Als Serienauto rangiert der neue, in Genf vorgestellte Aston Martin One-77 punkto Preis in der Topliga: Der mit 1,1 Millionen Euro Verkaufspreis dotierte Sportwagen mit 700 PS und einem 7,3 Liter V12-Motor soll auch nur in einer Serienzahl von 77 Autos pro Jahr die Werkshallen verlassen. Doch Luxusautos sind aufgrund der gering produzierten Stückzahl nicht das eigentliche Umweltproblem, sondern die Vielzahl der Fahrzeuge auf der Erde. Der Grossteil der Autos ist im mittleren Preissegment angesiedelt. «Der Aston Martin ist das letzte Aufbäumen einer vergangenen Ära», meint der Wiener Ökologe und Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien, Bernd Lötsch. Er könne einem solchen Fahrzeug nicht viel abgewinnen. Was den Forscher allerdings eher nachdenklich stimmt, ist das Billigauto, das als Massenphänomen ein Problemfall für den Planeten ist.

Alte Modelle werden solange wie möglich verkauft

«Ein Auto hat heute in erster Linie innovativ zu sein», fordert Lötsch. Die Automobilindustrie sei ein Fortschrittsgegner, denn alte in Serie gegangene Fahrzeuge werden so lange wie möglich verkauft. Die Marketingstrategie sei, eine Produktion aus Kostengründen möglichst lange auszunutzen. Hier unterscheide sich Japan von den USA: «Wenn die Umweltbehörde der USA strengere Abgaswerte fordert, stellt die US-Industrie hundert Juristen ein, um sie anzufechten – die Japaner hingegen hundert Techniker, um sie zu erfüllen», so Lötsch. «Die heutige Welt ist rund um den fahrbaren Untersatz gebaut, daher muss ein Fahrzeug den kleinstmöglichen ökologischen Reifenabdruck hinterlassen», meint der Ökologe.

Die Zukunft des Autos sei noch nicht entschieden, betont Lötsch. Der Wettlauf zwischen Wasserstofftechnologie oder Batterie als Stromquellen für Elektrofahrzeuge sei noch im Gange. «Für den Wasserstoff spricht dabei die sehr schnelle Betankung in nur einer Minute und auch die Tatsache, dass man Windenergie zur elektrolytischen Wasserstoffherstellung verwenden könnte.» Für den Elektromotor spreche generell der höhere Wirkungsgrad und das bessere Drehmoment sowie die geringere Abnutzung der rotierenden Motorteile. «Dazu wird ein Benzinmotor nie in der Lage sein», betont der Wissenschaftler.

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Das Auto gehöre heute jedenfalls zu den extremsten Beispielen von Zwangskonsum, der Wechsel des Antriebsprinzips könne nicht ohne begleitende Veränderung der gesamten Infrastruktur vonstatten gehen, so Lötsch. «Ich gehe davon aus, dass die Veränderung daher langsam geschehen wird und sich zuerst die sogenannten Plug-In-Hybridfahrzeuge durchsetzen werden.» (pte)/06.03.2009