Damit beim Interview auch ja nichts vergessen geht, schreibt sie in der Cafeteria des Schweizer Fernsehens nochmals alle Fragen in Schönschrift auf. Die 12-jährige Olivia aus Wettswil am Albis fährt Ski, seit sie vier ist. Heute gehts für einmal aber nicht hoch in die Berge, sondern auf den Fernsehturm, von wo die Sendung «Meteo» ausgestrahlt wird. 13 Stockwerke mit dem Lift und zwei steile Treppen, dann steht sie mit Thomas Bucheli auf dem Dach des etwa 60 Meter hohen Gebäudes am Rande von Zürich.

Olivia Kiniger: Warum stehen Sie in der Sendung «Meteo» immer auf dem Fernsehturm?
Thomas Bucheli: Weil das Publikum und auch wir es toll finden. Das Wetter bietet in jeder Situation etwas Spannendes. Nur bei Blitzgefahr dürfen wir nicht aufs Dach.

Kiniger: Was bestimmt eigentlich unser Wetter?
Bucheli: Der Motor des Wetters ist unsere Sonne. Sie heizt die Luft und die Erdoberfläche auf und bringt so die Atmosphäre zum Köcheln und Dampfen. Dadurch entstehen dann Wolken, Wind und Regen, es bilden sich Tiefs und Hochs. All diese Wirbel und Strömungen sind weltweit zusammenhängend - so beeinflusst eine Störung über Amerika das Wetter bei uns in der Schweiz auch dann, wenn sie gar nie direkt bis hierher gelangt.

Kiniger: Hatten Sie nach einer falschen Prognose schon mal erboste Telefonanrufe?
Bucheli: Oh ja: Es gibt immer viele Reaktionen, wenn wir mit unserer Vorhersage danebenliegen. Früher eher via Telefon, heute natürlich vor allem per E-Mail. Zum Glück kommen fatale Falschprognosen aber nicht so häufig vor.

Kiniger: Wohin muss ich diesen Winter, um sicher Schnee zu haben?
Bucheli: In die Antarktis. Nein, du meinst wahrscheinlich in der Schweiz? Ich kann natürlich keine so weit reichende Prognose machen, aber am besten fährst du hoch hinauf. Zwischen 2000 und 3000 Metern fällt sicher Schnee. Unterhalb hängt es vom Winter ab.

Kiniger: Welches ist Ihre Lieblings-Wintersportart?
Bucheli: Ich betreibe nur eine, nämlich Skifahren.

Kiniger: Mögen Sie denn den Winter am meisten?
Bucheli: Für mich ist der Herbst am schönsten. Die Stimmung in der Natur ist während dieser Jahreszeit speziell. Ausserdem mag ich es, wenn es draussen auch mal nebelverhangen ist.

Kiniger: Was macht man eigentlich als «Wetterfrosch» den ganzen Tag?
Bucheli: Wir müssen die Satellitenbilder und die Daten der Wetterstationen auswerten und aufgrund dessen eine Prognose erstellen. Danach gilt es, die Erkenntnisse umzusetzen, also Grafiken zu erstellen und Texte zu verfassen. Dieses Prozedere machen wir laufend, den ganzen Tag werden die Prognosen aktualisiert. Wie du siehst, kommen wir nicht erst fünf Minuten vor Beginn der Meteo-Sendung, lassen uns schminken, und das wars dann. Unsere Radio-Meteorologen beginnen mit ihrer Arbeit schon um viertel nach vier Uhr in der Früh.

Kiniger: Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Bucheli: Als junger Bursche habe ich das Pilotenbrevet für Motorflugzeuge gemacht. Dafür musste ich mich intensiv mit dem Wetter und der Meteorologie auseinander setzen. Ziemlich schnell wurde mir klar, dass ich mehr über das Wetter wissen wollte und entschied mich für ein Studium in Klimatologie, Meteorologie und Atmosphärenphysik. Die Wetterkunde erwies sich als total spannendes Gebiet, weshalb ich nach dem Abschluss weiter damit arbeiten wollte.

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