Im Sammeln von Glas und Papier sind wir Schweizer Weltmeister. Beim Kork könnten wir es noch werden. Über 150 Millionen Korkzapfen werden hierzulande jährlich aus Flaschen gezogen, das ergibt 400 Tonnen. Der grösste Teil davon landet im Müll, obwohl man den Kork vielseitig weiterverwenden könnte.

Was viele Weintrinker nicht wissen: In allen Kantonen – ausser in Obwalden, Schaffhausen und der Waadt – gibt es Korksammelstellen. Schweizweit sind es bis jetzt rund 120. Viele werden von den Gemeinden betreut, teilweise nehmen aber auch Restaurants und Weinhändler Zapfen entgegen.

Verwertet wird das Sammelgut von der Firma Schlittler in Näfels GL, der letzten Korkmühle der Schweiz. Sie produziert aus ausgedienten Zapfen Korkschrot für Isolationen oder Presskorkplatten, die im Maschinenbau zum Einsatz kommen. Denn Kork dämmt nicht nur Schall und Vibrationen hervorragend, er ist auch schwer entflammbar.

Ausserdem enthält Presskork keine giftigen Bindemittel. Deshalb eignet er sich auch zur Herstellung von Bauklötzen für Kinder sowie von Tischsets und Untersetzern.

Präzisionsware aus Kork

Aber auch Präzisionsteile verlassen die nostalgisch anmutenden Fabrikhallen im Glar-nerland. Mit tonnenschweren Maschinen, die bis zu 100 Jahre alt sind, fertigt die Korkmühle etwa Sohlen für Schuhe oder hauchdünne Dichtungsplättchen für Hightech-Geräte.

Dank Nischenprodukten, deren Fertigung hohes handwerkliches Können erfordert, kann sich die Firma gegen die billigere Konkurrenz aus Portugal und Spanien behaupten. So hat Schlittler im letzten Jahr 14 Tonnen Korkzapfen verarbeitet – das sind gerade mal etwas mehr als drei Prozent der Menge, die hierzulande anfällt.

Die meisten Zapfen stammen zwar von offiziellen Sammelstellen, fast täglich treffen in Näfels aber auch Lieferungen per Post ein. «Ich staune immer wieder darüber, wie viel Geld die Leute für das Porto ausgeben», sagt Schlittler-Betriebs-leiter Walter Stucki. «Recycling liegt den Schweizern offenbar am Herzen.»

Rezyklieren lohne sich ökologisch allerdings nur, wenn die Transporte gut organisiert seien, sagt Felix Meier, Leiter Konsum und Wirtschaft beim WWF Schweiz: «Ist dies der Fall, hat rezyklierter Kork bestimmt die bessere CO2-Bilanz als importierter.» Sammelstellen benötigen Lagerraum, denn die Recycler aus Näfels holen nur Mengen über 250 Kilogramm ab. Zudem schickt Schlittler nur dann Chauffeure vorbei, wenn die gerade in der Gegend unterwegs sind. So vermeidet die Firma Leerfahrten.

Sozialer Nebeneffekt

Vor der Verarbeitung müssen die Zapfen sorgfältig sortiert werden. Das übernimmt die Genossenschaft Projunip in Glarus, die Arbeitslose fördert und beschäftigt. Diese befreien das Sammelgut von Plastik, Papier- und Metallfetzen.

Die Arbeit wird den Korkzapfen-Recyclern noch lange nicht ausgehen. Zwar kommen immer mehr Weine mit Kunststoffzapfen oder Dreh- und Glasverschlüssen auf den Markt, doch nach wie vor werden 70 Prozent der Flaschen mit Naturkorken verschlossen.Denn für viele Winzer gehört zu einer wahren Weinkultur auch ein echter Korkzapfen.

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