Bastien Girod, Jahrgang 1980, Dr. sc., dipl. Umweltnaturwissenschafter, Nationalrat der Grünen, ehemaliger Greenpeace-Aktivist und Autor des Buches «Green Change. Strategien zur Glücksmaximierung» (siehe nachfolgender Buchtipp).

Girod wurde in Genf geboren, wuchs in Biel auf – was seinen Akzent erklärt – und lebt seit 2001 in Zürich. Seit 2007 sitzt Girod, der zum Gründungsteam der Jungen Grünen gehört, für die Grünen des Kantons Zürich im Nationalrat. Einer breiten Öffentlichkeit wurde der Jungpolitiker 2008 durch die Lancierung der Offroader-Initiative bekannt.

Seit dem Abschluss seiner Dissertation forscht der Umweltwissenschaftler am Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich über die Umweltauswirkungen des Konsums, den Einfluss neuer Technologien auf das Konsumverhalten sowie mögliche Klimaszenarien und deren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft.

BeobachterNatur: Herr Girod, Ihr neues Buch «Green Change» trägt den Untertitel «Strategien zur Glücksmaximierung». Was hat das Streben nach Glück mit Umweltschutz zu tun?
Bastien Girod: Im Zentrum des Umweltschutzes steht der Mensch, das Wohlbefinden des Menschen, und dieses wiederum hängt direkt mit Zufriedenheit und Glück zusammen – Faktoren, die sich messen lassen.

BeobachterNatur: Ist es nicht egoistisch, sich ums eigene Glück zu kümmern, wenn weltweit täglich hundert Tierarten aussterben und pro Minute fünf Fussballfelder Regenwald abgeholzt werden?
Girod: Beim Umweltschutz steht der Mensch im Zentrum, beim Naturschutz die Natur. Ich bin eher der Umweltschützer. Die Natur, die Erhaltung der Biodiversität, ist für das Wohlbefinden des Menschen auch sehr wichtig. Menschen sind bereit, für Wale zu spenden, obwohl sie selber nie einen Wal zu Gesicht bekommen werden. Allein das Wissen, dass diese Art überlebt, gibt ihnen ein gutes Gefühl. Glück hat wenig mit Konsum zu tun, das Materielle wird überschätzt.

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BeobachterNatur: Sie sind privilegiert aufgewachsen. Mit diesem Hintergrund können Sie es sich leisten, über Glück zu philosophieren.
Girod: Ich bin insofern privilegiert, als ich eine glückliche, behütete Kindheit hatte und das Studium nicht alleine finanzieren musste. Aber ich habe während des Studiums auch gearbeitet, als Assistent an der ETH.

BeobachterNatur: Menschen, denen nicht alles in die Wiege gelegt wurde, träumen von einem schönen Auto, luxuriösen Ferien im Ausland, einem Haus im Grünen. Wollen Sie ihnen das verbieten?
Girod: Ich will niemandem etwas wegnehmen. Verlust ist nicht gut fürs Wohlbefinden, wie die Glücksforschung zeigt. Es geht darum, die Tretmühlen und Nullsummenspiele im Alltag zu erkennen. Die Freude am neuen Auto zum Beispiel wird stark überschätzt, andere Werten wie Arbeit, Familie, soziale Netzwerke, Selbständigkeit und Autonomie hingegen unterschätzt. Auch nach dem Green Change müssen nicht alle die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, darf man noch Auto fahren. Grüne Autos wären technisch heute schon möglich. Man muss sie einfach bauen und auf den Markt bringen.

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BeobachterNatur: Sie als Initiant der Offroader-Initiative und Reizfigur der Motorsportliebhaber sind also nicht kategorisch gegen Autos?
Girod: Überhaupt nicht. Die Ökobilanz kann auch zugunsten klimafreundlicher Autos kippen, etwa in dünn besiedelten Regionen, in denen der ÖV zu wenig effizient ist. Das Hauptproblem ist nicht das Auto, sondern die Autoindustrie, die sich hartnäckig dagegen wehrt, umweltfreundlichere Autos zu bauen, weil die Margen hier etwas tiefer sind.

