Die Nachricht in der Tagespresse betraf bloss einen Farbwechsel in einem Firmensignet – doch sie löste einen grossen Medienwirbel aus: McDonalds färbt das Logo grün ein. Das gelbe M soll künftig anstelle des knallroten einen sanftgrünen Hintergrund erhalten. Erstaunen kann der Rummel nicht. Ist die globale Fastfoodkette doch für viele schlicht die Antithese zu einem grünen Lebensstil.

Wie «grün» ihr schweizerischer Ableger wirklich ist, will BeobachterNatur ein Vierteljahr später wissen. «Der Medienwirbel überraschte uns», spielt Nicole Schöwel, die Mediensprecherin von McDonalds Schweiz, den Farbwechsel herunter. In einer Pressemitteilung schrieb Schöwel aber auch, der grüne Hintergrund verdeutliche «unsere Verantwortung gegenüber dem Erhalt natürlicher Ressourcen».

Man kann die Kette also am eigenen «grünen» Anspruch messen. Der Umweltbeauftragte von McDonalds Schweiz, Rolf Huwyler, zeigt im Verteilzentrum im solothurnischen Oensingen mit sichtlicher Begeisterung, was er bisher erreicht hat: Hier laufen alle Auslieferungs- und Entsorgungsprozesse des Gastrounternehmens für die ganze Schweiz zusammen. «Die Logistik spielt im System für das Umweltmanagement eine Schlüsselrolle», sagt Huwyler.

Mehr Energie für gesündere Menüs

Extrem kurz ist der Weg für die Anlieferung. Die Bell-Grossmetzgerei, die das Fleisch für McDonalds liefert, und die Grossbäckerei befinden sich gleich nebenan. Für die Auslieferung über längere Distanzen setzt man bereits seit 1996 auf die Bahn. Knapp die Hälfte der Transportkilometer wird gegenwärtig auf der Schiene zurückgelegt. Auch für die Lastwagentransporte hat man sich etwas Innovatives einfallen lassen: McDonalds raffiniert aus dem Altöl, das beim Frittieren in den eigenen Filialen anfällt, Biodiesel.

Stolz zeigt Huwyler auf die Zapfsäule, die seit kurzem beim Auftanken der Lastwagen automatisch für jeden Fahrzeugtyp den grösstmöglichen Anteil von Biodiesel beimischt. Heute stammen rund 15 Prozent des Lastwagentreibstoffs aus den Fritteusen. Auch PET-Flaschen, Karton und Gebinde werden in Oensingen zentral gesammelt und dem Recycling zugeführt.

Alles also im grünen Bereich? Nicht ganz. Die Ökobilanz der Kette zeigt: Trotz aller Bemühungen ist die Umweltbelastung innerhalb der letzten zehn Jahre massiv angestiegen: Die sogenannten Umweltbelastungspunkte schnellten im Zeitraum von 1998 bis 2007 von 30'000 Millionen auf fast 50'000 Millionen. Angestiegen ist vor allem der Stromverbrauch, der gemäss Ökobilanz fast die Hälfte der Umweltbelastung ausmacht. Dies zum Teil deshalb, weil McDonalds in der gleichen Zeit rund 40 neue Filialen eröffnet hat – aber nicht nur. Denn auch relativ betrachtet ist der Stromkonsum gestiegen. McDonalds hat berechnet, wie viel Stromverbrauch eine einzelne Kundenbestellung durchschnittlich verursacht: Im Jahr 1998 war es weniger als eine Kilowattstunde, 2003 waren es fast 1,2 Kilowattstunden – rund ein Fünftel mehr. Seither ist dieser Wert nur leicht gesunken.

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Huwyler erklärt den Anstieg des Stromverbrauchs mit dem breiteren Sortiment, das auch ein grösseres Angebot an gesünderen Menüs umfasst, sowie mit der «freundlicheren Beleuchtung» der Restaurants. Paradoxerweise benötigte die Kette weniger Energie, als sie fast nur Hamburger briet und Fritten siedete und ihre Filialen noch mit dem kalten Licht von sparsamen Neonlampen beleuchtete.

Greenpeace findet lobende Worte

Immerhin packt McDonalds Schweiz das Problem an. In Pilotversuchen in einzelnen Filialen konnte der relative Stromverbrauch um acht Prozent gesenkt werden. Mithilfe eines Stromspar-Handbuchs sollen diese Einsparungen nun in allen Restaurants erreicht werden. Huwyler: «Ich bin zuversichtlich, dass die Resultate in der nächsten Ökobilanz sichtbar werden.»

Lobende Worte findet sogar Greenpeace, der globale Gegenspieler der Imbisskette. Als positiv vermerkt man, dass McDonalds Schweiz beim «Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften» (Öbu) mitmacht. Yves Zenger, Sprecher von Greenpeace Schweiz, fügt aber an: «Bei allem Respekt für ehrenhafte Bemühungen muss man festhalten: Fleischkonsum ist eine der wichtigsten Ursachen der Klimaerwärmung» (siehe Artikel zum Thema).

Nun kann man von einer Kette von Hamburgerrestaurants wohl kaum verlangen, auf Rindfleisch zu verzichten. Immerhin bezieht sie 80 Prozent ihrer Rohwaren aus der Schweiz, darunter Getreide und Rindfleisch. Der importierte Kaffee trägt das Gütesiegel von Max Havelaar, der Fisch das Nachhaltigkeitslabel MSC.

Gute Erfahrungen mit der Fastfoodkette hat der Schweizer Tierschutz (STS) gemacht. «McDonalds Schweiz hat das Gespräch mit uns gesucht», sagt Geschäftsführer Hans-Ulrich Huber. Der STS packte die Gelegenheit beim Schopf und lancierte eine Petition für mehr Tierschutz beim Einkauf von McDonalds. Ergebnis: Die Kette zahlt nun eine Prämie von 40 Franken für Rinder, die regelmässigen Auslauf ins Freie gemäss dem RAUS-Standard erhalten. «In etwa zwei Jahren sollte praktisch das gesamte Fleisch bei McDonalds von RAUS-Rindern stammen», so Huber.

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Zwar hat McDonalds damit noch nicht alle Wünsche des STS erfüllt; auch bei Geflügelprodukten streben die Tierschützer höhere Standards an. Zunächst aber wollen sie Verbesserungen bei der Imbisskette Burger King erreichen – indem sie ihr das gute Beispiel von McDonalds vor Augen führen.