Die Folgen für die Natur sind noch unabsehbar. Karl Frey, Biologe und Imker in Finstersee (ZG), sieht mit den gentechnologisch veränderten Pflanzen eine möglicherweise tödliche Gefahr auf die Bienen zukommen. Seine Vision: kein Summen mehr in den Wiesen und Obstbäumen. Oder noch schlimmer: Die Fortpflanzung in der Pflanzenwelt wäre nicht mehr gesichert. Anlass für diesen «schwerwiegenden Verdacht» geben ihm der Bt-Mais von Novartis und gentechnologisch veränderter Raps.

Novartis hat den Maispflanzen ein Gen des Bacillus thuringiensis eingebaut, das den Maiszünsler, einer der grössten Schädlinge der Maiskulturen, tötet. Entgegen den Behauptungen von Novartis hat sich aber gezeigt, dass der Bt-Mais nicht allein den Schädling bekämpft.

Die Wissenschaftler Angelika Hilbeck und Franz Bigler, tätig an der eidgenössischen Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau Zürich-Reckenholz, konnten nachweisen, dass der Bt-Mais auch Larven der Florfliege tötet. In Versuchen starben doppelt so viele Larven, wenn die Forscher ihnen Maiszünslerlarven vorsetzten, die vorher Bt-Mais gefressen hatten. Das Schicksal, das Novartis ausschliesslich für den Maiszünsler vorgesehen hat, trifft somit auch einen besonders wichtigen Nützling: Die Florfliege ist ein natürlicher Feind des Maiszünslers.

Karl Frey fürchtet, dass der Bt-Mais ähnlich schwerwiegende Konsequenzen für die Bienen haben könnte. Eine Untersuchung von Novartis, die den Verdacht auszuschliessen versucht, wird von Angeilka Hilbeck und dem Greenpeace-Experten Ludger Wess als ungenügend bezeichnet.

Ähnliche Probleme zeigen sich beim Raps, der mittels Gentechnologie schädlingsresistent werden soll. An diesem Projekt arbeiten verschiedene Saatgutkonzerne. Ins Erbmaterial der Ölpflanze wird ein Gen eingebaut, das die Pflanze veranlasst, in ihren Zellen sogenannte Protease-Inhibitoren herzustellen. Die Protease-Inhibitoren stören im Verdauungstrakt der Schädlinge lebenswichtige enzymatische Vorgänge.

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Die Bienenforscherin Minh-Hà Pham-Delègue, in Frankreich tätig am Institut National de la Recherche Agronomique, hat nun aber herausgefunden, dass die gentechnologisch veränderte Pflanze auch auf die Bienen wirkt. Ihre Lebenserwartung sinkt um 25 Prozent, zudem zeigen sie Zeichen von Verwirrung: Die gentechnisch veränderte Nahrung nimmt den Bienen die Fähigkeit, die Geruchssignale der einzelnen Blumen unterscheiden zu können. «Das ist eine schwerwiegende Funktionsstörung», so Pham-Delègue - mit Konsequenzen, die letztlich kaum absehbar sind.

Wann in der Schweiz mit Gesuchen für die Freisetzung der gentechnologisch veränderten Pflanzen zu rechnen ist, steht noch offen. Solange keine Gesuche vorliegen, bleibt auch unbeantwortet, ob sich das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft - es ist verantwortlich für die Bewilligung von Freisetzungen - mit den vorliegenden Untersuchungen zum Thema Bienen begnügen oder weitere Abklärungen fordern wird.

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