BeobachterNatur: In Ihrem Buch setzen Sie auf Glücksmaximierung. Weil sich damit mehr Wählerstimmen gewinnen lassen als mit Verboten und Botschaften wie «ihr müsst euren Konsum einschränken»?
Girod: Wir wollen ja keine bevormundenden Verbote. Es geht uns um den Schutz der Schwächeren und das Prinzip der Freiheit. Sie hört dort auf, wo sie die Freiheit des anderen einschränkt. Und auch die Freiheit leistet einen Beitrag zum Wohlbefinden.

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BeobachterNatur: Die Schweizer sind im internationalen Vergleich bereits ziemlich glücklich. Müssen wir denn noch glücklicher werden?
Girod: Hier und jetzt sieht unsere Bilanz gut aus, aber wenn wir schauen, welche Herausforderungen noch auf uns zu kommen, sieht es schon weniger günstig aus. Wenn es möglich ist – und das ist die Kernbotschaft des Green Change – , die Bilanz noch zu verbessern, ohne unser Wohlbefinden zu reduzieren, ist es eine Unterlassung, wenn wir dies nicht tun.

Der andere Punkt ist der, dass die Schweiz zwar vieles gut macht – Stichwort Demokratie und Selbständigkeit –, dass es aber noch Verbesserungspotential gäbe. Vielen Menschen in unserem Land macht die Individualisierung, der Konkurrenzdruck zu schaffen. Das zeigt sich in der Zunahme der psychischen Erkrankungen und der steigenden Medikamentenabhängigkeit.

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BeobachterNatur: Vieles in Ihrem Buch kommt einem bekannt vor, etwa die Erkenntnisse der Glücksforschung oder das Konzept der abfallfreien Gesellschaft. Haben Sie einfach schon Bekanntes rezykliert?
Girod: Natürlich berufe ich mich auf bestehende Literatur, ich erfinde das Rad ja nicht neu. Aber mein Buch beinhaltet auch wesentliche neue Beiträge. Es zeigt Zusammenhänge auf zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten wie der Glücksforschung, der Spieltheorie und der Umweltforschung und leitet daraus politische Schlussfolgerungen ab.

BeobachterNatur: Sie schlagen vor, «Glück» als Schulfach einzuführen. Von Bildungspolitikern und Lehrern wurde Ihr Vorschlag alles andere als begeistert aufgenommen.
Girod: Wenn ein Nicht-Bildungspolitiker einen neuen Vorschlag zur Schulbildung macht, bekommt er erst einmal eins aufs Dach. Andere Länder haben aber genau mit einem solchen Fach sehr positive Erfahrungen gemacht. Man könnte «Glück» auch in bestehende Lebenskunde-Fächer integrieren.

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BeobachterNatur: In Ihrem Buch fehlt die globale Perspektive. Sie gehen von der Ersten Welt aus, die Probleme der Entwicklungs- und Schwellenländer klammern Sie aus.
Girod: Mein Buch fokussiert auf den Handlungsbedarf für die Schweiz und andere Industrieländer, das stimmt. Aber das Konzept des Wohlbefindens lässt sich auf jedes Land anwenden. Nur die Schlussfolgerungen sind jeweils andere. Wenn ich mein Buch in Kolumbien geschrieben hätte, hätte ich die Korruptionsbekämpfung an die erste Stelle gesetzt.

BeobachterNatur: Als Greenpeace-Aktivist nahmen Sie an mehr oder weniger legalen Aktionen teil, liessen sich vor dem Hauptsitz des US-Erdölmultis Esso anketten. Im Vergleich dazu kommen einem Ihre heutigen Aktionen geradezu harmlos vor. Sind Sie zahm geworden?
Girod: Ich bin im Verlauf der Jahre bestimmt zahmer und vernünftiger geworden (lacht). Was soll daran schlecht sein? Es kommt auf die Rolle an, die man in der Gesellschaft spielt. Anfang zwanzig kann man sich noch mehr leisten als mit Ende zwanzig.

