Beinahe hätten die Umweltschützer mit ihren Protesten ein gross angelegtes Forschungsprojekt im Südatlantik verhindern können – doch nun hat die deutsche Bundesforschungsministerin das Experiment dennoch erlaubt. In den nächsten Tagen schon wird das Forschungsschiff «Polarstern» am Reiseziel ankommen und mit dem umstrittenen Eisendüngungsversuch Lohafex beginnen.

Beteiligt am Experiment sind das deutsche Alfred-Wegener-Institut (AWI) und das indische National Institute of Oceanography. Mit dem Versuch will man herausfinden, ob umfangreiche Düngungen des Meeres mit Eisen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnten.

«Erheblicher Eingriff in die Meeresökologie»

Das Forscherteam will auf einer Meeresfläche von 300 Quadratkilometern 20 Tonnen Eisensulfat ausbringen. Dadurch wird das Algenwachstum stimuliert, wobei die Organismen CO2 in ihre Zellen einlagern. Wenn die Algen dann absterben, sinken sie auf den Meeresgrund. Damit lässt sich das Treibhausgas – vielleicht – aus der Luft entfernen und dauerhaft deponieren. Ob dieser Mechanismus tatsächlich funktioniert, und inwiefern das restliche Ökosystem von solchen Düngungen betroffen ist, wollen die Forscher herausfinden.

Im Gespräch mit der NZZ sagte Ulrich Bathmann, einer der Projektplaner, es werde schon seit Jahren diskutiert, ob sich solche Eisendüngungen als technischer Beitrag zum Klimaschutz eigneten. Deshalb müsse man mehr über die Abläufe wissen.

Doch in diesem Punkt sind die Umweltschützer anderer Meinung. Der WWF Deutschland schreibt in einer Medienmitteilung, das Experiment sei Wasser auf die Mühlen jener Forschergruppen und Firmen, die bereits in den Startlöchern sässen, um Ozeandüngungen rund um den Globus anzuwenden. Tatsächlich warten bereits mehrere Unternehmen darauf, mit der Technologie in den CO2-Emissionshandel einzusteigen.

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Für den WWF ist indessen klar: «Es darf keinen Klimaschutz um jeden Preis geben. Die Ozeandüngung ist ein erheblicher Eingriff in die Meeresökologie.» Die Nahrungsketten könnten verändert werden, und das chemische Gleichgewicht ganzer Meeresregionen könnte kippen, vermuten die Umweltschützer.

Forscher verstehen Kritik nicht

Die Direktorin des AWI, Professorin Karin Lochte, kontert in einer Reaktion an die Medien, es gehe bei Lohafex bloss darum, die Rolle des Eisens im globalen Klimasystem besser zu verstehen. Das AWI wolle keinesfalls testen, ob der Atmosphäre Kohlendioxid in grossem Massstab entzogen werden kann.

Ob das Projekt weitere, grössere Experimente lostreten wird, wird man sehen. Die «Polarstern» ist jedenfalls nicht mehr zu stoppen. Unabhängige Gutachten, erstellt von zwei Bundesministerien, kamen in den letzten Tagen zum Ergebnis, dass das Forschungsprojekt weder gegen Umweltstandards noch gegen Völkerrecht verstösst. Daher gab Bundesforschungsministerin Annette Schavan nun – nach wochenlangem Streit – doch noch grünes Licht.

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Auch ein bereits bestehendes internationales Moratorium für Ozeandüngungen haben die Forscher erfolgreich umschifft: Für Forschungszwecke sind kleinflächige Experimente in Küstennähe ausnahmsweise erlaubt. In Küstennähe – das bedeutet in diesem Fall 200 Seemeilen vor den nächsten Inseln.