Ein Lebensraum, eine Tier- oder eine Pflanzenart kann in einem bestimmten Land häufig vorkommen und dennoch europaweit als selten oder gefährdet gelten. Aus diesem Grund hat der Europarat im Rahmen der Berner Konvention das Smaragd-Netzwerk initiiert. Die darin erfassten Lebensräume und Arten gelten europaweit als schützens- und erhaltenswert. Jeder Staat ist aufgefordert, seine für die Biodiversität wichtigen Gebiete anzumelden und geeignete Massnahmen zu deren Erhaltung zu treffen.

In der Schweiz wurden im Rahmen einer ersten Studie über die Arten- und Lebensraumvielfalt rund 100 Gebiete identifiziert, die als «Hotspots» der Biodiversität die Kriterien des Smaragd-Netzwerks erfüllen. Am 22. Oktober hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) dem Ständigen Ausschuss des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) 37 Gebiete für die Aufnahme in das Netzwerk vorgeschlagen.

Alle Vorschläge wurden von den jeweils betroffenen Kantonen gutgeheissen. Die angemeldeten Standorte befinden sich grösstenteils in Gegenden mit zahlreichen Schutzgebieten und umfassen in der Regel mehrere empfindliche Lebensräume, die eine Vielzahl spezifischer Arten beherbergen. Falls diese Vorschläge von der Berner Konvention genehmigt werden, können die bereits ergriffenen Schutz- und Erhaltungsmassnahmen innerhalb dieser Gebiete künftig besser koordiniert werden. Die Kantone können weitere Gebiete vorschlagen. (BAFU)

Ausgehend von den hierzulande vorkommenden prioritären Arten des Smaragd-Netzwerks - darunter die Libellenart Grosse Moosjungfer und der Italienische Springfrosch - und ihren Lebensräumen wurden 28 Gebiete in der ganzen Schweiz ausgewählt. Diese Standorte befinden sich mehrheitlich in tiefen und mittleren Lagen.

Um jedoch der Besonderheit der Schweiz als Alpenland Rechnung zu tragen, wurden auch 8 höher gelegene Gebiete berücksichtigt. Diese beherbergen Arten, die zwar nicht zwangsläufig gefährdet sind, für die die Schweiz aber eine besondere Verantwortung trägt, so zum Beispiel die Nidwaldner Haarschnecke, die nur in der Zentralschweiz vorkommt, und das im Bündnerland anzutreffende Engadin-Felsenblümchen, eine der beiden einzigen endemischen Gefässpflanzenarten der Schweiz.

Ein weiterer Standort, das Smaragd-Gebiet Oberaargau, wurde auf Antrag der betreffenden Region und mit Unterstützung von 21 Gemeinden in 4 Kantonen vergrössert und ebenfalls in die Liste aufgenommen.

Anzeige