loading...

St. Gallen hat sich ein hohes Ziel gesetzt: Statt mit fossilen Energiequellen möchte die Stadt ihr Fernwärmenetz schon in vier bis fünf Jahren zu einem grossen Teil mit Erdwärme versorgen. Zu diesem Zweck soll ein etwa 120 Millionen teures Geothermie-Kraftwerk gebaut werden. Im Moment läuft eine Machbarkeitsstudie; der Schlussbericht wird im März vorliegen. «Die ersten Ergebnisse sind sehr vielversprechend», sagt Projektleiter Marco Huwiler vom städtischen Amt für Umwelt und Energie. «In 4000 bis 4500 Metern Tiefe wird eine Temperatur von 150 bis 170 Grad Celsius erwartet.» Diese Wärme würde ausreichen, um die halbe Stadt zu beheizen. Daneben könnte auch Strom produziert werden.

Das Projekt wurde im städtischen Energiekonzept vom März 2007 als Ziel definiert. Gelingt das Vorhaben, ist St. Gallen die erste Stadt, die einen derart hohen Anteil ihres Energieverbrauchs aus erneuerbaren und CO2-freien Quellen gewinnt. Wo genau das Kraftwerk gebaut würde, ist noch offen. Zur Finanzierung ist eine Abstimmung erforderlich, die bereits nächstes Jahr vors Volk kommen könnte.

Anzeige

Anderes Verfahren als in Basel

Spätestens dann wird die Stadt die Bevölkerung überzeugen müssen, dass die Bohrungen keine Erdbeben verursachen wie dies in Basel geschehen war. Der St. Galler Stadtrat Fredy Brunner zeigte sich in einem Interview mit dem St. Galler Tagblatt überzeugt, dass das Risiko für Erdbeben praktisch gleich Null sei. Der Grund: In St. Gallen wird ein ganz anderes Verfahren angewandt als in Basel. In der Ostschweizer Stadt sollen wasserführende Schichten in rund vier Kilometern Tiefe angebohrt werden. Dann wird das heisse Wasser in Form von Dampf heraufgeholt. In Basel hingegen wollte man kaltes Wasser von der Erdoberfläche in heisse Gesteinsregionen pumpen. Beim Versuch, den dichten Fels mit kaltem Wasser unter hohem Druck aufzubrechen und durchlässiger zu machen, bebte die Erde. Das Projekt wurde danach auf Eis gelegt.

Anzeige

Ob es bei den geplanten Bohrungen in St. Gallen wirklich nicht zu kleinen oder gar spürbaren Erdbeben kommt, ist indes umstritten. Nicolas Deichmann vom Schweizerischen Erdbebendienst sagte gegenüber dem St. Galler Tagblatt: «Ob das Verfahren Erdbeben auslösen kann, ist schwierig abzuschätzen.» Gänzlich ausschliessen könne man es nicht. Trotzdem findet Deichmann, Geothermie-Projekte seien zu forcieren. «Es wäre ein Jammer, wenn das Projekt sterben würde.»