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MühlebergAKW kurzfristig vom Netz

Der halbstaatliche bernische Energiekonzern BKW nimmt das AKW Mühleberg vorübergehend vom Netz. Die Wasserversorgung des Notfallsystems hat offensichtlich Mängel.

Atomkraftwerk Mühleberg
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aktualisiert am 29. Juni 2011

Überraschende Kehrtwende bei der BKW Energie AG, die das Atomkraftwerk Mühleberg betreibt: Fünf Wochen vor der ordentlichen Jahresrevision wird das AKW kurzfristig abgeschaltet. Es gebe «neue Erkenntnisse im Bereich der auf Extremsituationen ausgelegten Hochwasserszenarien».

Konkret geht es um das Notstandssystem SUSAN, ein Bunker ausserhalb des Reaktorgebäudes, von dem aus im Notfall das AKW gesteuert und kontrolliert werden soll. Die Wasserzufuhr dieses Systems könnte offensichtlich in bestimmten Fällen verstopfen, wodurch das AKW nicht mehr ausreichend mit Kühlwasser versorgt werden könnte.

Genau diesen Punkt kritisierte der Beobachter in seiner Titelgeschichte «Die Akte Mühleberg». Recherchen zeigten, dass die Atomaufsichtsbehörde ENSI bisher davon ausging, Mühleberg könne sich im Notfall auf eine «räumlich weit verzweigte Kühlwasserentnahme aus der Aare» abstützen. In Dokumenten der BKW ist hingegen die Rede von einer einzigen Wasserfassung, die gerade mal zwei Öffnungen aufweist. Kritiker monierten im Beobachter, dass im Falle eines Hochwassers oder eines Bruchs des benachbarten Stauwehrs diese Wasserfassung durch Geschiebe im Fluss verstopfen könnte.

Bisher wollte die BKW nichts von Problemen in diesem Bereich der Anlage wissen. Jetzt heisst es auf einmal, das eigene «Sicherheitsverständnis» habe dazu geführt, dass man «Massnahmen einleiten und umsetzen» werde. Kostenpunkt: 10 Millionen Franken. Die BKW spricht  umständlich von «Gewährleistung einer verstopfungssicheren Wasserversorgung» des Notfallsystems. Zudem soll auch das bestehende Pumpenhaus besser gegen Hochwasser abgesichert werden. Der Beobachter berichtetet mit seinen Recherchen, dass Teile des AKW-Areals bei den Hochwassern 1999, 2005 und 2007 überflutet worden waren.