Zwei Schnellabschaltungen innerhalb von neun Tagen musste die Axpo als Betreiberin des AKWs Beznau dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) melden. In zwei Medienmitteilungen vermeldete darauf das Ensi, «bei der Regelung des Speisewassers im nicht nuklearen Teil von Block 2» sei eine Störung aufgetreten: «Diese führte in den Dampferzeugern zu einem niedrigeren Wasserstand, wodurch eine automatische Schnellabschaltung des Reaktors ausgelöst wurde.»

Wer in der Geschichte der Schnellabschaltungen in Beznau bloss etwas mehr als zwei Jahre zurückblättert, stösst auf ein praktisch identisches Ereignis: Am 10. August 2007 war beim Herunterfahren des Reaktorblocks 2 in Beznau eine Schnellabschaltung ausgelöst worden, «weil der Wasserfüllstand auf der Sekundärseite eines Dampferzeugers zu hoch anstieg», wie die Aufsichtsbehörde damals in ihrem Jahresbericht meldete.

Frage deshalb an Ensi-Mediensprecher Anton Treier: Handelt es sich um eine Störung am gleichen Teil der Anlage? Treiers Antwort: «Bei der Reaktorschnellabschaltung vom 10. August 2007 und bei jener vom 26. Oktober 2009 waren unterschiedliche Anlageteile betroffen.»

«Offensichtlich ein ernsthaftes Problem»

Bei der Frage, was dem «gleichen Teil der Anlage» zuzurechnen ist und was nicht, gibt es aber offensichtlich einen Interpretationsspielraum. Auf Nachfrage erklärt Treier per Mail: «Beim Vorkommnis im KKB von 2007 war der Dampferzeuger A betroffen, im Herbst 2009 ist es bei beiden Vorkommnissen der Dampferzeuger B.» Da die beiden Dampferzeuger aber immer gleichzeitig laufen, führt ein Ausfall auch nur eines Dampferzeugers zu einer automatischen Schnellabschaltung. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob ein «Hauptspeisewasser-Regelventil» (wie bei den aktuellen Vorfällen) oder ein «Schwachlast-Regelventil» (wie im August 2007) nicht funktioniert: «Beide Ventile sind Teil der gleichen Regelstation. Da hat man offensichtlich ein ernsthaftes Problem bei der Wassereinspeisung und versucht dies durch Haarspalterei zu vertuschen», sagt dazu Jürg Joss von der AKW-kritischen Bewegung Fokus Antiatom.

Die beiden Schnellabschaltungen kommen für die Beznau-Betreiberin Axpo zur Unzeit. Am kommenden Wochenende feiert man im ältesten AKW der Schweiz das 40-jährige Bestehen von Beznau 1. Just zum Jubiläum forderten acht AKW-kritische Organisationen wie Fokus Antiatom oder «Nie wieder Atomkraftwerke» Aargau und Solothurn die Stilllegung des Werks. Ein Axpo-Sprecher liess sich darauf in der «Aargauer Zeitung» mit den Worten zitieren, die Beznau-Technik sei «mit den neusten Anlagen vergleichbar.»