinzuhorchen».

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Der Eyjafjöll deckte das Dorf Vik mit Asche zu, die der Regen aber längst weggewaschen hat.

Quelle: Halldor Kolbeins/Keystone

Bis zu 300 Erdbeben pro Tag

Nach dem Ausbruch «der» Eyjafjöll – Vulkane sind auf Isländisch weiblich – will Island sein Vulkanüberwachungs- und Frühwarnsystem aufrüsten. «Der Effekt, den Eyjafjöll auf Europa hatte, hat uns deutlich die Schwächen in der Kontrolle aufgezeigt», erklärt Theodor Freyr Hervarsson, Meteorologe und Leiter der Abteilung Überwachung am IMO in der Hauptstadt Reykjavik. «Allein um den Vulkan Katla werden wir deshalb drei neue, empfindlichere Seismographen installieren.»

Das IMO ergänzt so das dichte Kontrollnetz. Denn schon heute stehen die Vulkane unter Beobachtung. 56 mit Solarzellen, Windturbine, leistungsfähigem Computer und Sendeanlage ausgestattete Messstationen funken pausenlos seismische Daten ans IMO, wo Spezialisten sie im Zweischichtbetrieb umgehend auswerten.

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Bergur Bergsson (links) und Sighvatur Palsson installieren einen Seismographen.

Quelle: Halldor Kolbeins/Keystone

«Erst vor wenigen Stunden hatten wir hier ein Erdbeben der Stärke 3,6», sagt Sigurlaug Hjaltadottir und deutet auf einen Punkt auf der Landkarte. «Gespürt hat das aber niemand», lacht die Geophysikerin, «denn dort lebt niemand.» Menschen können Erdbeben ab einer Stärke von 2,6 bis 3 spüren. Auf den Monitoren vor Hjaltadottir blinken Zahlen, und gezackte Linien wandern vom linken zum rechten Rand. Eine Linie für jeden Seismographen. Die Ausschläge zeigen die seismischen Aktivitäten bei jeder einzelnen Station.

Mit ein paar Mausklicks und einigen Anschlägen auf der Tastatur holt Hjaltadottir die Daten aller Erdbeben der letzten 48 Stunden auf den Bildschirm – immerhin fast 100. «Im Normalfall bebt es zwischen 170- und 300-mal in der Woche», sagt sie. Ändert sich das, wissen die Fachleute, dass sich etwas anbahnt.

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So war es im Frühling dieses Jahres. Zwar registrierte das IMO schon seit 1994 immer wieder Aktivitäten rund um den ansonsten seismisch sehr ruhigen Gletscher Eyjafjallajökull. Aber Anfang 2010 wurden die Bewegungen heftiger und machten sich in weniger tiefen Erdschichten bemerkbar. «Die Erdbeben, die vormals etwa 20 Kilometer unter der Erde stattgefunden hatten, stiegen auf wenige Kilometer Tiefe auf», beschreibt Hjaltadottir die Entwicklung. Die IMO-Seismographen registrierten zu dem Zeitpunkt täglich mehrere hundert Erdbeben. «Und am 3. März wussten wir: Ein Ausbruch steht kurz bevor.» Die Erde bebte gegen 3000 Mal in einer Woche, und die Magma stieg langsam nach oben.

Das spürte auch Sylvia Rossel. Die 38-jährige Schweizerin lebt mit ihrem isländischen Mann Indridi und ihren Kindern Kristjan (8), Maria (6) und Tomas (4) auf einer 100-Hektar-Pferdefarm, wenige Kilometer vom Gletschervulkan entfernt. «Die Erde hat den ganzen Winter über immer wieder gebebt», erzählt die Auswanderin. «Auch wenn wir aus der Tagesschau erfuhren, dass etwas vor sich ging, glaubten wir nicht an einen Ausbruch.» Das änderte sich schlagartig in der Nacht vom 20. auf den 21. März.

Sylvia Rossel und ihr Mann Indridi mussten mit den Kindern Tomas, Kristjan und Maria (von links) drei Mal ihren Hof und Dutzende von Tieren zurücklassen, um sich in Sicherheit zu bringen. Passiert ist zum Glück nichts, aber die Angst bleibt.

