Am diesjährigen Genfer Auto-Salon wird einmal mehr kräftig die ­Werbetrommel für ökologisch verträgliche Fahrzeuge gerührt. Immerhin 65 der ausgestellten Autos erzeugen we­niger als 95 Gramm CO2 pro Kilometer. ­Dieser Wert ist eine wichtige Messlatte. Ab 2021 soll der Schweizer Neuwagenbestand im Durchschnitt nicht mehr Kohlenstoff­dioxid ausstossen. Es lohnt sich, sich zu ­fragen, welche Technik diese vorbildlichen Autos unter der Haube tragen und ob man sie sich heute schon anschaffen will.

Pendlertauglich: Elektroauto

Messestars waren sie schon lange, nun sind sie endlich auf dem Markt: Elektro­autos vom Schlage eines Nissan Leaf, BMW i3, Ford Focus Electric, Renault Zoe oder des E-Golf von VW. In der Ökoliste des Genfer Salons fallen diese Autos auf, denn ihr CO2-Ausstoss soll angeblich bei null ­liegen. Das stimmt natürlich nicht ganz. Es braucht Energie, um ein mehr als eine Tonne schweres Automobil zu bewegen. Ein BMW i3 verbraucht knapp 13 Kilowattstunden (kWh) Strom auf 100 Kilometer, der Nissan Leaf 15 kWh.

Laut Bundesamt für Umwelt ist eine Kilo­wattstunde Schweizer Steckdosenstrom mit dem Ausstoss von 122 Gramm CO2 verbunden. Ein BMW i3 verursacht ­also pro Kilometer Emissionen von knapp 16 Gramm. Damit schneidet der bayrische Ökowagen immer noch deutlich besser ab als alle Benzin-, Diesel- oder Hybridautos. Wer mit der Reichweite von gut 100 Kilometern im Alltag zurechtkommt und ­einen Schweizer Strommix aus Atom- und Wasserkraftwerken als Treibstoff «tankt», der darf bei Elektromobilen zugreifen.

Je nach Stromerzeugung ändert sich jedoch die Umweltbilanz. In seiner Münchner Heimat zum Beispiel ist der BMW i3 weniger umweltfreundlich als in der Schweiz. Wird die Batterie mit deutschem Braunkohlestrom geladen, verursacht das mit 75 Gramm pro Kilometer sehr viel mehr CO2-Emissionen. Da bleibt nur die Hoffnung, dass die Abgase eines Grosskraftwerks sorgfältiger gereinigt werden können als die eines Autos, sonst wäre der ökologische Vorteil dahin.

Renault Zoe

Typ: elektrisch

CO2 (g/km): 18 (bei einem Schweizer Strommix mit 122 Gramm CO2-Emission pro kWh)

Verbrauch/100km: 14,6 kWh

Preis: 24'200 Franken (plus Batteriemiete ab 1140 Franken pro Jahr)

Quelle: Thinkstock Kollektion
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Nissan Leaf

Typ: elektrisch

CO2 (g/km): 18 (bei einem Schweizer Strommix mit 122 Gramm CO2 Emission pro kWh)

Verbrauch/100km: 15,1 kWh

Preis: 35'690 Franken

Quelle: Thinkstock Kollektion

Trendauto: Plug-in-Hybrid

Um die «Reichweitenangst» zu bekämpfen, die einen Elektroauto-Fahrer auf einsamen Nachtfahrten plagen kann, haben die Autohersteller den Plug-in-Hybrid erfunden – den neusten Trend beim Thema Ökomobil. Diese Autos fahren 30 bis 60 ­Kilometer weit mit Strom und schalten dann auf den Verbrennungsmotor um. Das hat den Vorteil, dass sie urlaubstauglich sind und deutlich grösser und stärker sein können als reine Elektrofahrzeuge. Der ­repräsentationsfreudige Direktor greift da zum Porsche Panamera S E-Hybrid, der Trekkingfreund zum Soft-Geländewagen Mitsubishi Outlander PHEV, der Alltagsfahrer zum Opel Ampera oder zum Volvo V60 Plug-in-Hybrid. Toyota hat in dieser Kategorie den Prius-Plug-in-Hybrid im Angebot, VW bringt im Sommer den Golf GTE auf den Markt.

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Auch bei diesen Modellen sind die Emissionswerte der Auto-Salon-Liste nicht ganz korrekt: Wie bei den Elektroautos geht der mit der Stromproduktion verbundene CO2-Ausstoss vergessen.

