Zur Produktion ihres Honigs setzt Judith Ambühl, Biobäuerin aus Filisur GR, keine Chemie ein. «Ich mache es wie die Natur», sagt sie. «Gift gehört bei mir nicht dazu.» Sie verkauft die Delikatesse aber nicht als «Biohonig», sondern als «Honig aus biokonformer Haltung». Der Ausdruck «Biohonig» ist in der Schweiz ohnehin nicht geschützt.

Noch nicht. Smarte Imker wittern bereits das Geschäft, das mit dem Namen «Bio» zu machen ist. Was allerdings genau unter Biohonig zu verstehen ist, darüber sind sich nicht alle einig. «Wir können doch den Bienen nicht nachfliegen, um zu sehen, woher sie den Blütenstaub holen», sagt Hans-Georg Wenzel, Präsident des Verbands der Schweizerischen Bienenzüchtervereine. «Deshalb gibt es wohl niemals eine gerechtfertigte Bezeichnung, die einen reinen Biohonig garantieren kann.» Skeptische Imker sprechen denn auch von einem nicht realisierbaren Unterfangen und von «Etikettenschwindel».

Thomas Kalt hingegen, Biobauer und Initiant des Vereins Api-Bio, lässt sich von solchen Äusserungen nicht beirren. «Ich will einen rückstandsfreien Honig, frei von synthetischen Einflüssen», sagt er. «Der Bienenstock muss sich in ausreichender Entfernung von Autobahnen, Industriegebieten und Abfallverbrennungsanlagen befinden. Das kommt einer reinen Produktion von Biohonig nahe.»

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Um den Wirren rund um den Biohonig ein Ende zu setzen, schreibt nun der Bund den so genannten Bioimkern EU-konforme Richtlinien vor, die am 1. Januar 2002 in Kraft treten werden. So soll beispielsweise drei Kilometer rund um den Bienenstock biologischer Landbau betrieben werden. Zudem muss eine allfällige künstliche Fütterung aus biologisch erzeugtem Honig sein. Und Behandlungen mit chemisch-synthetischen Tierarzneimitteln sind verboten, ausser der Tierarzt hat sie verschrieben.

Nach solchen Kriterien soll dem Honig dann auch vom Dachverband der Schweizer Biobauern, Bio Suisse, die «Knospe», das Gütesiegel für biokonforme Herstellung, verliehen werden. Noch zögert allerdings Geschäftsführer Christof Dietler. «Eine seriöse Kontrolle ist beim Biohonig nicht möglich», glaubt er und weiss darum nicht, ob er die vom Bundesrat verabschiedeten Richtlinien übernehmen will.

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«Honig ist bereits Bio», findet wiederum Berchtold Lehnherr, Sekretär des Schweizerischen Bienenzüchterverbands. Er befürwortet zwar die neuen Kriterien des Bundes, aber nur «solange die traditionellen Imker nicht benachteiligt werden».

Biobäuerin Judith Ambühl lässt die ganze Debatte kalt. Für sie wird sich nach dem 1. Januar nichts ändern. «Weil unsere Nachbarn traditionelle Landwirtschaft betreiben, darf ich meinen Honig nicht als Bio verkaufen.» Für sie aber kein Problem: «Wer bis anhin Honig bei mir gekauft hat, wird es auch in Zukunft tun.»