Am Samstagmorgen um drei Uhr war es endlich soweit: Der japanische Umweltminister Ryu Matsumoto erklärte die internationale Biodiversitätskonferenz von Nagoya für beendet. Bis zur letzten Sekunde hatten die 193 anwesenden Länder um einen Kompromiss gefeilscht. Rund anderthalb Stunden vor Schluss des Gipfels war dann klar: Die Konferenz ist nicht gescheitert, und die Resultate können sich – zumindest auf dem Papier – sehen lassen. Zum einen verabschiedeten die Länder das Nagoya-Protokoll zur Verhinderung der Biopiraterie, zum anderen einen neuen Strategieplan gegen den Verlust der biologischen Vielfalt.

Das sogenannte ABS-Protokoll gegen die Biopiraterie (ABS bedeutet «Access and Benefit Sharing») schreibt nun vor, dass pflanzliche oder tierische Stoffe nicht mehr kostenlos genutzt werden können, ohne den Ursprungsländern Lizenzgebühren zu bezahlen. Das Protokoll sichert damit den Ländern, die eine reiche Artenvielfalt besitzen, einen Ausgleich der Vorteile zu, die aus der Verwendung der Ressourcen entstehen. Laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) ist dies für den Naturschutz von zentraler Bedeutung, weil es die Länder mit einem grossen Reichtum an Biodiversität anspornt, diese zu erhalten.

MEHR NATURSCHUTZGEBIETE

Im Rahmen des globalen Strategieplans gegen den Verlust der Biodiversität konnten sich die Länder zudem auf 19 weitere Ziele einigen, die bis ins Jahr 2020 erreicht werden müssen. So erklärten sie sich bereit, die Naturschutzgebiete an Land auf 17 Prozent der gesamten Fläche zu erhöhen. Von den Ozeanen sollen immerhin 10 Prozent unter Schutz gestellt werden – das entspricht einer Erhöhung um das Zehnfache. Daneben wollen die Staaten umweltfeindliche Subventionen abbauen, die Überfischung eindämmen und dem Artensterben einen Riegel schieben.

Obwohl die Ziele im Lauf der Verhandlungen abgeschwächt wurden, geben sich nun auch die Umweltverbände zufrieden. Sie hatten drei Tage vor Abschluss der Konferenz noch von einem Scheitern der Gespräche gewarnt. Nun äussern sie sich verhalten optimistisch – auch wenn sie ihre Ziele nicht ganz erreicht haben. Eigentlich hätten sie sich gewünscht, dass 25 Prozent der Landes- und 20 Prozent der Meeresoberfläche unter Schutz gestellt werden. 

Wie die Umsetzung des Strategieplans finanziert werden soll, steht indessen noch in den Sternen – und genau dies ist der Schwachpunkt der Einigung von Nagoya. Erst auf der nächsten Konferenz im Jahr 2012 in Indien soll der Finanzplan beschlossen werden. Und ob dann auch wirklich genügend Geld gesprochen wird, damit die hehren Ziele umgesetzt werden können, ist alles andere als klar.

Zudem vereinbarten die Staaten kaum Sanktionen, sollte sich eine Nation nicht an die Vereinbarungen halten. Wozu das führen kann, sahen wir bereits dieses Jahr: Kaum ein Land hielt die Zielvereinbarungen ein, die vor zehn Jahren beschlossen wurden. Schon damals hatten sich die Länder darauf geeinigt, den Verlust der Biodiversität bis 2010 zu stoppen.