Die Sherpas werden nicht nur Müll, sondern auch Leichen von verunglückten Bergsteigern aus der «Todeszone» bergen, wie das Gebiet jenseits der 8000-Meter-Grenze aufgrund der dünnen Luft und der tückischen Verhältnisse genannt wird.

Die Bergsteiger - unter der Leitung des siebenfachen Everest-Bezwingers Namgyal Sherpa - wollen zumindest die beiden tödlich verunglückten Bergsteiger Scott Fischer und Gianni Goltz bergen. Die Expedition, die an diesem Wochenende in der nepalesischen Hauptstadt Katmandu startet, wird am 1. Mai den Südpass des Everest erreichen. Dort werden die Sherpas knapp unter 8000 Metern ein Camp errichten und anschliessend zum Gipfel des höchsten Berges emporklettern. Beim Abstieg zurück zum Lager werden die Sherpas versuchen, so viel wie möglich einzusammeln.

Erstmals Müllsammlung in 8000 Metern Höhe

«Bisher hat noch kein Mensch den Müll aus dieser Höhe wegtransportiert», so Namgyal. Es sei jedoch wichtig, die Umwelt am Berg sauber zu halten und den Aufstieg sicher zu machen. Namgyal kritisiert als Bergsteiger die wachsenden Müllmengen am höchsten Berg der Welt. Aufgrund der widrigen Umstände soll keiner der Expeditionsteilnehmer mehr als 20 Kilogramm Gepäck mitführen und länger als zwölf Stunden in Höhen von mehr als 8000 Metern bleiben.

Insgesamt wollen die Bergsteiger eine Woche lang am Südpass bleiben und in mehreren einzelnen Aufstiegen den Berg vom Abfall befreien. Namgyal ist sich der Gefahr bewusst, doch das Team sei erfahren und gewillt, die Herausforderungen anzunehmen. Etwa 3000 Kilo Abfälle - Zelte, Schnüre, leere Sauerstoffflaschen, Lebensmittelbehälter und Campingkocher - wollen die Bergsteiger ins Tal bringen.

Diskussionen um Opfer des Everest

Unklar ist, wie viele verunglückte Bergsteiger in der Todeszone liegen, und ob sie alle geborgen werden können. Namgyal erklärte gegenüber BBC, dass einige Familien von Toten darum gebeten hatten, die Leichen am Berg zu belassen. «Für uns Nepalesen ist der Everest ein heiliger Berg und wir wollen nicht, dass er zu einem Friedhof wird», so der Expeditions-Koordinator Chakra Karki. Auch die nepalesische Regierung verfolge die Politik, dass am Berg keine Toten liegen bleiben dürfen.

Ein weiteres Anliegen der Expeditionsteilnehmer ist die Sicherung beziehungsweise die Entfernung alter Sicherheitsseile. Seit der Erstbesteigung im Jahr 1953 sind zahlreiche solcher Seile angebracht worden. Für viele Bergsteiger sei nicht klar ersichtlich, welche davon tatsächlich sicher sind und welche nicht. «Wenn Bergsteiger sich an den alten Seilen halten, können sie verunglücken», so Namgyal.

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Strenge Regeln für Everest-Gipfelstürmer

Die nepalesische Regierung hat nun strenge Regeln für Bergsteiger erlassen, um sicherzugehen, dass kein Abfall zurückbleibt. Im Falle des Zuwiderhandelns droht den Bergsteigern der Verfall der 4000-Dollar-Sicherheitsleistung, die vorab zu bezahlen ist. (pte)

Eindrücke vom Mount Everest

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