VW Golf GTE

Typ: Plug-in-Hybrid

CO2 (g/km): 45 (bei einem Schweizer Strommix mit 122 Gramm CO2-Emission pro kWh)

Verbrauch/100km: 8,8kWh + 1,5 Liter Benzin

Preis: noch unbekannt

Quelle: Thinkstock Kollektion

Porsche Panamera S E-Hybrid

Typ: Plug-in-Hybrid

CO2 (g/km): 83 (bei einem Schweizer Strommix mit 122 Gramm CO2Emission pro kWh)

Verbrauch/100km: 9,4 kWh + 3,1 Liter Benzin

Preis: 150'500 Franken

Quelle: Thinkstock Kollektion
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Sparsam in der Stadt: Ökokleinwagen

Eine Grundregel für ökologisch korrektes Autofahren lautet, kein übergrosses und zu stark motorisiertes Vehikel zu wählen. Da trägt der Golf GTE mit 204 PS Leistung, ­einer Höchstgeschwindigkeit von 217 Kilometern pro Stunde und einem Gewicht von über 1,5 Tonnen vielleicht zu dick auf. Zum Glück gibt es auch erschwingliche Vernunftautos, die ausserdem niemals an die Steckdose müssen. Hier teilen sich zwei völlig unterschiedliche Konzepte den Spitzenplatz mit jeweils 79 Gramm CO2 pro 100 Kilometer: der VW Up Ecofuel, der mit umweltfreundlichem Erdgas betankt wird, und der Toyota Yaris, ein stadttauglicher Hybridwagen mit komfortablem Automatikgetriebe. Der Yaris tankt Benzin und spart mit der seit 15 Jahren bewährten und zuverlässigen Toyota-Hybridtechnik. Der Erdgas-VW muss mit 68 PS Leistung zurechtkommen, der Toyota bietet 100 PS, wenn Benzinmotor und Elektromotor vereint zu Werke gehen.

Sparsam unterwegs trotz konventionel­lem Antrieb ist man etwa im Peugeot 108. Der Kleinstwagen mit knapp 3,5 Metern Länge wiegt mit 840 Kilo nur halb so viel wie ein Opel Ampera. ­Deshalb reicht ein kleiner 68-PS-Benzinmotor für die Fort­bewegung. Das Ergebnis: 88 Gramm CO2 pro Kilometer – und ein grösseres Ferienbudget, weil dieses Ökoauto weit weniger als 20 000 Franken kosten wird.

Toyota Yaris Hybrid

Typ: Hybrid

CO2 (g/km): 79

Verbrauch/100km: 3,7 Liter Benzin

Preis: 23'990 Franken

Quelle: Thinkstock Kollektion
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Citroën Cactus

Typ: Diesel

CO2 (g/km): 82

Verbrauch/100km: 3,2 Liter

Preis: noch unbekannt

Quelle: Thinkstock Kollektion

Peugeot 108 1.0 e-VTI

Typ: Benzin

CO2 (g/km): 88

Verbrauch/100 km: 3,9 Liter

Preis: noch unbekannt

Quelle: Thinkstock Kollektion
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Comeback des Jahres: Leichtbauauto

In der breiten Phalanx der Ökoautos mit einem CO2-Ausstoss zwischen 80 und 95 Gramm sticht die Neuentwicklung Citroën Cactus besonders heraus: Im Juni wird er zu den Händlern kommen. Dieser voll­wertige Fünfsitzer wurde durch den Verzicht auf alles Überflüssige konsequent auf Leichtbau getrimmt. Er tritt damit in die Fussstapfen des legendären «Deux-­Chevaux», des einstmals sparsamsten und preisgünstigsten aller Autos.

Natürlich würde sich heute niemand mehr gern in eine fragile Wellblechkarosserie setzen und mit 29 PS Alpenpässe in Angriff nehmen. Der Cactus hat daher mindestens 82 PS, Airbags für Fahrer und Beifahrer und optional eine umfangreiche Multimediaausstattung. Die Konstrukteure verzichteten dafür auf eine geteilt umlegbare Rücksitzbank und installierten im Fond statt elektrisch versenkbarer Scheiben einfache Ausstellfenster. Das Gewicht des Wagens bleibt in der Grundausstattung unter einer Tonne – und der Grundpreis für den 4,16 Meter langen ­Familienwagen unter 20 000 Franken.

Der Verzicht auf unnötige Ausstattung hilft nicht nur, Geld zu sparen, sondern auch Sprit: Der CO2-Ausstoss der Benzinversion soll bei 104 Gramm pro Kilometer liegen, derjenige der 90 PS starken Diesel­ausführung, die mit 3,2 Litern Kraftstoff pro 100 Kilometer auskommt, bei 82 Gramm. Da kann man nur sagen: Chapeau!

Weitere Informationen

Eine Liste von weiteren neuen Autos mit ­geringer Umweltbelastung, die am ­Auto-Salon 2014 vorgestellt werden, finden Sie unter: http://www.salon-auto.ch

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