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HaushaltsgeräteStromsparer mit globaler Mission

«Wir wollen, dass effiziente Geräte produziert und verkauft werden»: Eric Bush Bild: Luxwerk

Seit über zehn Jahren zeichnet die Schweizer Website Topten energieeffiziente Geräte aus. Jetzt erobert die clevere Idee auch die USA und China.

von Tatjana Stocker

Für diese Energiesparlampen haben wir lange gekämpft», sagt Eric Bush und zeigt an die Decke der Cafe-teria der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur. Ebenfalls der Hart­näckigkeit des ETH-Physikers ist es zu verdanken, dass heute Millionen von Menschen in Europa, China und den USA Geld und Energie sparen - dank effi­zienten Haushalts- und Bürogeräten.

Auf die Idee, eine kostenlose Info-stelle für Konsumenten zu schaffen, kam der 53-jährige Zürcher, weil Freunde und Bekannte ihn häufig fragten, welchen Staubsauger oder Drucker er empfehlen könne. Die Ergebnisse seiner aufwendigen Recherchen sollten im Internet allen zur Verfügung stehen, die Strom sparen und damit die Umwelt schonen möchten. Das Klimaschutzpotential ist beachtlich: «Mit energieeffizienten Geräten lassen sich allein in der Schweiz pro Jahr 2,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen», sagt Fredi Lüthin, Leiter der Abteilung Medien beim WWF. Die Organisa-tion hat – wie das Bundesamt für Energie – Bushs Idee von Anfang an unterstützt.

Die Plattform ist für die Nutzer gratis, was die Suche nach Geldgebern nicht einfach macht. «Es braucht einen gewissen Idealismus», sagt Bush lächelnd. Idealismus attestieren dem Wissenschaftler auch seine Geschäftspartner, zudem Bodenhaftung und Bescheidenheit. «Man sieht Eric Bush nicht an, was er alles erreicht hat», sagt Lüthin. «Aber er weiss, was er will, und er kann Menschen für seine Anliegen begeistern.»

Auch die Qualität muss stimmen

Und Eric Bush weiss, was die Konsumenten wollen: nicht nur ein sparsames, sondern auch ein gutes Produkt. Darum spielt die Qualität der bewerteten Geräte bei Topten eine grosse Rolle. «Wir wollen keine grasgrüne Seite machen», betont Bush. Topten soll vielmehr bewussten Konsumenten eine solide Entscheidungsgrundlage liefern. «Diejenigen, die beim Discounter spontan einen Fern-seher kaufen, erreichen wir natürlich nicht.»

Der Energieexperte will niemanden erziehen. «Wir wollen, dass effiziente ­Geräte produziert und verkauft werden. Das ist einfacher, als sieben Millionen Schweizern zu sagen, sie sollen bei allen Geräten nach Gebrauch den Stecker her­ausziehen.» Bei den Herstellern anzusetzen bringe viel mehr, als die Konsumenten mit kleinlichen Massnahmen zu piesacken.

Die Rechnung geht für beide auf: Der Konsument spart Stromkosten, und der Hersteller erhält Werbung für sein bestes Produkt. Topten mache aber keine Geschenke, versichert Bush. «Unsere Kriterien sind transparent und online einsehbar. Sind sie erfüllt, nehmen wir ein Gerät auf die Liste, sonst nicht.» Auf die Glaubwürdigkeit seiner Plattform legt Bush grossen Wert. Natürlich gebe es Diskus­sionen mit den Herstellern. Den Austausch wertet er aber als positiv, weil daraus häufig Optimierungen resultierten: «Die Abschalt­automatik einer Kaffeemaschine etwa lässt sich ja schnell umprogrammieren.»

