Aus dem Faulwasser, das nach der Klärung mit Schlamm vermischt zurückbleibt, isolieren sie Stickstoff, der sonst ungenutzt in die Umwelt entweichen würde. Mit einem chemischen Verfahren können die Wissenschaftler den Stickstoff abtrennen und schliesslich flüssiges Ammoniumsulfat «ernten». Zahlrei­che Bauernbetriebe im Mittelland düngten ihre Felder bereits mit Dünger aus der Pilotanlage, sagt Peter Briner, der das innovative Recyclingprodukt an die Landwirte vertreibt.

Derzeit werden Mineral- und Düngestoffe aus dem Faulwasser der Kläranlagen nicht systematisch rezykliert. Das Faulwasser enthält etwa einen Fünftel des Stickstoffs, der mit den Abwässern aus unseren Toiletten in die Kläranlagen strömt.

Neben Stickstoff sammelt sich in den Abwässern auch Phosphor. Dieses für alles Leben notwendige Element soll künftig aus der Asche des verbrannten Klärschlamms zurückgewonnen werden. Würden alle Kläranlagen in der Schweiz darauf umstellen, könnten sie den Bedarf an Phosphor als Mineraldünger in der Landwirtschaft beinahe decken, sagt Hansruedi Siegrist, Leiter des Bereichs Verfahrenstechnik an der Forschungsanstalt Eawag. Der rezyklierte Stickstoff decke zwar nur einen Bruchteil des Bedarfs. ­Seine Rückgewinnung sei aber auf jeden Fall sinnvoll, so Siegrist.