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NachleseDie nervöse Kuhndin

In Zweisimmen geht eine Kuh lieber in den Supermarkt als an einen Schönheitswettbewerb.

Natur zum Anfassen: Am 23.4. berichtete der «Schweizer Bauer» von einer verirrten Kuh im Coop Zweisimmen BE
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Es ist ja nicht so, dass Kühe in einem Supermarkt nicht präsent wären. Im Gegenteil: Es gibt sie als Rindsbraten, als Vollmilch, als Appenzellerkäse. In jedem Fall aber sauber verpackt, ordentlich im Regal auf Kundschaft wartend. Nur sehr selten indes verläuft sich eine Kuh lebendig, freiwillig und – soweit bekannt – in vollem Besitz ihrer geistigen Kräfte in ein Lebensmittelgeschäft.

So geschehen am 20. April in Zweisimmen im Berner Oberland. Die braun-weiss Gefleckte stand plötzlich etwas verloren zwischen Tomaten, Kartoffeln und Kopfsalat in der Ge­müseabteilung.

Manchmal gehen Kühe nicht aus freien Stücken ins Einkaufszentrum, sondern weil sie als Druckmittel missbraucht werden. So führten britische Bauern im letzten Sommer zwei Kühe in einen Supermarkt, um dort gegen den tiefen Milchpreis zu demonstrieren. Sie wurden allesamt von der Polizei hinauskomplimentiert.

Weniger Glück hatte ein Jungbulle in einem bayerischen Dorf. Der Viehtransporter, der 20 Rinder in den Schlachthof liefern sollte, war umgekippt. Auf der Flucht rammte der Bulle erst ein Verkehrsschild und rannte dann verletzt in einen Supermarkt, wo die Kassierin einen Schock erlitt. Die Polizei räumte den Laden und erschoss das wild gewordene Tier.

Ein paar Fladen im Laden

So gesehen hatte die Zweisimmer Kuh ausgesprochen Glück. Einige Coop-Angestellte führten sie nach draussen, wo sie von der Besitzerin nach wenigen Minuten abgeholt wurde. Die Kuh war zuvor in der Markthalle gleich ­gegenüber dem Supermarkt von einer Art Schönheitswettbewerb ausgebüxt.

Im Coop habe die Kuh «keine Lebensmittel berührt», sagte ein Mediensprecher hernach, sie sei bloss durch die Regale spaziert. Doch ganz nebenbei liess die Gefleckte noch ein paar Fladen fallen – das hätte den protestierenden britischen Bauern gewiss gefallen.

Möglich, dass die Zweisimmer Kuh einfach nachmachen wollte, was sie zuvor im Fernsehen gesehen hatte. In einem Werbespot lässt Coop-Konkurrentin Migros ein caramelfarbenes Huhn selbständig in die Filiale eilen, damit es dort ein Ei druckfrisch und punktgenau in den Karton legt. Falls die Zweisimmer Kuh also bloss ein bisschen Milch in einen Karton ablassen wollte, hat sie mit Coop leider den falschen Supermarkt gewählt.

Veröffentlicht am 10. Mai 2016