«Ich denke, wir haben es», sagte Cern-Generaldirektor Rolf Heuer am Mittwoch, 4. Juli, anlässlich eines Seminars in Meyrin. Dort erläuterten Physiker der Öffentlichkeit und Forscherkollegen in aller Welt die neusten Resultate des Teilchenbeschleunigers. Die über das Internet übertragene Veranstaltung wurde weltweit von tausenden Interessierten verfolgt. Unzählige Gratulationen trafen im Cern ein. Der britische Physiker Stephen Hawkings sagte gegenüber der BBC, Peter Higgs müsste nun den Nobelpreis erhalten.

Ein Higgs-Teilchen konnte mit dem Teilchenbeschleuniger LHC nachgewiesen werden, der weltweit mächtigsten und energiereichste Maschine. In der 27 Kilometer kreisförmigen Anlage werden extrem beschleunigte Protonen aufeinander gejagt. Die Protonen kollidieren in den beiden Teilchendetektoren CMS und Atlas. Die Forscher erwarteten, dass die Protonen nach der Kollision in Higgs-Teilchen zerfallen würden. Die extrem kurzlebigen Teilchen konnten nun mit einer Masse von rund 126 Gigaelektronenvolt indirekt nachgewiesen werden. Dazu war die statistische Analyse von Milliarden von Zerfällen nötig. Das Teilchen wurde in beiden Detektoren entdeckt. Die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers sei klein und betrage eins zu zwei Millionen.

Das Higgs-Teilchen ist das letzte Element im Standardmodell der Physiker, dessen experimenteller Nachweis noch gefehlt hat. Es wird aus dem Higgs-Feld generiert und verleiht den anderen Teilchen ihre Masse. Peter Higgs und andere Physiker haben seine Existenz vor 48 Jahren aufgrund theoretischer Überlegungen voraus gesagt. Mit dem Nachweis im Cern haben die Physiker aber nur eine erste Tür aufgestossen. Nun muss das lang gesuchte Teilchen weiter vermessen und analysiert werden. Und weil das Standardmodell Manifestationen wie die dunkle Energie im Universum nicht klären kann, wird auch die Suche nach weiteren Teilchen weiter gehen.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Cern-Physiker Günther Dissertori: «Higgs-Teilchen: Verstehen, was die Welt zusammenhält»