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BeobachterNatur: Braucht es in Ihren Augen eine grüne Revolution oder fahren Sie lieber einen Schmusekurs wie andere grüne Politiker – aus Angst vor den Reaktionen der Wählerinnen und Wähler?
Girod: Eine Revolution, ein Umsturz, ist in einem demokratischen System gar nicht möglich, da geht es nur mit Hilfe von Reformen und Initiativen. Es braucht bei uns auch gar keine Revolution, ein Kurswechsel ist vielmehr eine Frage des politischen Willens. Ein politischer Kurswechsel genügt, die notwendigen Technologien sind da. Was fehlt, sind die Rahmenbedingungen, die verhindern, dass wir auf Kosten des Wohlbefindens anderer wirtschaften.

BeobachterNatur: Aber auch jeder einzelne Konsument, der ökologisch und fair produzierte Produkte kauft und möglichst wenig Ressourcen verschwendet, trägt doch zu einer besseren Welt bei…
Girod: Eine freiwillige Verhaltensänderung ist schön und gut. Für die notwendige grosse Veränderung braucht es aber umweltbewusste Bürger und Bürgerinnen, die sich für eine Veränderung der Rahmenbedingungen einsetzen. Die Politik muss es dem Konsumenten leicht machen, sich im täglichen Leben umweltfreundlich zu verhalten. Das ist der Fall, wenn der Preis eines Produkts Sozial- und Umweltkosten, die bei der Produktion entstehen, einschliesst.

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BeobachterNatur: Nach Climategate ist die Zahl der Menschen, die eine vom Menschen verursachte Klimaerwärmung anzweifeln, gestiegen. Was halten Sie den Klimaskeptikern entgegen?
Girod: Solange die Auswirkungen der Erwärmung noch nicht konkret spürbar sind, wird es immer Skeptiker geben. Die bekanntesten Klimagegner bestreiten die Klimaerwärmung gar nicht, sondern bezweifeln, dass die Auswirkungen so schlimm sein werden, wie es manche Szenarien skizzieren. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe nur gerade zehn Prozent beträgt, sollten wir kein Risiko eingehen.

BeobachterNatur: Es gibt auch Beispiele von Umweltkrisen, die man erfolgreich gemanagt hat, Stichwort Ozonloch.
Girod: Auch im Bereich der Umweltgifte gibt es Fortschritte. Doch die Herausforderungen werden immer grösser. Je mächtiger der Mensch, desto grösser auch die Gefahr, dass er seine Lebensgrundlagen zerstört.

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BeobachterNatur: Was müssten wir gegen die drohende Klimaerwärmung als Erstes unternehmen?
Girod: Uns in Bezug auf den C02-Ausstoss ein Ziel setzen und die wirtschaftlichsten Massnahmen umsetzen. Der französische Schriftsteller Saint-Exupéry sagte, man solle den Menschen vom Meer erzählen, statt ihnen das Werkzeug zum Bau eines Schiffs in die Hand drücken. Anders gesagt: Das Formulieren des Ziels ist das Wichtigste – der Weg dorthin ergibt sich dann von selbst.

BeobachterNatur: Ihr Papier zur Zuwanderung sorgte letzten Herbst für Aufsehen. Der Bevölkerungszuwachs erhöhe den Druck auf die Erholungsräume, sagten Sie. Die Reaktionen darauf waren harsch, man stellte Sie in die rechte Ecke. Stehen Sie noch zu Ihrer Forderung?
Girod: Viele, die sich dazu äusserten, hatten das Papier gar nicht gelesen, einiges wurde absichtlich falsch verstanden. Ich wusste, dass das Thema heikel ist, aber hat sich geradezu als Tabu herausgestellt. Die Diskussion darüber finde ich gerade deswegen wichtig.

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Wir müssen uns mit allen Veränderungen beschäftigen, die für unser Wohlbefinden relevant sind. Migration und die zunehmende Bevölkerungsdichte beschäftigen die Menschen, und sie haben ein Anrecht darauf, Antworten zu bekommen, auch von linken und grünen Politikern. Sonst überlassen wir der SVP die Definitionsmacht über die tatsächlichen Auswirkungen, deren Ursachen und Zusammenhänge.

