Mit Whale-Watching werden insgesamt 2,1 Mrd. Dollar jährlich umgesetzt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die beim diesjährigen Treffen der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) in Madeira präsentiert wurde. «Whale Watching ist definitiv der nachhaltigere Weg als die Jagd, und wie wir berechnet haben, bringt das auch finanziell mehr», sagt Patrick Ramage vom International Fund for Animal Welfare (IFAW), der die Studie veröffentlich hat. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Wal-Beobachtungstouren verdoppelt. 2008 hatten 13 Mio. Menschen in 119 Ländern an solchen Exkursionen teilgenommen. Am stärksten war der Zuwachs in Asien.

Trotzdem wollen die drei Staaten, die noch Walfang in grösserem Stil betreiben, das seit 1986 bestehende kommerzielle Walfangverbot aufheben. Um das Verbot zu umgehen, bejagen sie die Meeressäuger derzeit «zu wissenschaftlichen Zwecken». Japan tötet über 1000 Wale pro Jahr, und Island hat kürzlich angekündigt, den Walfang massiv auszudehnen und neu 150 Finnwale sowie bis zu 100 Minkwale jährlich zu jagen. Nicolas Entrup, Geschäftsführer der deutschen Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) kritisiert, dass diese riesigen Mengen von Walfleisch gar niemand konsumieren könne. Experten vermuten, dass das Finnwal-Fleisch aus Island für den Export bestimmt ist.

Schweiz setzt sich für Walfang in Grönland ein

Kontrovers wurde an der diesjährigen IWC-Tagung der Antrag von Dänemark (Grönland) für eine neue jährliche Quote von 10 Buckelwalen für den Eingeborenen-Walfang diskutiert. Die Schweiz war bereit, diesem Antrag zuzustimmen, da gemäss dem wissenschaftlichen Ausschuss die Entnahme von 10 Exemplaren für die nächsten zehn Jahre den Bestand nicht negativ beeinflussen würde. Die EU-Staaten lehnten das Ansinnen hingegen ab.

Insgesamt ging die einwöchige Jahrestagung der internationalen Walfangkommission auch dieses Jahr beinahe ergebnislos zu Ende. «Es wurde viel geredet und nichts getan» - so das Fazit von Antje Helms, Meeresexpertin bei Greenpeace Österreich. Bereits im Voraus habe man sich darauf geeinigt, die meisten kontroversen Themen auszusparen, zudem seien die Beschlüsse schon vor Beginn des Treffens festgestanden. Der einzige inhaltliche Beschluss sei gewesen, künftig in kleineren Arbeitsgruppen über die Zukunft der Kommission weiter zu diskutieren zu wollen.

Der ausbleibende Verhandlungserfolg spiegelt die verfahrene Situation wieder, in der sich die Kommission schon seit längerem befindet. Weder Verfechter noch Gegner des Walfangs kommen alleine auf die Dreiviertelmehrheit, die für Beschlüsse nötig ist. Dass die Befürworter eine so gewichtige Stimme besitzen, ist auf die Lobbyarbeit Japans zurückzuführen. «Japan hat sich durch Zahlungen die Stimme kleinerer Staaten zugesichert, vor allem von Pazifik- und Karibikinseln, die selbst nur eine jährliche Fangquote von zwei bis drei Wale besitzen», so Helms. (pte/sb)