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Umweltbelastungen«Schmutzige Luft ist ein stiller Killer»

Während sich alle vor der neuen Grippe fürchten, sterben in Europa jedes Jahr 350'000 Menschen infolge der Luftverschmutzung. Hauptursache ist der Strassenverkehr.

Die Luft in den Ballungsräumen Europas ist in den vergangenen Jahren zwar deutlich besser geworden, dennoch haben Hochrechnungen von Experten ergeben, dass die Luftverschmutzung jährlich immer noch 350'000 Todesopfer fordert. Hauptverursacher ist der Strassenverkehr. Europäische Experten treffen sich derzeit in Wien zur Planungssitzung des Städteprojekts APHEKOM (Improving Knowledge and Communication for Decision Making on Air Pollution and Health in Europe).

«Schmutzige Luft ist als stiller Killer gefährlicher als die Grippe», meint Sylvia Medina vom French Institute for Public Health Surveillance in St. Maurice. Das grosse Problem der Luftverschmutzung sei die Tatsache, dass die Menschen tagtäglich und ein Leben lang damit konfrontiert sind. «Es ist sehr schwierig, die Risiken zu kommunizieren», meint Hanns Moshammer vom Institut für Umwelthygiene der Universität Wien. Es gehe nicht darum, Panik zu erzeugen, sondern aufzuklären. «Schliesslich ist Luftverschmutzung eine kombinierte Einwirkung auf Lebenszeit.»

«Derzeit beruhen unsere meisten Abschätzungen der Schäden auf Messwerten zur Luftqualität aus den Routinemessnetzen. Diese erfassen allerdings nur einen Teil der gesundheitlich relevanten Schadstoffe und erlauben keine quellenspezifische Zuordnung der Belastung», erklärt Moshammer. Es sei sehr wichtig aufzuzeigen, dass politische Massnahmen gewirkt und nicht nur die Luft verbessert haben, sondern auch zu einer Abnahme von Krankheiten und Todesfällen geführt haben. Ein Beispiel sei die Massnahme eines Kohleverbrennungsverbots in Irland als quellenspezifische Bekämpfung. «Eines ist jedenfalls klar: Die Verbrennung gehört nicht vor die Nase der Menschen», meint Nino Künzli, Ordinarius für Sozial- und Präventivmedizin an der Universität Basel.

Förderung der Dieselmotoren war Nonsens

Als Faustregel könne man sagen: Je kleiner die Distanz zu Strassen, desto grösser ist das Risiko krank zu werden. «Nahe an der Quelle steigen die Konzentrationen an Feinstäuben rasch auf das Fünf- bis Zehnfache an», so Künzli. Besonders gefährlich sind auch die Strassenschluchten in europäischen Städten. Einer Studie von Rob McConnell zufolge nimmt das Asthmarisiko bei Kindern, die an der Autobahn wohnen, mit der Entfernung zur Schadstoffquelle ab. «Erst vor wenigen Tagen ging in Portland/Oregon die jährliche Konferenz des Health Effects Institute zu Ende, bei der wieder neue Studien von Experten vorgestellt wurden», so Künzli. Jeden Monat gebe es neue Studienergebnisse, die alle in die gleiche Richtung weisen.

«Es besteht weiterhin grosser Forschungsbedarf», meint Moshammer. Luftreinhaltung berühre viele widerstreitende Interessen. Zur Umsetzung politischer Massnahmen sei daher ein breiter politischer und gesellschaftlicher Konsens notwendig.

Eines sei allerdings klar: Die Förderung der Dieselmotoren war politischer Nonsens, so Künzli. Es sei unbestritten, dass die Feinststäube massive Gesundheitsschäden verursachen. «Man weiss, dass Ultrafeinstaub oxidative Wirkung hat und toxisch wirkt.» Zu diesen Stäuben kommen andere Schadstoffe hinzu, die ein gefährliches Gemisch ergeben. Mit dem APHECOM-Projekt sollen fehlende Informationen zu Risikopotential und Wirkmechanismen der Schadstoffbelastung sowie Berechnungsansätze zum Nutzen von Reinhaltemassnahmen ermittelt werden. (pte/07.05.2009)

Veröffentlicht am 07. Mai 2009