Quelle: Halldor Kolbeins/Keystone
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Sturzfluten vom Gletscher herab

Um 23.52 Uhr spuckte der Berg mit der internationalen Vulkannummer 1702-02= das erste Mal seit 1822 wieder Feuer. Beim IMO liefen die Telefone heiss, und der Zivilschutz ordnete die Evakuierung der umliegenden Gehöfte an. «Mitten in der Nacht rief ein Nachbar an und sagte, der Vulkan sei ausgebrochen», beginnt Sylvia Rossel ihre Geschichte. Innerhalb von fünf Minuten musste die Familie das Haus verlassen. «Wir mussten alle unsere Tiere – 40 teilweise hochdotierte Zuchtpferde, vier Hühner, ein Hahn, ein Hund und zwei Katzen – zurücklassen und hoffen, dass ihnen nichts passiert.» Rossels Farm liegt auf der fruchtbaren Ebene westlich des Eyjafjöll; dort bestand akute Überschwemmungsgefahr. Das bedeutet Evakuierungspflicht, alle Häuser müssen geräumt werden – notfalls von der Polizei.

Das hat einen guten Grund: Liegt ein Vulkan wie der Eyjafjöll unter einem Gletscher, schmilzt bei einem Ausbruch die Eisdecke weg. Innert kürzester Zeit stürzt Wasser – ein sogenannter Gletscherlauf – die Bergflanke herab und überflutet die Ebene. Beim letzten Ausbruch des Vulkans Katla 1918 ergossen sich binnen einer Stunde nach Beginn der Eruptionen Fluten vom Ausmass des Amazonas ins Tal und rissen hausgrosse Felsbrocken und ganze Eisberge mit sich.

Im Wissen um diese Gefahr nimmt die Bevölkerung eine Evakuierung sehr ernst und weiss, dass diese schnell ablaufen muss. Das werde auch regelmässig geübt, «das letzte Mal vor vier Jahren», erzählt Sylvia Rossel. «Darum wussten alle ziemlich genau, was zu tun war.» Rund 500 Personen mussten in der Nacht auf den 21. März vorübergehend eine neue Bleibe suchen. «Wir gingen zu einer Tochter meines Mannes nach Hvolsvollur, wo sich 17 Personen 70 Quadratmeter teilten.» Zum Glück kam bereits etwa zehn Stunden später die Entwarnung, und die Flüchtlinge konnten in ihre Häuser zurückkehren. Die Eruption war ein klassischer Lavaausbruch und fand zwischen den Gletschern statt; der Vulkan stiess keine Asche aus, und es schmolz nur wenig Eis.

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Auch Thordur Tomasson wurde evakuiert. Er betreibt in Skogar am Fusse des Eyjafjallajökull seit 1949 ein Folkloremuseum, eine Art Ballenberg, «das beste Museum ausserhalb Reykjaviks», wie der 89-Jährige sagt. «Mit 14 erschien mir ein Geist – man könnte es göttliche Eingebung nennen – und sagte mir, dass ich sammeln solle», beschreibt er sein Erweckungserlebnis, das ihn zu einem der erfolgreichsten Museumsdirektoren des Landes machen sollte. Island befand sich damals im Umbruch und war auf dem Weg vom Mittelalter in die Neuzeit. «Ich wusste instinktiv: Wenn ich die Relikte dieser Zeit nicht sammle, sind sie für immer verloren.»

Als der Eyjafjöll ausbrach, sah Thordur Tomasson sein Lebenswerk bedroht. Seit seiner Jugend sammelt der 89-Jährige Zeugnisse der isländischen Geschichte, die er heute in einem Folklore­museum ausstellt.

Quelle: Halldor Kolbeins/Keystone

Der neue Krater war eine Attraktion

Deren Vernichtung drohte am 21. März erneut. «Es war ein schreckliches Erlebnis», sagt Tomasson, immer noch sichtlich beeindruckt von den Ereignissen. Die Explosionen des Vulkans waren so stark, dass die Häuser durchgerüttelt wurden. Einen Evakuierungsplan für das Museum gibt es nicht, Tomassons Lebenswerk mit Tausenden von Exponaten stand auf dem Spiel. «Der Alte», so nennt Smari Olason, ein Führer im Museum, seinen Chef ehrfurchtsvoll, «der Alte packte nur die Gudbrandsbiblia ein.» Das über 400 Jahre alte Buch ist die älteste Bibel in isländischer Sprache und wurde vor etlichen Jahren zusammen mit weiteren wertvollen alten Büchern dem Museum vermacht. «Während der ganzen Fahrt von Skogar nach Vik hielt er das wertvolle Stück auf dem Schoss umklammert», erinnert sich Olason.

