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KlimawandelDie wahre Krise

Alle Welt bangt um die Wirtschaft. Das lenkt von der Klimaerwärmung ab, die das gravierendere Problem ist. Doch wir müssen nicht auf politische Entscheide warten, sondern können selbst etwas gegen den CO2-Ausstoss tun.

Von aktualisiert am 29. Dezember 2011

Von der Finanzkrise verdrängt, fordert uns das Klima weitaus stärker und fundamentaler heraus. Seit die Klimakonvention 1992 in Rio de Janeiro mit grossem Pomp verabschiedet wurde, hat die Konzentration des wichtigsten Klimagases CO2 in der Atmosphäre um neun Prozent zugenommen. Obwohl die Konvention festhält, dass ein gefährlicher Temperaturanstieg verhindert werden muss, geschieht viel zu wenig. Statt weniger verbraucht die Menschheit immer mehr fossile Energie und erhöht die Gefahr ­einer beschleunigten Erwärmung. Eine längerfristige ­Beschränkung der Erwärmung auf 1,5 Grad ist kaum mehr einzuhalten. Die Internationale Energieagentur rechnet mit einem Zuwachs des weltweiten Energiebedarfs bis 2035. Von Energiewende keine Spur.

Selbst die Schweiz, eines der reichsten Länder der Welt, die sich gern mit ihrer Innovationskraft rühmt, schafft es nicht, die Ziele der ersten Verpflichtungsperiode des Kio­to-Protokolls einzuhalten. Bekanntlich hat unser Land zuge­sichert, die Treibhausgas-Emissionen bis 2012 gegenüber 1990 um acht Prozent zu senken. Selbst mit den anrechenbaren Massnahmen im Ausland, der zunehmenden Waldfläche und dem tiefen Wirtschaftswachstum aufgrund der Rezession sind wir nicht in der Lage, die relativ mage­ren Reduktionsziele einzuhalten. Hauptursache ist die ­Zunahme der Mobilität. Der Verkehr erzeugt 31,4 Prozent der Emissionen. Mit den Haushalten (20,4 Prozent) zusammen ist das über die Hälfte des hiesigen CO2-Ausstosses.

Die Wende muss vor 2020 geschehen

Klimaforscher haben vorgerechnet, was der Schweiz blüht. Steigen die Emissionen ­weltweit ungebremst weiter, erhöhen sich die Temperaturen hierzulande bis Ende des Jahrhunderts um 3,3 bis 4,8 Grad. Sollte es doch noch gelingen, die Weltgemeinschaft auf eine Reduk­tion von Kohle, Erdöl und Gas einzuschwören, steigen die Temperaturen noch immer um 1,2 bis 1,8 Grad. ­Dazu wären drastische Massnahmen nötig, das heisst eine weltweite ­Reduktion um 50 Prozent bis 2050. Vor 2020 müsste die Wende geschehen.

Viele Menschen reagieren auf diese ­bedrohlichen Perspektiven mit Resignation. Wieso sollte ich meinen Lebensstil ändern, wenn in China und Indien ein Kohlekraftwerk nach dem anderen gebaut wird? Eine nachvollziehbare Reaktion, die aber zu kurz greift. Zum einen leben wir seit Jahrzehnten auf zu grossem Fuss und haben die moralische Pflicht, mit gutem Beispiel ­voranzugehen. Zum anderen versetzen viele kleine Beiträge zusammen Berge.

Fangen wir bescheiden an: Will die Schweiz bis 2020 ihre Ziele erreichen, müsste jeder Bewohner seine jährliche ­Klimabilanz um rund eine Tonne CO2 reduzieren. Eine Tonne liesse sich sparen, wenn man die Wohnungs­temperatur um ein Grad senkt, 2000 Kilometer weniger ­Auto fährt, zwei Fleischmahlzeiten pro Woche vegetarisch ersetzt und beim Einkauf auf regionale und saisonale ­Produkte achtet. Es ist jeder Einzelne, der die gefährliche Entwicklung ­korrigieren muss. Denn weder die Uno noch die Politik sind in der Lage, das Steuer herumzureissen.

Auch das lehrt die Finanzkrise.

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5 Kommentare

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Schulz
@clemes@ina: kann man sich nicht darauf einigen? Das Bundesumweltministerium hat festgestellt, das der CO2-Fußabdruck (Product Carbon Footprint) keine geeignete Umweltkennzeichnung für Lebensmittel ist. Dies steht zumindest in einem am 20.11.2009 veröffentlichten Memorandum, dass sich auf Ergebnissen einer Studie des freiburger Öko-Instituts zur Erarbeitung von Grundsätzen für die Ermittlung und die Kommunikation eines Product Carbon Footprints stützt. Nachzulesen hier: http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/memorandum_pcf_kurz_bf.pdf

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Ina
@clemens: wird das jetzt ein pro/contra-Fleisch-Debatte? Nach Untersuchungen Rostocker Wissenschaftler beträgt z.B. der Anteil der deutschen Rinderhaltung an der Erderwärmung 0,04 % durch das Treibhausgas Methan. Nach Information dieser Universität gelangen jährlich weltweit rd. 400 Mio. t Methan in die Atmosphäre. Der überwiegende Teil aus Feuchtgebieten und Mooren, Reisanbauzonen, Ozeanen, aber auch Mülldeponien, Kohlegruben und das Abbrennen von Grasflächen. Rd. 80 Mio. t stammen von den rd. 1,3 Milliarden auf der Welt gehaltenen Rindern aus regenerativen Quellen und nicht wie beim Auto aus fossilen Quellen. Einfach mal hier nachlesen: http://www.stern.de/wissen/natur/treibhauseffekt-die-maer-vom-klimakiller-kuh-578933.html

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Clemens
schließe mich den Vorkommentatoren an: guter Artikel, aber auch ein klein wenig Ablenkungsmanover. So sind die Empfehlungen zum Essen nicht nachvollziehbar: Wie ein hiesiger Fleischverzicht das Klima schonen soll, sollte mal ernsthaft hinterfragt werden. Schlimm finde ich, wenn die Fleischerzeugung, die regeneratives C02 aus Pflanzenmasse mit dem C02-Ausstoß von Autos aus fossilen Quellen verglichen wird. Dann kann eine Holzheizung, die 100 Jahre alte Bäume zum Schonrstein rauspustet, auch nicht nachhaltig sein. Berücksichtigt man außerdem die Nährstoffdichte eines Produktes bei der Beurteilung dessen Klimawirkung, schneidet z.B. Milch im Vergleich zu Sojadrinks und weiteren Getränken bei weitem am besten ab.

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Thomas Amweg
51 Prozent des CO2-Ausstosses geht auf Mobiliät und Haushalte: Da gibt es keine Ausrede mehr: Jede und jeder kann etwas für ein besseres Klima beitragen.

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