Ehrgeizig waren die von den Regierungen 2002 beschlossenen Umweltziele. Demnach sollte der Artenverlust sowie der Schwund der Ökosysteme bis 2010 weltweit gestoppt werden. Das World Conservation Monitoring Centre des UNO-Umweltprogramms UNEP hat nun mitgeteilt, dass das Ziel nicht erreicht wird.

«Unsere Analysen haben gezeigt, dass Regierungen ihre Vorgaben, die sie 2002 beschlossen haben, nicht eingehalten haben», so UNEP-WCMC-Forschungsleiter Stuart Butchart. «Der Verlust der Artenvielfalt geht immer noch gleich schnell weiter wie zuvor. Der Druck auf Tiere, Pflanzen, Habitate und Ökosysteme hat nicht nachgelassen», erklärt der Experte. «Seit 1970 haben wir die Welttierpopulation um 30 Prozent, die Fläche der Mangroven und Seegraswiesen um 20 Prozent und die Fläche der Korallenriffe um 40 Prozent reduziert», so Joseph Alamo, wissenschaftlicher Leiter der UNEP.

Die Studie kombiniert mehr als 30 Indikatoren dafür, wie Spezies und Ökosysteme sich verändern. Betroffen davon sind Pflanzen und Tiere am Land und im Meer. Nur ein Prozent der weltweiten Meeresflächen stehen unter Schutz. Zwölf Prozent der Landfläche sind als Naturschutzgebiete oder Nationalparks ausgewiesen - werden allerdings nicht überall gleich gut gemanagt. Neben der Vernichtung von Lebensraum sorgen die Klimaänderung und die Einfuhr invasiver Arten für weitere Probleme. «Die Diskrepanz zwischen dem Druck auf die Umwelt und den politischen Antworten darauf wird immer grösser», so Butchart.

Entschuldigungen gebe es längst keine mehr, meint Jean-Christophe Vie, Chef des Species Programme der Internationalen Naturschutzunion IUCN: «Die Rolle der Regierungen ist von höchstem Rang, aber das Ausmass der Verluste macht deutlich, dass jeder - von der Einzelperson bis hin zu Betrieben - etwas gegen das Artensterben unternehmen muss. Jeder muss das Leben auf der Erde schützen, ehe wir eine Zerreissgrenze erreichen.»

Regierungen werden aller Wahrscheinlichkeit nach das Scheitern der Bestrebungen zum Thema machen und beim Gipfeltreffen der UNO-Konvention über die biologische Vielfalt, die im Oktober im japanischen Nagoya stattfindet, neue Ziele definieren. «Die politischen Mächte sind der Weltwirtschaftskrise frontal begegnet. Wir brauchen genau den gleichen Level an Investitionen und Zugeständnissen für die Umwelt», so Simon Stuart, Chef der IUCN-Species Survival Commission. (pte)

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