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Zum Glück ging alles glimpflich aus. Nur einen Tag blieb Tomasson seinem Museum fern. Dieses war zwar 17 Tage lang geschlossen, verzeichnete aber eine sehr gute Saison, nicht zuletzt wegen der vielen Vulkanbesucher. Denn wie es Birna Lind Björnsdottir, Marketingmanagerin der auf Walbeobachtung spezialisierten Firma North Sailing formuliert: «Der Vulkan war die beste Werbung für Island.»

In Skogar beginnt der Weg zum Krater, den nach dem Ausbruch Tausende unter die Füsse respektive unter die Schneeschuhe oder Schneemobilkufen nahmen. Einer, der vom Boom profitierte, ist Asbjörn Arnason. Er organisiert seit 18 Jahren Gletschertouren auf den Eyjafjallajökull, doch so viel Andrang wie in diesen ersten Apriltagen hat er noch nie erlebt. Besucher hätten Tränen in den Augen gehabt, als sie vor der noch dampfenden Lava standen: «Es ist einfach toll, Menschen etwas so Interessantes zeigen zu können.»

Freude hatte auch der Umweltaktivist, Radiomoderator und Pilot Omar Ragnarsson. Der 70-Jährige hat jetzt schon 23 Mal den Ausbruch eines isländischen Vulkans hautnah mitverfolgt. Als einer der wenigen flog er auch während des Ausbruchs um die Aschewolke, fotografierte und filmte das Spektakel. Seine 35 Jahre alte blau-weisse Cessna, eine Propellermaschine, hatte im Gegensatz zu den Düsenjets keine Probleme mit der feinen Asche. Wenn Ragnarsson erzählt, kommt er ins Schwärmen: «Früher glaubte man, dass Hekla, ein anderer Vulkan hier in der Nähe, das Tor zur Hölle sei und dass der Teufel dort unten anfeuert.» In Teufels Küche müssen sich viele Isländer ab Mitte April gefühlt haben, denn die Freude über ihren lukrativen Vulkankrater währte nicht lange.

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Kinder «schiessen» auf den Vulkan

Offiziell erklärte das IMO den Ausbruch am 12. April für beendet. Doch schon zwei Tage später ging das Spektakel von neuem los. Diesmal etwas weiter westlich, unter dem Gletscher, und mit den allgemein bekannten Folgen: Eine Aschewolke machte in weiten Teilen Südislands den Tag zur Nacht und das Atmen zur Qual. Sie legte den Flugverkehr in Europa lahm und trieb Airlines beinahe in den Ruin. Ein ganzer Landstrich südöstlich des Gletschers Eyjafjallajökull wurde mit einer mehrere Zentimeter dicken, sandartigen Ascheschicht bedeckt, und diesmal rauschten Flutwellen durchs Tal. Die Behörden liessen die auf einem Damm durch die Schwemmebene führende Strasse aufreissen. So konnte das Schmelzwasser abfliessen, ohne eine Schneise der Zerstörung zu hinterlassen.

Bei einem Augenschein aus der Vogelperspektive lässt sich noch erahnen, mit welcher Urgewalt sich die Erde öffnete. «Die Lava und das heisse Wasser haben vollkommen neue Formationen entstehen lassen», erklärt Omar Ragnarsson während eines Fluges über den immer noch leicht dampfenden, nach Schwefel riechenden Krater. Das heisse Schmelzwasser frass Schluchten in das mehrere hundert Meter dicke Eis. Für Ragnarsson ist es ein besonderer Spass, sich mit seiner Cessna in die tiefen Eisschluchten zu stürzen.

Der gesamte Gletscher ist mit einer schwarzen Ascheschicht bedeckt, die noch über viele Jahre das sommerliche Schmelzwasser verunreinigen wird. Gut zu sehen sind die Rinnen der Schmelzwasserflüsse. Sie bilden eine schwarze Spur im ansonsten üppig grünen Umland des Vulkans, aus dem nur die knallroten und blauen Dächer vereinzelter Gehöfte herausleuchten.

