Unter dem Label «Ananea» bietet Kuoni jetzt auch Reisen für Umweltbewusste an – zum Beispiel nach Tschernobyl, wo man ­sich mit Strahlenopfern unterhalten kann. Ist das nicht Voyeurismus?
Wir machen keinen «Katastrophen-Tourismus». Unser Angebot fördert das Bewusstsein und vermittelt Wissen über die Probleme dieser Welt. Vor Ort arbeiten wir mit Nonprofit-Organisationen wie Green Cross zusammen. Unsere Partner können ihre Projekte vorstellen, und die Kunden erfahren aus erster Hand, wie Hilfsorganisationen ­arbeiten. Zudem fliesst ein Teil der Einnahmen in die Projekte.

Haben die Reisenden denn genug von Sonne, Sand und Meer?
Derzeit sind die Reisen unter dem Ananea-Label noch ein Nischenprodukt. Sie sprechen vor allem Leute an, die authentische Erlebnisse ­suchen. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Markt in den kommenden Jahren stetig ­entwickeln wird – so, wie das auch bei Bio- und Fairtrade-Produkten im Supermarkt der Fall ist. Aber klar: Es wird immer Leute geben, die zwei Wochen am Strand verbringen wollen.

Auch das «bewusste Reisen», wie es Kuoni anbietet, produziert viel CO2. Wie gehen Sie als Verantwortlicher für Nachhaltigkeit mit diesem Widerspruch um?
Die CO2-Kompensation ist bei den Ananea-Reisen inbegriffen. Und Reisen in ferne Länder sind nicht per se schlecht: Viele Nationen sind vom Tourismus abhängig. Würden plötzlich alle aufs Fliegen verzichten, hätte das fatale Folgen für Länder wie etwa Thailand oder Kenia. Zudem wird der Wert intakter Landschaften vielerorts erst dank zahlender Touristen erkannt.

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