Es war eine einzigartige Erfolgsgeschichte im Umweltschutz: Ende der achtziger Jahre verpflichteten sich im Montreal-Protokoll beinahe alle Staaten, ozonschädigende Substanzen wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) und andere zu verbieten. Als Folge davon sank der Verbrauch der schädlichen Gase in den neunziger Jahren massiv, was nicht nur der Ozonschicht zugute kam, sondern auch dem Klima: FCKW sind auch potente Treibhausgase.

Nun allerdings droht laut einer Medienmitteilung der Empa ein sogenannter «Rebound-Effekt», der die Erderwärmung zusätzlich beschleunigen kann. Denn die Ersatzstoffe für die FCKW, die in den letzten Jahren in zunehmenden Mengen in die Atmosphäre gelangten, sind ebenfalls äusserst klimaaktiv, viele noch dazu extrem langlebig. Ein internationales Forscherteam empfiehlt daher im Wissenschaftsmagazin «Science», die wirksamsten dieser Gase ebenfalls zu regulieren. Nur so könne der positive Nebeneffekt des FCKW-Verbots für das Klima erhalten bleiben.

1430-MAL SCHLIMMER ALS CO2

Verwendung finden die Ersatzstoffe etwa als Kühlmittel in Klimaanlagen und Kühlschränken, als Treibmittel für Sprays, als Lösungsmittel oder als Schäummittel bei der Schaumstoffherstellung. Zur Hauptsache handelt es sich dabei um Fluorkohlenwasserstoffe (FKW), welche die Ozonschicht der Erde nicht mehr angreifen. Allerdings sind diese Stoffe äusserst klimaaktiv, da sie wie Kohlendioxid als Treibhausgase wirken. Das in Autoklimaanlagen verwendete FKW-134a zum Beispiel wirke 1430-mal stärker als CO2, schreibt die Empa.

Die Folge: Der in den letzten Jahren deutlich zunehmende globale Ausstoss an FKW dürfte den Klimanutzen des FCKW-Banns bald einmal wettgemacht haben. Zurzeit sei der Beitrag der FKW zum Klimawandel zwar noch gering, schreiben die Forscher in Science. Doch stehe ausser Frage, dass der Klimaeffekt der FKW aufgrund steigender Nachfrage und Produktion vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländer künftig deutlich zunehmen werde.

Problematisch sind vor allem gesättigte FKW, da diese extrem stabil sind und in der Atmosphäre bis zu 50 Jahre überdauern. Daher haben sie im Vergleich zu CO2 ein bis zu 4000-mal höheres langfristiges Treibhauspotenzial. Für Empa-Forscher Reimann, einer der Mitautoren des Science-Beitrags, ist daher klar: «Langlebige FKW sollten nicht mehr in dem Ausmass eingesetzt werden.»

Die Forscher schlagen unter anderem vor, das Montreal-Protokoll so anzupassen, dass langlebige FKW ebenfalls darunter fallen. Ein stufenweises FKW-Verbot sei technisch durchaus machbar, denn: «Chemische und technologische Alternativen sind vorhanden.»

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Der weltweite FCKW-Verbrauch erreichte Ende der achtziger Jahre mit knapp 1,1 Millionen Tonnen jährlich den Höhepunkt (schwarze Linie). Mit dem Verbot dieser Substanzen im Montreal-Protokoll sank deren Verbrauch in den Folgejahren rapide; gleichzeitig stieg die Menge der FKW markant an (rote Linie). (Quelle: UNEP, 2011)

Quelle: Thinkstock Kollektion

Die klimaschädigende Wirkung der FKW (rote Linie, angegeben als CO2-Äquivalente pro Jahr) ist zurzeit noch gering, sie könnte aber je nach Szenario (rote Linien ab 2012) rapide ansteigen. Im besten Fall werden die verschiedenen FKW durch klimafreundlichere FKW mit einer Lebensdauer von weniger als zwei Monaten und einem Treibhauspotential von unter 20 ersetzt. (Quelle: UNEP, 2011)

Quelle: Thinkstock Kollektion
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