Von der Finanzkrise verdrängt, fordert uns das Klima weitaus stärker und fundamentaler heraus. Seit die Klimakonvention 1992 in Rio de Janeiro mit grossem Pomp verabschiedet wurde, hat die Konzentration des wichtigsten Klimagases CO2 in der Atmosphäre um neun Prozent zugenommen. Obwohl die Konvention festhält, dass ein gefährlicher Temperaturanstieg verhindert werden muss, geschieht viel zu wenig. Statt weniger verbraucht die Menschheit immer mehr fossile Energie und erhöht die Gefahr ­einer beschleunigten Erwärmung. Eine längerfristige ­Beschränkung der Erwärmung auf 1,5 Grad ist kaum mehr einzuhalten. Die Internationale Energieagentur rechnet mit einem Zuwachs des weltweiten Energiebedarfs bis 2035. Von Energiewende keine Spur.

Selbst die Schweiz, eines der reichsten Länder der Welt, die sich gern mit ihrer Innovationskraft rühmt, schafft es nicht, die Ziele der ersten Verpflichtungsperiode des Kio­to-Protokolls einzuhalten. Bekanntlich hat unser Land zuge­sichert, die Treibhausgas-Emissionen bis 2012 gegenüber 1990 um acht Prozent zu senken. Selbst mit den anrechenbaren Massnahmen im Ausland, der zunehmenden Waldfläche und dem tiefen Wirtschaftswachstum aufgrund der Rezession sind wir nicht in der Lage, die relativ mage­ren Reduktionsziele einzuhalten. Hauptursache ist die ­Zunahme der Mobilität. Der Verkehr erzeugt 31,4 Prozent der Emissionen. Mit den Haushalten (20,4 Prozent) zusammen ist das über die Hälfte des hiesigen CO2-Ausstosses.

Die Wende muss vor 2020 geschehen

Klimaforscher haben vorgerechnet, was der Schweiz blüht. Steigen die Emissionen ­weltweit ungebremst weiter, erhöhen sich die Temperaturen hierzulande bis Ende des Jahrhunderts um 3,3 bis 4,8 Grad. Sollte es doch noch gelingen, die Weltgemeinschaft auf eine Reduk­tion von Kohle, Erdöl und Gas einzuschwören, steigen die Temperaturen noch immer um 1,2 bis 1,8 Grad. ­Dazu wären drastische Massnahmen nötig, das heisst eine weltweite ­Reduktion um 50 Prozent bis 2050. Vor 2020 müsste die Wende geschehen.

Viele Menschen reagieren auf diese ­bedrohlichen Perspektiven mit Resignation. Wieso sollte ich meinen Lebensstil ändern, wenn in China und Indien ein Kohlekraftwerk nach dem anderen gebaut wird? Eine nachvollziehbare Reaktion, die aber zu kurz greift. Zum einen leben wir seit Jahrzehnten auf zu grossem Fuss und haben die moralische Pflicht, mit gutem Beispiel ­voranzugehen. Zum anderen versetzen viele kleine Beiträge zusammen Berge.

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Fangen wir bescheiden an: Will die Schweiz bis 2020 ihre Ziele erreichen, müsste jeder Bewohner seine jährliche ­Klimabilanz um rund eine Tonne CO2 reduzieren. Eine Tonne liesse sich sparen, wenn man die Wohnungs­temperatur um ein Grad senkt, 2000 Kilometer weniger ­Auto fährt, zwei Fleischmahlzeiten pro Woche vegetarisch ersetzt und beim Einkauf auf regionale und saisonale ­Produkte achtet. Es ist jeder Einzelne, der die gefährliche Entwicklung ­korrigieren muss. Denn weder die Uno noch die Politik sind in der Lage, das Steuer herumzureissen.

Auch das lehrt die Finanzkrise.