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Im FokusWärme aus dem kalten See

In St. Moritz werden ein Nobelhotel, ein Schulhaus sowie zwei Mehrfamilienhäuser mit Energie aus dem See beheizt. Das spart fast 500'000 Liter Erdöl pro Jahr. Möglich machts eine Wärmepumpe, die auch funktioniert, wenn der See gefroren ist.

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Gerade mal vier Grad warm ist das Wasser am Grund des St.-Moritzer-Sees im Winter – doch es liefert fast ge­nügend Energie, um die Räume des Badrutt’s Palace Hotels, eines Schulhau­ses und zweier Mehrfamilienhäuser zu be­heizen. Die Wär­me­pumpe, die das ermöglicht, wurde vor zwei Jah­ren in Betrieb genommen. Indem sie Seewasser von vier auf ein Grad Celsius abkühlt, erzeugt sie Heizwasser von 70 Grad.

Was hat das neue Heizsystem aus ökologischer Sicht gebracht? Früher wurden die Räume mit Öl beheizt, für einige Hotel-Ap­parte­ments war gar eine leistungsfähige Elek­tro­­hei­zung in Betrieb. Heute liefern Öl­hei­zungen nur noch 16 Prozent der Wärmeenergie – der Rest stammt von der Wärme­pumpe und zwei neuen Wärme­rückgewin­nungs­anlagen. Jährlich reduziert sich damit der Heizölverbrauch um 475'000 Liter und der CO2-Ausstoss um 1200 Tonnen.

Die Wärmepumpe benötigt allerdings ­selber viel Energie: Für drei Kilowattstunden Wärme muss eine Kilowattstunde Elektri­zität aufgewendet werden. Trotzdem stieg der Stromverbrauch nur geringfügig, weil die in­effi­ziente Elektroheizung ausser Betrieb gesetzt wurde. Rund 20 Prozent des ­be­nötigten Stroms – geliefert von St. Moritz ­Energie – stammen aus dem nahe gelege­nen Fluss­kraftwerk, der Rest wird auf dem Strommarkt zugekauft. Aller­dings handelt es sich nicht um Ökostrom, son­dern grösstenteils um Wasser- und Atomstrom. Der genaue Mix ist unbekannt. Für die Tiere und Pflanzen des Sees stellt die Wärmenutzung keinerlei Beeinträchtigung dar.

Wärmepumpen liegen in der Schweiz im Trend: 2007 wurden deut­lich mehr Wärmepumpen als Ölkessel oder Gasheizungen verkauft. Mehr als die Hälfte der Wärmepumpen be­ziehen die Wärme aus der Umgebungsluft. Weitere 42 Prozent ­arbeiten mit Erdwärme, nur etwa zwei ­Prozent nutzen Grund-, Fluss- oder Seewasser.

Seewasser-Wärmepumpen eignen sich vor allem für grosse Mehrfamilienhäuser und für Fernwärmenetze mit mehreren Gebäuden. In St. Moritz Bad ist der Bau einer weiteren, noch leistungsfähigeren Seewasser-Wärmepumpe in Abklärung.

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Quelle: Daniel Röttele
Veröffentlicht am 30. Januar 2009