BeobachterNatur: Sie schrecken offenbar vor Tabubrüchen nicht zurück. Sind Sie denn gerne der Buhmann, auch innerhalb der eigenen Partei?
Buhmann sein ist nicht nicht angenehm, muss aber manchmal sein. Ein Problem habe ich dann, wenn keine ernsthafte Debatte entsteht. Wenn wie im Fall dieses Papiers statt über den Inhalt darüber geredet wird, ob mein Vorgehen richtig war oder ob ich damit vorgeprescht bin. Das nächste Mal werde ich deshalb anders vorgehen.

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BeobachterNatur: Spätestens seit Ihrem Auftritt mit nacktem Oberkörper– es ging um Leibesvisitationen auf dem Polizeiposten – gelten Sie als neuer Politstar. Steckt da Kalkül dahinter oder sind Sie ein Naturtalent?
Girod: Die Aktion bei der Uraniawache ergab sich, weil wir von der damaligen Polizeipräsidentin nicht ernst genommen wurden. Es war eine spontane Aktion während des Nationalratswahlkampfs 2007, für die ich auch Kritik einstecken musste. Es ist ja nicht so, dass immer alle zufrieden sind mit mir.

BeobachterNatur: Als junger, urbaner Typ mit Sixpack entsprechen sie nicht gerade dem landläufigen Bild eines grünen Politikers.
Girod: Das ist ein überzeichnetes, klischiertes Bild. Bei den Grünen gibt es das ganze Spektrum an Persönlichkeiten und viele, die diesem überholten Bild nicht entsprechen.

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BeobachterNatur: Grün kann also auch sexy sein?
Girod: Sicher. Wobei ich mich damit selber nicht als sexy bezeichnen möchte. Grün ist aber etwas Gesundes, das auch gut aussehen kann – wie Melanie Winiger, die Öko-Mode vorführt.

BeobachterNatur: So, wie Sie sich manchmal in Szene setzen, könnte man meinen, es ginge Ihnen nicht um die Sache sondern darum, sich als Person zu profilieren.
Girod: Diesen Vorwurf müssen sich Politiker immer wieder gefallen lassen. Ein Stück weit ist er auch berechtigt. In der Politik geht es um Personen, es werden Köpfe gewählt, und schlussendlich berichten auch viele Medien lieber über Personen als über Inhalte. Ich nehme mich wenn immer möglich zurück und stelle das Team in den Vordergrund, wie im ersten Teil meines Buches.

BeobachterNatur: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Sie zur Selbstüberschätzung tendieren…
Girod: Ich habe eine gewisse Bereitschaft zum Risiko, das gebe ich zu. Aber ich habe auch keine Mühe damit, einmal eins aufs Dach zu kriegen, nach der Devise «lieber etwas riskieren als nichts bewegen».

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BeobachterNatur: Ihr grüner Nationalrats-Kollege Daniel Vischer warf Ihnen im Zusammenhang mit Ihrem Buch einen «bewundernswerten Narzissmus» vor.
Girod: Narzissmus ist meiner Meinung nach nichts Bewundernswertes. Ich verfüge zwar über eine grössere Portion Selbstbewusstsein. Egoismus oder Rücksichtslosigkeit kann man mir jedoch nicht vorwerfen. Ich gehe auf mein Umfeld ein, und ich muss auch nicht ständig nur von mir erzählen. Ausser ich gebe ein Interview und werde danach gefragt.

BeobachterNatur: In Ihrem Buch erwähnen Sie Mahatma Gandhi und die Vorteile des gewaltlosen Widerstands. Haben Sie noch andere Vorbilder?
Girod: Ich bewundere gewisse Eigenschaften anderer Politiker. Derzeit verfolge ich den Wahlkampf in Kolumbien, das möglicherweise bald seinen ersten grünen Präsidenten erhält. Auch Obamas Wahlkampf habe ich intensiv verfolgt. So reden zu können wie er – das wäre stark.

