Einsteigen, ausspannen: So stellen sich amerikanische Designer die automobile Zukunft vor.

Quelle: Mike und Maaike Inc.

Körper und Geist sind nach dem Arbeitstag müde. Wie schön wäre es, jetzt ein Knöpfchen drücken und die Lehne des Fahrersitzes ein bisschen flacher legen zu können. Das Auto würde sanft von selbst den Heimweg finden.

Nur ein Traum? Nein, diese Möglichkeit ist schon recht nahe gerückt: Der US-Konzern Google unterhält eine Flotte von zwölf autonom fahrenden Testwagen, die über 500'000 Kilometer unfallfrei zurückgelegt haben. Fast alle grossen Autohersteller arbeiten an Selbstfahrsystemen.

Die nächste Mercedes-S-Klasse etwa, die im Sommer auf den Markt kommt, wird mit bis zu 40 Kilometern pro Stunde selbständig im Kolonnenverkehr fahren. Bei niedrigen Geschwindigkeiten kann der Fahrer die Füsse von den Pedalen nehmen und die Hände in den Schoss legen, doch sobald der Wagen schneller wird, überwacht ein Drucksensor, ob die Hände am Lenkrad sind. Wer es loslässt, hört nach ­einigen Sekunden einen Warnton und ist gezwungen, zum Steuer zu greifen.

Die ersten Schritte zu wirklich autonomem Fahren führen in eine rechtliche Grauzone. Noch gilt in den meisten Ländern der Satz aus dem Wiener «Übereinkommen über den Strassenverkehr» von 1968: «Jedes sich bewegende Vehikel muss einen Fahrer haben.»

Die Juristen schlagen bereits die ersten Breschen ins Gesetz: In den USA hat Nevada im Mai 2012 als erster Bundesstaat die Erlaubnis für ein selbstfahrendes Google-Auto erteilt. Auch Audi hat jüngst eine solche Lizenz erhalten. Mittlerweile betrachten etliche US-Gouverneure die Zulassung autonom fahrender Autos als Standortvorteil. Im Juli 2012 hat Florida selbstfahrende Autos erlaubt, Kalifornien ist im September gefolgt. In Europa sind entsprechende Gesetzesänderungen noch kein Thema.

Praxistests in Extremsituationen

Selbstfahrende Autos meistern zunehmend grössere Herausforderungen: Audi schickte einen umgebauten TT im Renntempo über die Bergrennstrecke Pikes Peak in den Rocky Mountains. Vier autonome Wohnmobile reisten 2010 von Mailand nach Schanghai und durchquerten Gebiete in Russland, Kasachstan und China, für die es nicht mal Strassenkarten gibt. Und die Freie Universität Berlin bringt ihrem Versuchsauto namens «Made in Germany» gerade bei, die Rushhour in der Hauptstadt ohne Blechschäden zu überstehen.

Hoffnung auf eine preisgünstige Lösung weckt das Projekt «RobotCar UK» von Paul Newman. Der Oxford-Professor verzichtet auf teure Laserscanner, die bei den Google-Autos die Gegend überwachen. Sein Wagen lernt den täglichen Arbeitsweg auswendig. «Unser Auto baut sich Fahrt für Fahrt ein dreidimensionales Bild von der Umgebung; es sammelt Erfahrungen», erläuterte er gegenüber BBC. Nach ein paar Tagen fragt es den Fahrer: «Ich kenne die Strecke, soll ich das Steuer übernehmen?» Noch steckt im Robotcar Technik im Wert von 7000 Franken, doch Newman hofft, den Preis auf 200 Franken pro Auto senken zu können. «Ich wäre erstaunt, wenn wir diese Art von Technik in den nächs­ten 15 Jahren nicht in Autos sehen könnten.»

Energiesparende Autos gibt es bereits. Wenn Paul Newman recht behält, werden in Zukunft auch andere wertvolle Ressourcen geschont: Zeit und Nerven.