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Heute sind die Strassen repariert, die Asche unterhalb des Gletschers ist vom Regen weggewaschen oder von Gras überdeckt, und die Gudbrandsbiblia steht wieder in ihrer Vitrine. Die Verunsicherung aber bleibt. «Ich war lange Zeit wie auf Nadeln», beschreibt Sylvia Rossel ihre Gemütsverfassung im Sommer 2010. Und schon mehrfach konnte sie beobachten, wie die Kinder im Spiel auf den Vulkan «schossen» statt wie üblich auf irgendeinen Bösewicht. Dreimal mussten sie ihr Heim überstürzt verlassen; zwar immer nur für wenige Stunden, aber ohne zu wissen, ob das Haus bei ihrer Rückkehr noch stehen würde. Und bis Ende Juni mussten sie Atemschutzmasken tragen, wenn sie daussen spielten. Die Schulpsychologen nahmen sich vermehrt der Kinder in den betroffenen Gebieten an. Auch mit Kristjan sprachen sie, Sylvias ältestem Sohn, der sich noch Monate nach den Evakuierungen aggressiver verhält als früher.

Warten auf den nächsten Ausbruch

Sylvia Rossel sagt, dass ihr Nervenkostüm keine Nachwirkungen zeige. Aber sie wartet. Sie wartet auf einen Anruf, dass ihre Familie das Haus erneut verlassen müsse. «Es würde mich nicht mehr überraschen.»

Auch Omar Ragnarsson wartet auf die Eruption des Vulkans Katla: «Dieses Schauspiel möchte ich noch erleben.» Dasselbe gilt für Thordur Tomasson, der keine Schulbildung genossen und 18 Bücher über isländische Folklore publiziert hat. «Vom katastrophalen Ausbruch im Jahr 1918 erzählten mir meine Eltern. Alle wussten um die Gefahr der schlafenden Vulkane, aber alle verdrängten sie», sagt er.

Die Meteorologen vom IMO hingegen behalten gleich drei Vulkane Katla, Hekla und Grimsvötn besonders gut im Auge, «denn alle drei stehen kurz vor einer Eruption», ist Theodor Hervarsson überzeugt. «Die Frage ist nicht, ob sie ausbrechen, sondern wann.» Die Feuerberge Katla und Grimsvötn liegen unter einer mehrere hundert Meter dicken Eisschicht. «Im Vergleich dazu ist Eyjafjöll nur ein kleiner Vulkan», betont die Geologin Rikke Pedersen vom Vulkanologischen Institut der Uni Reykjavik.

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Um gewappnet zu sein, hat die Regierung rund 200 Millionen Kronen, umgerechnet etwa 1,9 Millionen Franken, für eine mobile Radarstation bereitgestellt. «Bisher hatten wir in Island nur eine Radaranlage», sagt Hervarsson, «und die steht beim Flughafen − das ist zu weit weg von den Vulkanen.» Deshalb konnten die Wissenschaftler den Bereich unter 3000 Metern wegen der Erdkrümmung nicht erfassen. Dabei wäre eine Radarstation essentiell, um über Struktur, Höhe und Zusammensetzung der Wolke etwas zu erfahren.

Das IMO will auch eigene Vulkanologen einstellen. Und die Informationspolitik wurde schon angepasst. «Nachdem wir früher den Zivilschutz einmal täglich telefonisch über die aktuelle Lage informierten, änderten wir am 21. April dieses Vorgehen», sagt Hervarsson. Seither übermittelt das IMO alle drei Stunden per E-Mail einen Lagebericht. Auch den Umgang mit der Presse mussten die Wetterfrösche erst erlernen. «Es geht nicht, dass wir drei bis vier Tage benötigen, um eine Presseanfrage zu beantworten.» Immerhin wollte die gesamte Welt exklusive Informationen – und zwar aktuelle.

Zusätzlich will Hervarsson auch das Frühwarnsystem verbessern, um Behörden oder Flugüberwachungsstellen weltweit früher informieren zu können: «So weiss man in der Welt zumindest, dass auf Island etwas passiert. Aber vorhersehen können wir immer noch nichts.»

Immerhin: Ohne Wahrsager zu spielen, kann Hervarsson heute schon sagen, dass der Eyjafjöll mit ziemlicher Sicherheit fertig gespuckt hat. «Zumindest seismologisch betrachtet ist alles vorüber», sagt er. Offizielle Entwarnung will der Meteorologe aber noch nicht geben, denn auch 1821/22 spuckte der Vulkan immer wieder mal Dampf und Asche.

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