«Ich kam als junger Mann nach Paris, für einen einjährigen Stage als Diplomat bei der Schweizer Botschaft. Meine Wohnung lag auf der Île Saint-Louis, das ist eine kleine Insel in der Seine, die durch eine Brücke mit der Île de la Cité verbunden ist. Im Sommer ist sie voller Touristen, im Winter hingegen ein Dorf. Jeder kennt hier jeden.

Wenn ich an Paris denke, kommen mir die Bistros in den Sinn, die Antiquitätengeschäfte und Flohmärkte, die Käsegeschäfte und Bäckereien. Als ich dort wohnte, wurde mir Paris zur zweiten Heimat. Die Menschen in dieser Stadt sind ziemlich zurückhaltend – man sagt oft, sie seien arrogant. Für mich ist es eher eine Art von vornehmer Zurückhaltung. Und mit der Zeit entwickeln sich auch in Paris echte Freundschaften.

Ich bin noch immer regelmässig in Paris, bestimmt jedes Jahr einmal, meistens beruflich. Am liebsten reise ich mit dem TGV, da kommt man gleich in der Stadt an. Ich übernachte zwar jeweils dort, wo meine Sitzungen stattfinden, aber es zieht mich jedes Mal ans Seine-Ufer und in meine alte Heimat, auf die Île Saint-Louis, wo es bei Berthillon die beste Glace der Welt gibt. Ich habe keine Lieblingssorte, sondern probiere immer wieder Neues, neue Aromen von Gewürzen, Früchten oder Blüten. Im Sommer stehen die Touristen hier Schlange.

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Paris ist immer für neue Überraschungen gut

Es sind nicht die grossen Sehenswürdigkeiten und die Kulturzentren, die für mich die Stadt Paris ausmachen. Natürlich muss man den Eiffelturm und die Champs-Élysées einmal gesehen haben. Doch am liebsten flaniere ich durchs Quartier Latin, setze mich vor ein Bistro, bestelle ein Glas Wein und beobachte die Menschen auf den Strassen. Die einfache Bistro-Küche schätze ich sehr. Ich bin kein Freund teurer Restaurants; am liebsten esse ich an einem Stand eine Crêpe mit Käse und Schinken. Bevor ich die Stadt wieder verlasse, kaufe ich immer Käse ein – es gibt Spezialitäten, die wir in der Schweiz gar nicht kennen.

Obwohl ich Paris wegen seiner Quartiere, Winkel und Gassen liebe, fasziniert mich die endlose Urbanität dieser Stadt. Man kann stundenlang umhergehen und hat dabei immer das Gefühl, noch lange nicht alles gesehen zu haben. Die grossen Städte der Schweiz bieten ebenfalls viel, aber man kennt sie recht schnell. Paris ist nie erschlossen – und immer wieder für neue Überraschungen gut.

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Quelle: Beobachter Edition