Der Solothurner AKW-Angestellte Christian Riesen gibt sich als David gegen Goliath im Kampf gegen die Energiewende. Ein Dorn im Auge ist ihm insbesondere die staatliche Förderung von Wasser, Wind- und Solaranlagen, die aus einer höheren Abgabe von den Stromkunden finanziert werden soll. Ohne politische Partei im Rücken sammelt er derzeit Unterschriften gegen die erneuerte kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), die das Parlament beschlossen hat. Kern der Vorlage: Stromkunden bezahlen neu 1,5 Rappen statt wie bisher 0,9 Rappen für jede bezogene Kilowattstunde. Aus diesem Topf werden Anlagen für erneuerbare Energien finanziert. Ein halbes Dutzend Prominenter hat Rieser gefunden, die ihn mit ihrem Namen im Kampf gegen diesen Solarrappen unterstützen.

Jetzt zeigt sich: Die Prominenten wussten nicht, auf wen sie sich da eingelassen hatten. Sowohl alt Bundesrätin Elisabeth Kopp als auch der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti oder Beda Stadler, Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern, erklärten gegenüber dem Beobachter, dass sie den umtriebigen Chef des Referendums nicht kennen. Sie seien angefragt worden, mit ihrem Namen in einer Art Referendumskomitee mitzumachen, und hätten aufgrund ihrer kritischen Haltung zur Einspeisevergütung zugesagt.

Von Riesens schillernder Vergangenheit wussten sie nichts. Als Vizepräsident der Jungen SVP Kanton Bern versuchte er einst, eine Volksinitiative für die Wiedereinführung der Todesstrafe zu lancieren. Das Buch trug den Titel «Todesstrafe muss sein». Heute spricht er lapidar von einer «Jugendsünde». Die bernische SVP warf ihn damals aus der Partei. Später gab er ein Buch mit Tipps heraus, wie man sich besser rächt. Dabei schilderte er «üble Tricks», wie man andere in den «psychischen und finanziellen Abgrund stürzen» kann und empfahl das Telefon als «Terrorwaffe». Seine «Checklisten» und «Racheregeln» seien natürlich «keine Handlungsaufforderungen», beschwichtigte er damals. Die Polizei, die sich unter Umständen eines Rächers annehmen könnte, verhöhnte er aber als «Leutchen, die farbige Lämpchen auf dem Autodach spazieren führen».

SVP-Exponent Zanetti sagt, ihm sei egal, wer Riesen sei und was er sonst noch tue. Hauptsache, jemand ergreife gegen die unsinnige Subventionierung von Solarstrom das Referendum. Ebenso wenig Interesse an Riesens Vorgeschichte haben alt Bundesrätin Elisabeth Kopp und Raumfahrtexperte Bruno Stanek.

Anders Immunologe Beda Stadler. Nach dem Hinweis des Beobachters forderte er postwendend Riesen auf, «meinen Namen von der Unterstützerliste zu streichen». Dem Beobachter erklärte Stadler schriftlich: «Ich setze mich in kein Boot mit Menschen, die sich eine Todesstrafe wünschen.» Inzwischen hat er seine Meinung wieder geändert. Auf einer geschlossenen Facebook-Seite teilt er seinen Rücktritt vom Rücktritt mit. Stadler unterstützt nun Riesens Referendum wieder ganz offiziell.

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