Zur Person

Der Mediziner Christoph Hatz ist Präsident der Schweizerischen Fachgesellschaft für Tropen- und Reisemedizin FMH.

Quelle: Science Source/Keystone

Beobachter: Schwirren momentan mehr Mücken als üblich?
Christoph Hatz: Es scheint tatsächlich Gebiete zu geben, die stärker unter Mücken leiden als in anderen Jahren. Das hat mit der Regenperiode zu tun. Manche Pfadilager klagen über eine gewaltige Mückenplage.

Beobachter: Sind darunter Arten, die für Menschen gefährlich sind?
Christoph Hatz: Wenn man allergisch ist, kann die ­Reaktion auf einen Mückenstich sehr stark sein. Das ist zum Glück nur bei wenigen Menschen der Fall. Die reagieren aber auf Mücken, die schon da sind, nicht auf die neuen...

Beobachter: Wie die Tigermücke.
Christoph Hatz: Sie hat sich im Tessin verbreitet. Ob Menschen speziell allergisch auf sie reagieren, kann man aber nicht sagen. Der Stich einer Schnake ist in aller Regel heftiger. Manche merken gar nicht, dass sie gestochen wurden, bei anderen setzt der Körper üppig Histamin frei. Das kann eventuell lebensgefährlich werden. Aber sonst stirbt man nicht am Stich einer Tigermücke.

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Beobachter: Demnächst gehen in Rio de Janeiro die Olympischen Spiele los. Wird sich dort das Zika-Virus verbreiten, das durch Mücken übertragen wird?
Christoph Hatz: In Rio ist es Winter, demnach rechnen wir nur mit wenigen Fällen von Zika. Das Risiko ist gering. Man muss erstens von einer Mücke gestochen werden, die Zika überträgt, und zweitens muss sich Zika dann auch noch entwickeln. Während der letzten Fussball-WM in Brasilien steckten sich drei Menschen mit dem Denguefieber an. Sie waren alle von derselben Mücke gestochen worden. Wir raten aber Frauen, die schwanger sind oder ein Kind planen, von einer Reise nach Brasilien ab.

Beobachter: Gibts in der Schweiz Tropenkrankheiten, die durch Mücken übertragen wurden?
Christoph Hatz: Hier im Land übertragen wurde bisher keine, das wüssten wir. Aber gemeldet wurden 2016 je rund 30 importierte Fälle von Zika und Chikungunya sowie etwa 140 Fälle von Denguefieber. Sie haben sich in der Schweiz aber nicht weiterverbreitet. Die Reisenden kamen meist nicht aus Brasilien zurück, sondern aus Thailand.

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Beobachter: Was raten Sie als erste Hilfe bei einem Stich?
Christoph Hatz: Sofort kühlen. Egal ob mit Spucke oder kaltem Löffel. Oder antihistamisches Gel (bspw. Fenistil, die Redaktion) auftragen. Nicht kratzen, da sonst eine Wunde entsteht, die sich entzünden kann.

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