Was Generationen von Bauern und unzählige Spaziergänger nicht bemerkten, hat kürzlich ein deutsch-tschechisches Forscherteam anhand von Satellitenbildern herausgefunden: Kühe stellen sich beim Grasen nicht zufällig auf, sondern richten sich normalerweise nach der Nord-Süd-Achse aus – und zwar auf allen Kontinenten. Die Rinder müssen über einen Magnetsinn verfügen, der ihnen das Erdmagnetfeld anzeigt.

Dass dem tatsächlich so ist, haben die Forscher jetzt mit einer zweiten Analyse der Satellitenbilder bewiesen. Sie stellten fest, dass die Kühe ihren Körper nur dann nach Norden oder Süden ausrichten, wenn sich keine Hochspannungsleitung in der Nähe befindet. «Die elektromagnetischen Felder stören den Magnetsinn der Tiere», schreiben die Forscher.

Bewohnern eines Alpenlandes stellt sich nun die Frage, ob die Kühe sich auch richtig orientieren, wenn sie auf einer steilen Alpweide stehen. Anzunehmen wäre, dass dann die Neigung des Hangs die Ausrichtung der Tiere bestimmt. Eine Antwort steht noch aus: «Wir haben sehr darauf geachtet, nur flache Weiden auszuwerten», sagt Sabine Begall, die Hauptverfasserin der Studie.

Wie die Rinder das Magnetfeld spüren, ist noch unbekannt – doch sie sind nicht die einzigen Tiere, die mit diesem «siebten Sinn» ausgerüstet sind: Auch Rothirsche, Rehe, viele Vögel, einige Fische, Insekten und Fledermäuse wissen, wo Norden ist.