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KlimawandelAdieu, Schafskälte?

Die Schafskälte Mitte Juni fällt immer weniger kräftig aus. Ist der Klimawandel daran schuld?

Ungewohnt heiss, oft starke Niederschläge: Seit 33 Jahren ist jeder Monat wärmer, als er es im Schnitt des 20. Jahrhunderts war.

von aktualisiert am 21. Juni 2018

Die Schafskälte ist nicht mehr, was sie war. Der nasskalte Temperatureinbruch Mitte Juni fällt immer kürzer und sanfter aus. Tatsächlich ist der Juni um die Jahrtausendwende in sehr kurzer Zeit um rund zwei Grad wärmer geworden. «Die Norm von 1961 bis 1990 lag im landesweiten Mittel bei 10,6 Grad, zwischen 1991 und 2010 waren es 12,5 Grad», so MeteoSchweiz. Seit 1900 gebe es eine graduelle Erwärmung, global rund ein Grad, in der Schweiz sind es zwei Grad, sagt Reto Knutti vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich.

Nur über Jahre hinweg ansehen

Er relativiert aber den Wert von Einzelbeobachtungen wie bei der Schafskälte. «Das ist eher Zufall. Klimaveränderungen sieht man nicht, indem man einzelne Tage oder Monate anschaut.» Knutti warnt davor, solch kurzfristige Trends zu interpretieren. Je kürzer der Zeitraum und je kleiner die geografische Einheit, umso eher seien die Resultate zufällige Variationen.

Die Beobachtung passe aber ins Bild. Wie die US-Wetterbehörde NOAA berichtet, war der letzte April global der 400. Monat in Serie, der wärmer war als der Durchschnitt des jeweiligen Monats im 20. Jahrhundert. Seit 1985 gab es also global gesehen keinen «unterdurchschnittlich warmen» Monat mehr. 

Ein allgemeiner Trend

«Diese Häufung aussergewöhnlicher Ereignisse ist kein Zufall mehr», sagt Knutti. «Daran sieht man glasklar den allgemeinen Trend der Klimaveränderung, die der Mensch durch den CO2-Ausstoss verursacht.» Das habe Konsequenzen, global und lokal. Wegen Rückkopplungsmechanismen verstärke sich der Effekt des CO2 zusätzlich, wenn es wärmer wird, erklärt der ETH-Professor. 

 

«Diese Häufung aussergewöhnlicher Ereignisse ist kein Zufall mehr.»

Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich

 

Zum Beispiel verändere sich die Art und Menge der Wolken und auch der Wasserdampf. Mehr Feuchtigkeit in wärmerer Luft führe zu intensiveren Niederschlägen bei Gewittern: Rund sieben Prozent mehr Wasser ist die Folge. «Solche Starkniederschläge kamen in den letzten Wochen sehr oft vor. Natürlich kann mir mein Nachbar erzählen, er habe auch 1974 bei einem Gewitter den Keller voll Wasser gehabt. Aber in der Stärke, wie wir sie erleben, sind sie aussergewöhnlich.» 

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Tina Berg, Online-Redaktorin

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