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BeobachterNatur: Was tragen Sie persönlich zu einer besseren Welt bei?
Girod: Mein grösster Beitrag ist mein politisches Engagement. Natürlich verhalte ich mich auch als Konsument so umweltbewusst wie möglich. Wichtiger ist jedoch das Politische. Es ist eine Illusion zu glauben, dass wir den Wandel mit freiwilligem Verzicht schaffen.

BeobachterNatur: Bringt denn der Verzicht auf Auto, Flugzeug und Fleisch in Ihren Augen nichts?
Girod: Natürlich bringt das auch etwas. Ich fahre ja auch konsequent Velo oder ÖV, wohne in einer Minergie-Siedlung und bin vor zehn Jahren zum letzten Mal geflogen. Es ist aber eine Illusion zu glauben, dass wir damit den notwendigen Wandel erreichen.

BeobachterNatur: Mit knapp 30 haben Sie schon so viel erreicht wie andere in ihrem ganzen Leben nicht. Haben Sie noch Ziele? Wollen Sie der erste grüne Bundesrat werden?
Girod: Ich bin eigentlich ganz zufrieden als Nationalrat und würde gerne noch eine Legislatur anhängen. Ich möchte mich in die Nachhaltigkeitsdebatte weiter vertiefen; dort ist man noch lange nicht am Ende des Lateins.

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BeobachterNatur: Haben Sie neben Ihrem politischen Engagement noch ein Privatleben?
Girod: Natürlich, sogar eines, das bestens funktioniert! (lacht) Und ich mache intensiv Sport. Ich arbeite gern, aber ich bin kein Workaholic; ich möchte das Leben auch geniessen.

BeobachterNatur: Glauben Sie ernsthaft daran, dass wir den Green Change rechtzeitig schaffen? Solche Ideen wurden in den letzten 30 Jahren immer wieder postuliert, bisher ohne Resultat respektive ohne einen Kurswechsel zu erreichen.
Girod: Wir haben schon einiges an Verspätung, aber der Prozess könnte sich rasch beschleunigen. Es kann plötzlich schnell gehen, wie wir am Paradigmenwechsel sehen, der jetzt aufgrund der Finanzkrise stattfindet. Solche Veränderungen kann man nicht im Parlament beschliessen, der Wertewandel muss in der Gesellschaft passieren. Es braucht neue Einsichten, wir müssen diese Tretmühlen und Nullsummenspiele durchschauen, uns darauf besinnen, was im Leben wirklich zählt. Heute besteht die Gefahr, dass wir im Konsumismus gefangen sind, dass wir konsumieren statt denken.

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BeobachterNatur: Gerade deshalb ist es doch utopisch anzunehmen, dass ein grundlegender Wertewandel möglich sei, dass das individuelle Streben nach Materiellem ersetzt werden könne durch ein kollektives Streben nach Glück und Zufriedenheit.
Girod: Es sind immer mehr Menschen, die glauben, dass die Suche nach anderen Antworten notwendig ist. Der Mensch ist nicht in erster Linie ein Egoist. Egoistisch verhält sich nur ein kleiner Teil, die Mehrheit ist empathiefähig und bereit zur Kooperation, wie Experimente aus der Verhaltensforschung zeigen. Das Problem ist, dass das heutige System diese innere Motivation nicht unterstützt.

BeobachterNatur: Was, wenn Ihre Annahme, der Mensch sei ein kooperatives, empathiefähiges Wesen, nicht stimmt? Steuern wir dann dem Untergang entgegen?
Girod: Wenn wir die nötige Empathie nicht aufbringen, haben künftige Generationen tatsächlich Pech. Allein die Tatsache, dass wir uns mit langfristigen Problemen wie dem Klimawandel beschäftigen, beweist doch, dass wir nicht knallharte Egoisten sind. Sondern dass uns das Wohl derjenigen, die nach uns kommen, beschäftigt. Das lässt doch hoffen.

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Bastien Girod:
Green Change
Strategien zur Glücksmaximierung

Zytglogge Verlag
2010
232 Seiten
29.- CHF

Quelle: Patrick Lüthy/remote.ch