Ergänzung zu staatlichen Aufgaben

Bereits ist Topten in zwölf weiteren europäischen Ländern aufgeschaltet, seit Oktober 2010 auch in den USA und China. Der Verein Topten international funktioniert als Netzwerk, die Länderorganisa­tionen sind unabhängig und müssen sich selber um eine Finanzierung bemühen. Getragen wird er von Regierungsorganisa­tionen wie der Europä­ischen Kommission. Auch Chinas kommunisti­sche Regierung hat Topten grünes Licht gegeben: «Peking hat uns überraschend positiv aufgenommen», so Bush. Seine Plattform ergänze Aufgaben des Staates: «Der Staat kann das schlechteste Produkt verbieten, etwa die Glühlampen. Aber unsere Aufgabe, die bes­ten Produkte zu promoten, kann er nicht übernehmen – das würde Konflikte schaffen.»

Als Energieexperte kann Eric Bush sein Know-how bereits bei der Ausarbeitung und Weiterentwicklung von EU-Messnormen und Labels wie dem Energie-eti­kett einbringen. Ordnung in den Datensalat zu bringen ist eines seiner Ziele. «Je einheitlicher gemessen wird, des­to einfacher ist unsere Arbeit.»

Am meisten Klicks auf der Website erreichen Haushaltsgeräte. Sie machen ein Drittel der Abfragen aus, gefolgt von TV-Geräten, Autos und Heimelektronik. Eric Bushs Lieblingskategorie ist diejenige, «bei der es die grössten Unterschiede in der Effi­zienz gibt»: Kühl- und Gefriergeräte oder Tumbler.

Natürlich hat «Mis­ter Energieeffizienz» selber auch Topten-Geräte in seinem Haus in Felsberg GR stehen. «Wäre das nicht mehr der Fall, müssten alle Alarmglocken losgehen.» Wäre es aber nicht ökologischer, alte Geräte reparieren zu lassen, statt neue anzuschaffen? «Klar», sagt ­Bush. «Wir machen auch keine Werbung dafür, ältere Geräte herauszureissen.»

Bei Datenmangel lässt Bush testen

Topten kommt ins Spiel, wenn der natürliche Ersatzzyklus eines Geräts zu Ende ist. Die Bewertungskriterien müssen sich auf seriöse Weise testen lassen und dem Konsumenten einen echten Mehrwert liefern. Etwa die Schaltfestigkeit einer Leuchte: «Es macht einen Unterschied, ob man eine Lampe 5000- oder 100'000-mal anknipsen kann, bevor sie kaputtgeht.»

Weil es keine entsprechenden Daten gab, hat Topten die Sparlampen auf eigene Faust tes­ten lassen. «Wir suchen die Arbeit nicht», betont Eric Bush, «aber es bleibt uns oft nichts anderes übrig.»

Haushalt: Entdecken Sie das Sparpotential

  • Staubsauger: Mit energieeffizienten Geräten lassen sich rund 20 Prozent der Stromkosten einsparen.
  • Kaffeemaschinen: Geräte mit integrierter Abschaltfunktion senken den Stromverbrauch um mehr als 50 Prozent.
  • Wäschetrockner: Neuere Geräte bringen eine Ersparnis von rund 50 Prozent.
  • Kühl- und Gefriergeräte: Kühlen macht fast ein Fünftel des Stromverbrauchs eines Haushalts aus. Energieeffiziente Geräte können den Verbrauch um die Hälfte reduzieren.

Praktische Energiespartipps

  • Auf einen möglichst geringen Standby-Verbrauch achten – Geräte im Standby-Modus machen rund 10 Prozent des Stromverbrauchs in einem Haushalt aus.

  • Den Energiesparmodus optimal einstellen.

  • Eine Steckerleiste mit Schalter verwenden. Damit werden beim Ausschalten alle Geräte vollständig vom Stromnetz getrennt.

  • Auf das Energieetikett achten.

  • Geräte, die nicht an einer schaltbaren Steckerleiste angeschlossen sind, mit dem Hauptschalter ausschalten.

  • Netzteil nach dem Laden entfernen – am Stromnetz angeschlossene Netzteile fressen weiter Strom.

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Veröffentlicht am 2011 M05 27