Das Wissenschaftlerteam vom deutschen Alfred-Wegener-Institut (AWI) und vom indischen National Institute of Oceanography (NIO) ist von seiner Expedition mit dem Forschungsschiff Polarstern zurückgekehrt. Das Projekt «Lohafex» lieferte nach Angaben der Wissenschaftler neue Einblicke in die Funktionsweise des planktischen Ökosystems. Es dämpft hingegen die Hoffnungen, bedeutende Mengen Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre langfristig im Südozean binden zu können, um die Erderwärmung abzumildern.

Die Forscher verbrachten zweieinhalb Monate im Südatlantik und brachten dort sechs Tonnen gelöstes Eisen in ein 300 Quadratkilometer grosses Gebiet ein. Das sollte gemäss Plan dazu führen, dass das Algenwachstum stimuliert wird, wobei die Organismen CO2 in ihre Zellen einlagern. Wenn die Algen dann absterben, sinken sie auf den Meeresgrund. Damit lässt sich das Treibhausgas aus der Luft entfernen und dauerhaft deponieren.

Die Düngung regte zwar wie erwartet das Wachstum von Kleinalgen an. Sie verdoppelten ihre Biomasse innerhalb von zwei Wochen, indem sie CO2 aus dem Wasser nutzten. «Doch Ruderfusskrebse stoppten ein weiteres Anwachsen der Algenblüte, da sie die Kleinalgen frassen», erklärt Dr. Wajih Naqvi vom NIO. Bis zum Ende des Experiments sank deshalb nur eine geringe Menge an Kohlenstoff zum Meeresboden ab. So wurde während der Lohafex-Blüte weniger CO2 aus der Atmosphäre im Ozean aufgenommen als bei früheren Eisendüngungsexperimenten.

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Die Algenblüten in vorhergehenden Experimenten bestanden hauptsächlich aus Kieselalgen. Diese einzelligen Algen werden wegen ihrer harten Silikatschale kaum gefressen und sinken nach der Blüte zum Meeresgrund ab. Doch Kieselalgen konnten in der Lohafex-Algenblüte nicht wachsen, da die Kieselsäure, die sie für ihr Wachstum benötigen, im Untersuchungsgebiet durch vorherige natürliche Blüten aufgezehrt worden war. Ein Hauptergebnis des Experiments ist demzufolge, dass das Wachstum anderer Kleinalgen durch Eisendüngung stimuliert werden kann, sie aber keine so grossen Blüten bilden können wie Kieselalgen. Dementsprechend würde eine Düngung der riesigen subantarktischen Zone mit Eisen wahrscheinlich nicht dazu führen, dass bedeutende Mengen CO2 aus der Atmosphäre gebunden werden könnten, da der Gehalt an Kieselsäure im Oberflächenwasser dieses Gebietes zu gering ist.

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Am Ende des Experiments sank die Chlorophyllkonzentration (das Mass für die Algendichte) wieder ab. Mittlerweile wird sich der gedüngte Fleck bereits mit dem Umgebungswasser vermischt haben, so dass nichts weiter zurückbleibt, als ein Schwarm wohlgenährter Flohkrebse. (AWI/27.03.2009)