Fünf Kartoffelsorten hat das BLW bereits verboten: Corne de Gatte, Burgandy Red, Patates Verrayes, Roosevelt und Vitelotte Noire. Denn laut BLW muss jede Acker- und Futterpflanze im neuen Sortenkatalog eingetragen sein. Dafür muss sie «neu», «unterscheidbar», «homogen» und «stabil» sein und ihren Ursprung in der Schweiz haben. Voraussetzungen, die viele alte Gemüsesorten nicht erfüllen.

Dagegen wehrt sich Pro Specie Rara mit der Kampagne «Vielfalt für alle». Am 2. September hat sie BLW-Vizedirektorin Eva Reinhard über 10'000 Unterschriften überreicht mit der Forderung, die Vielfalt an Gemüse- und Kartoffelsorten zu erhalten. Der Geschäftsführer von Pro Specie Rara, Béla Bartha, befürchtet, dass bereits 2010 «rund 150 alte Gemüsesorten vom Markt verschwinden». Das BLW dagegen weist darauf hin, dass das Saatgutgesetz über die bilateralen Verträge mit der EU geregelt ist. «Unsere Bestimmungen für Gemüsesaatgut müssen künftig den EU-Richtlinien entsprechen», sagt Eva Reinhard. Verständnis für das Anliegen der Sortenschützer hat sie dennoch: «Pro Specie Rara hat einen wunden Punkt berührt.» Auch gegen eine grosse Sortenvielfalt hat sie nichts einzuwenden: «Wenn Umwelt- und Gesundheitsrisiken ausgeschlossen werden können, haben auch Lokalsorten ihren Platz.»

Bis Ende Jahr will das Bundesamt mit neuen Vorschlägen in die Vernehmlassung gehen. Doch letztlich ist es die EU, die über unser Gemüseangebot entscheidet. Das BLW bewertet das erweiterte Agrarabkommen als vorteilhaft, denn es erlaubt dem Schweizer Gemüsebau den Zugriff auf den riesigen Sortenpool der EU. Pro Specie Rara befürchtet dagegen die «Ausmerzung» alter Sorten zugunsten moderner Hybriden. «Was nützen 1200 Kartoffelsorten, die sich kaum voneinander unterscheiden?», fragt Bartha. Die neue Vielfalt sei nur eine scheinbare: «In Tat und Wahrheit droht eine Verarmung unseres Speisezettels.»

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