Wer im Internet unterwegs ist, ist fein raus. Statt mit dem Auto die Umgebung nach Schnäppchen abzuklappern, finden Internauten diese über Preisvergleichsdienste im Netz. Sie jetten nicht ans Meer, sondern träumen sich mit Google Earth an den Strand. Für ein Schwätzchen fahren sie nicht in die Stadt, sondern loggen sich ein in die Onlinewelt «Second Life». Und das alles klimaneutral.

Klimaneutral? Von wegen. Die virtuelle Welt ist vielmehr ein sehr realer Klimakiller. Eine einzige Suchanfrage bei Google verbraucht so viel Strom wie eine Elf-Watt-Energiesparlampe in einer Stunde, meldete jüngst die «New York Times». Jede Ebay-Versteigerung setzt fast 20 Gramm CO2 frei, sagt das Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. Und laut Schätzungen des US-Fachautors Nicho­las Carr hat eine virtuelle «Second Life»-Identität im Schnitt dieselbe Ökobilanz wie ein Bewohner eines Schwellenlands.

Verbraucht wird diese Energie von den Millionen von Servern, die Webseiten, Mailkonten, Datenbanken, Chats, Suchmaschinen und die Verbindungen zur Verfügung stellen. Allein die Computerhalle, die Google derzeit im US-Staat Oregon mitten in die Prärie baut, wird im Betrieb so viel Strom brauchen wie 80'000 Haushalte. Weltweit will der Suchdienst über 100 solcher Rechenzentren einrichten.

In fünf Jahren Strombedarf verdoppelt
Der Energiehunger dieser Serverparks ist wegen der rasanten Entwicklung des Internets kaum zu stillen. Laut der deutschen Unternehmensberatung Gartner hat das Internet seinen Strombedarf in den letzten fünf Jahren verdoppelt und verursacht heute so viel Kohlendioxid wie die Luftfahrt­industrie. Geht es so weiter, verschlingen PC, Internet und Co. in 20 Jahren so viel Strom wie heute die ganze Welt.

Die IT-Industrie hat gemerkt, dass sie mit der Völlerei beim Stromverbrauch am Ast sägt, auf dem sie sitzt. «Green IT» ist das Thema der Stunde, und allseits wird versprochen, umweltfreundlichere Produkte zu fördern. Die Initiative «Climate Savers Computing» zum Beispiel, der alle Grossen der Branche und der WWF angehören, will den Stromverbrauch von Computertechnik bis 2010 halbieren.

Erreicht werden soll dies vor allem durch eine Senkung des Energieverbrauchs bei der Produktion der Geräte - die sogenannte graue Energie -, der den Strombedarf für den Betrieb klar übersteigt. Doch auch Letzterer soll reduziert werden durch sparsamere PC-Komponenten, aber auch effizientere Bereitschaftsmodi und Stromsparfunktionen. Auf ein gemeinsames, aussagekräftiges Label wie die Energieetiketten bei Haushaltgeräten konnte sich die Branche aber noch nicht einigen.

Dabei hätten die Anwender zu Hause und in den Büros solche Unterstützung dringend nötig. Denn genauso gedankenlos, wie die Geräte konstruiert und produziert werden, benutzen wir Konsumenten sie.

Laut einer Umfrage des Medien- und Sozialforschungsinstituts TNS Emnid stellen nur 19 Prozent der Benutzer die schon in aktuellen PCs vorhandenen Energiesparfunktionen optimal ein. Während sieben von zehn Betriebsstunden zeichnet der PC deshalb Röhrensysteme auf den Monitor, statt in den stromsparenden Ruhezustand zu wechseln. Pro Stunde werden so bis zu 350 Watt Strom verbraten. Würden zudem unbenutzte Drucker, Scanner, Festplatten et cetera ausgeschaltet, statt stunden- und tagelang im Stand-by-Modus zu surren, könnte der Energieverbrauch insgesamt um bis zu 90 Prozent gesenkt werden.

Das würde nicht nur die Umwelt entlasten, sondern auch das Portemonnaie der PC-Benutzer: Sie könnten bei der jährlichen Stromrechnung 100 und mehr Franken sparen.

Energie sparen am Computer

Mit einfachen Massnahmen kann der Stromverbrauch von PC, Drucker und Co. um bis zu 90 Prozent gesenkt werden:

  • Drucker, Scanner, Computer, TV et cetera nach Gebrauch ganz ausschalten. Der Stand-by-Modus ist ein sinnloser Energiefresser.

  • Mit ausschaltbaren Steckerleisten Gerätegruppen (PC/Bildschirm/Drucker, TV/Recorder/Receiver et cetera) bilden, die bei Nichtgebrauch mit einem Schalter ausgeknipst werden.

  • Netzteile und Ladegeräte nach Gebrauch aus der Steckdose nehmen. Sie verbrauchen auch Strom, wenn sie nichts mit Strom versorgen.

  • Computer über die Systemeinstellungen «Strom sparen» so konfigurieren, dass er nach wenigen Minuten ohne Eingabe die Bildschirmhelligkeit reduziert und sich nach 15 Minuten in den Ruhezustand versetzt.
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