Greenpeace-Aktivisten sind Meister der media­len Inszenierung, doch die Knochenarbeit im Hintergrund lassen sie andere machen. Ein Lehrstück dieser Taktik boten die allzeit bereiten Umweltschützer beim Klimagipfel in Kopenhagen vor zwei Jahren. Während sich die Fachleute durch Verhandlungspapiere mühten, rollten Umweltaktivisten von Greenpeace bei einem königlichen Galadiner Transparente aus, auf denen sie «Taten statt Worte» ­forderten. Für den Propaganda-Klamauk ­erwarten die elf Aktivisten – darunter zwei Schweizer – in den kommenden Wochen das ­Urteil der dänischen Justiz.

Wo die internationalen Medien präsent sind, ist Greenpeace nicht weit. Klimakonferenzen sind seit dem Weltgipfel 1992 in Rio dankbare Gelegenheiten, um auf sich aufmerksam zu machen. Denn nirgendwo ist der Graben zwischen ökologischen Ansprüchen und der Realpolitik grösser als bei der Klimapolitik. Dies schafft ­Unmut, den Greenpeace geschickt nutzt. Die Aktivisten bieten den nach Schlagzeilen hungernden Medien willkommenes Nachrichten- und Bildmaterial. Das ist umso gefragter, als Verhandlungen bei solchen Konferenzen hinter verschlossenen Türen stattfinden. Davon zu berichten ist mühsam, schwierig und unspektakulär. So stand der Schweizer Vertreter der Umweltorganisationen in Kopenhagen kaum im Rampenlicht. Als offizielles Mitglied der Verhandlungsdelegation hatte er zwar direkten ­Einfluss auf die Gespräche und Positionen, aber dieses Engagement lässt sich schlecht vermarkten.

Greenpeace sucht das mediale Scheinwerferlicht und pflegt das Image der kompromisslosen Draufgängertruppe. Die Aktivisten ketten sich an Giftfässer und Bahntrassen, sie klettern auf Kühltürme und Kamine oder fahren auf klapprigen Booten über die stürmische See. Immer begleitet von den Kameras, die die heroi-schen Kämpfer ins rechte Licht rücken.

Greenpeace versteht sich als Speerspitze der Umweltorganisationen, die den Finger auf wunde Punkte legt. Gegenüber Kooperationen mit anderen Organisationen oder mit der Wirtschaft ist man kritisch eingestellt. Stattdessen recherchieren die Aktivisten heikle Machen­schaften von Firmen und inszenieren den Skandal. Mit dieser Strategie sorgt die Organisation vor allem für kurzfristige Schlagzeilen – auch wenn sie immer wieder nachhaltige Erfolge aufweisen kann. Hierzulande flog etwa das unsaubere Geschäft mit der Wiederaufbereitung von Kernbrennelementen im russischen Mayak dank Greenpeace auf. Ebenso war der Druck von Greenpeace nötig, damit die chemische Industrie ihre verseuchten Deponien in der Nordwestschweiz saniert.

Der Umgang mit neuen Technologien und ihre Bewertung ist allerdings ein schwieriges Geschäft. Schnell verfällt man auch bei Greenpeace in Populismus, etwa im Fall der Gentechnologie, die im medizinischen Bereich akzeptiert wird, nicht aber in der Landwirtschaft. Dabei gibt es durchaus nützliche Anwendungen. Nährstoffangereicherte Pflanzen wie der «Golden Rice» könnten in der Dritten Welt Menschen mit Vitamin-A-Mangel vor Blindheit bewahren und die Kindersterblichkeit senken.

Zurzeit haben Gentechpflanzen in der Schweiz wie auch sonst in Europa bei den Konsumenten zwar keine Chance. Und doch ist es kurzsichtig, eine Technologie und ihre Anwendungen zu verteufeln, wie es beim Protest gegen Freilandversuche in der Schweiz getan wird. Green­peace ist nicht die einzige gentechkritische Organisa­tion, aber sie protestiert am vehementesten.

Dass der Wind sich drehen kann, zeigt der ehemalige Chef von Greenpeace International, der Deutsche Gerd Leipold. Der Umweltaktivist der ersten Stunde ist heute Berater des einstigen Feindbilds McDonald’s. Kooperation und Überzeugungsarbeit lohne sich mehr, als die Unternehmen mit spektakulären Aktionen zu umweltfreundlichem Verhalten zu zwingen, findet er. Von ­dieser Erkenntnis sollte sich die Organisation ein Stück abschneiden. Denn irgendwann laufen sich Aktivismus und filmreife Festnahmen tot.